Italien muss liefern!
vom 10.02.2017

(jg) – Der italienische Pferdesport befindet sich bekanntlich in einer Dauerkrise. Sowohl der Galopp- als auch der Trabrennsport sind betroffen.

Trotzdem sind die Rennpreise im italienischen Trabrennsport im Vergleich zu anderen europäischen Nationen immer noch sehr üppig. Ob sich das verantworten lässt, entzieht sich unserer Kenntnis.

Was aber überhaupt nicht geht, ist die nun schon seit Jahren geübte Praxis der verzögerten Rennpreisauszahlung. Wie uns bekannt wurde, wartet z.B. der Stall Habo immer noch auf die Überweisung des Rennpreises seiner Stute Indira Bo, Vierte im Orsi Mangelli Filly 2015! Wenn Besitzer gezwungen sind einen Anwalt einzuschalten, um an ihre rechtmäßig gewonnen Rennpreise zu gelangen, ist es höchste Zeit, dass aufsichtsführende Organisationen, in diesem Fall die U.E.T., entschieden einschreiten.

Selbstverständlich ist die Lage auch für Rennpferdebesitzer in Italien nicht einfach. Auch sie warten monatelang auf den ihnen zustehenden Lohn. So weichen sehr viele Rennställe nach Frankreich aus, um sich über Wasser zu halten. Das ist verständlich, aber keine Lösung des italienischen Problems.

Was besonders übel aufstößt ist, dass der italienische Rennsport sich anscheinend einen Dreck um die Kritik an seinem System schert. So staunte die internationale Fachwelt nicht schlecht, als kürzlich bekannt wurde, dass die Dotation des Derbys um 31 Prozent auf über eine Million Euro aufstockt und die Anzahl der Gruppe 1-Rennen sogar von 23 auf 26 Rennen erhöhte worden ist. Kein anderes Land in Europa richtet mehr Gruppe 1-Rennen aus als Italien! In Schweden sind es 25 und in Frankreich 23 Gruppe 1-Rennen.

Mit seinen künstlich aufgeblasenen Rennpreis-Luftschlössern, was auch in Italien selbst kritisch gesehen wird, erwirbt sich der italienische Trabrennsport einen nicht unerheblichen Vorteil im französischen Rennsport. Während anderenorts nur wenige Pferde das nötige Geld aufnehmen können, um am Tisch zur Verteilung des französischen Rennpreiskuchens Platz zu nehmen, ist das „italienische Modell“ für manchen italienischen Rennstall ein idealer Fußbügelhalter. Viele italienische Rennpferde erwerben ihre Startberechtigung an französischen Rennen durch „Fantasie-Gewinnsummen“, die ihnen in der Realität gar nicht ausbezahlt worden sind.

Die U.E.T. hätte ihre Zusammenkunft Ende Januar in Paris nutzen müssen, um Italien endlich klar zu machen, dass es so nicht weiter gehen kann. Wenn man in Italien nicht bereit oder in der Lage ist, die Rennpreise pünktlich, also international üblich binnen drei bis vier Wochen auszuzahlen, dann müssen Konsequenzen gezogen werden.

Bei den Galoppern war zu lesen, dass der italienische Galopprennsport fast alle seine Gruppe-Rennen auf höchstem Niveau verloren hat. Sogar Überlegungen, den italienischen Rennsport aus der europäischen Gemeinschaft zu suspendieren, sind nicht neu. Ein Ausschluss aller italienischer Rennställe an Rennen innerhalb Europas würde mit Sicherheit den nötigen Druck erzeugen, um die Situation in Italien kurzfristig zu ändern.

Vielleicht sollte man sich in Italien auch ein wenig bescheiden. Geringere, der schwierigen Lage angepasste Dotationen, könnten vielleicht ein Hilfsmittel sein, die Rennpreise zukünftig termingerecht bereitzuhalten.