Gedanken zur Förderung der Traberzucht in Deutschland
vom 14.02.2017

(jg) – Seit mehr als 20 Jahren verzeichnen wir im deutschen Trabersport einen stetigen Rückgang an Fohlengeburten. Jeder weiß, ohne Pferde keine Rennen.

Waren es 1996 noch 2.639 Fohlengeburten, so hatte sich 2006 die Anzahl auf 851 reduziert. Ein Minus von 68 Prozent innerhalb von zehn Jahren. 2011 wurde mit 618 Fohlengeburten ein weiterer Tiefstand erreicht. 2016 sind geschätzt 430 Fohlengeburten beim HVT gemeldet worden. Das sind gegenüber 2006 abermals 50 Prozent weniger Fohlen.

Innerhalb von 20 Jahren haben sich die Fohlengeburten im deutschen Trabrennsport also um mehr als 80 Prozent verringert. Überspitzt formuliert nähern wir uns dem Aussterben der Rasse deutscher Traber.

Jahr Fohlen  
1996 2.639  
2006 851 Minus 68 %
2011 618 Minus 77 %
2016 430 Minus 84 %

Diese  Zahlen sind mehr als besorgniserregend. Hat der Zuchtverband alles unternommen, um dem desaströsen und existenzgefährdenden Trend entschieden entgegenzutreten? Wir meinen nein!

Die extrem rückläufige Tendenz der Fohlengeburten hat gewiss vielfältige Ursachen. Das ist ein gesondertes Thema und soll hier nicht zur Debatte stehen. Für einen Traberzüchter macht es aber augenscheinlich kaum noch Sinn, Pferde zu züchten. Zu viele Widrigkeiten und Enttäuschungen haben deutsche Traberzüchter in der Vergangenheit ertragen müssen. Angefangen bei der Verteuerung der Aufzucht durch enorm gestiegene Deckkosten, die sich am globalen Markt ausrichten, bis zur Verweigerung der internationalen Züchterprämie.

Eine Förderung der Zucht muss unseres Erachtens zwei Ziele verfolgen:

a) Erhaltung bzw. Steigerung der Zuchtpopulation, also Anreiz zu mehr Stutenbedeckungen.
b) Erhaltung bzw. Steigerung der Zuchtqualität, also Förderung der besten Stuten mit besten Hengsten.

Beides sinnvoll zu verbinden ist Aufgabe eines Zuchtverbandes.

Hinzu kommt ein weiterer Mosaikstein, bei dessen Durchsetzung der Zuchtverband eine wichtige Rolle spielen könnte:

c) Anhebung der Rennpreise für junge Pferde und Verlässlichkeit bezüglich Ausschreibungen.

Erhaltung bzw. Steigerung der Zuchtpopulation
Um dem stetigen Schwund an Fohlengeburten entgegenzutreten und den Umschwung einzuleiten, schlagen wir eine Fohlenprämie vor. Die Geburt des ersten Fohlens einer Stute sollte generell mit einer Prämie honoriert werden.

Erfolgreiche Stuten verbleiben häufig zu lange im Rennstall oder werden nach zwei Saisons ins Ausland verkauft. Das ist ein schmerzlicher Verlust für die deutsche Traberzucht. Importe junger Zuchtstuten finden nicht ausreichend statt. Diesbezüglich wäre auch eine Altersbeschränkung für die gehobenen Stutenrennen in Deutschland bis maximal siebenjährig zu empfehlen.

Die erfolgreichsten Nachkommen einer Stute befinden sich oft unter ihren ersten Produkten. Zudem werden die Nachkommen junger Stuten am Markt mit Interesse angenommen. Einige Beispiele der Jährlings-Auktionen 2016 in Deutschland und die Ergebnisse hochdotierter Rennen belegen dies:

Orlando Jet Traber des Jahres 2016 1. Nachkomme
Fridericius Gewinnreichster älterer Traber 2016 1. Nachkomme
Stan Libuda Siegreichster Traber 2016 1. Nachkomme
Il Capo dei Capi 100.000 Euro Auktionspreis 1. Nachkomme
Isabella Boshoeve 46.000 Euro Auktionspreis 1. Nachkomme
Invincible Boko 36.000 Euro Auktionspreis 1. Nachkomme
Aventura 30.000 Euro Auktionspreis 1. Nachkomme
Diablo Simoni 30.000 Euro Auktionspreis 1. Nachkomme
Iniesta Bros 30.000 Euro Auktionspreis 1. Nachkomme

Steigerung der Zuchtqualität
Zur weiteren Qualitätsverbesserung der Zucht schlagen wir Beihilfen zum Fohlengeld vor, die einen merklichen Anreiz bieten müssen. Wir denken an eine Pauschale, die der Verband zwecks Registrierung des Fohlens an den Hengsthalter zahlt. Ausgeschlossen von der Beihilfe sind Stuten, die von einem Hengst im Eigentum des Züchters bedeckt werden. Eine zahlenmäßige Begrenzung der geförderten Stuten pro Züchter halten wir für sinnvoll.

Die beschriebenen Unterstützungsmaßnahmen werden durch Rahmenbedingungen flankiert:

1) Eine Altersbegrenzung der Stute, für die eine Fohlengeldbeihilfe beantragt wird.
2) Eine Selektion der Stute anhand ihrer Eigenleistung und/oder der Leistung ihrer Mutter und Geschwister.
3) Eine Selektion der Vaterpferde.

Anhebung der Rennpreise für junge Pferde
Eine Subvention der Zucht kann natürlich nur der erste Schritt zur Wiederbelebung des deutschen Trabrennsports sein. Folgen müsste eine deutliche Anhebung der Rennpreise für zwei- und insbesondere für dreijährige Pferde und eine Garantie zur Durchführung dieser Rennen. Das ist möglich. Man muss es nur wollen.

Wir besitzen klare Vorstellungen über die Finanzierung dieses Vorhabens, über die Höhe der Fohlenprämien, der Fohlengeldbeihilfen, über die Anforderungen an die zu fördernden Stuten und die Förderung junger Pferde. Die Haltung des Zuchtverbandes hierzu, dokumentiert in der Ideenliste der Arbeitsgruppe GoTrabGo, „Deckhengst-Subvention wird nicht realisiert“, halten uns allerdings davon ab, weiter ins Detail zu gehen.

Noch ist es nicht zu spät, in der Mitgliederversammlung des Zuchtverbandes eine Umkehr des Trends für die Zuchtsaison 2018 und folgende zu beschließen. Wir stehen am Abgrund, durch Untätigkeit verändert sich die Lage nicht zum Besseren.