„Als ob wir keinen Bock auf unsere Kundschaft hätten!“
vom 21.04.2015

Traber-News.com im Gespräch mit Uwe Küster

(jg/dk) – Seine Visitenkarte trägt schlicht und einfach die Bezeichnung „Uwe Küster - GelsenTrabPark e.V.“. In der Praxis ist der Mann derzeit erster Vorsitzender des Gelsenkirchener Trabrennvereins und verantwortlich für den Geschäftsablauf.

Der 47jährige gelernte Diplom-Betriebswirt ist einer der wenigen übrig gebliebenen, die bereits für den zum Jahresende aufgelösten Win Race-Verein in Gelsenkirchen tätig waren. Zum jetzigen Team gehören weiterhin Karin Jänichen, zuständig für den kaufmännischen Bereich, und die Auszubildende Ann-Katrin Schweres. Auch Bahninspektor Hans Sax war bereits für den alten Verein tätig. Heinz-Peter Haide übt die unverzichtbare Tätigkeit des Rennsekretärs auf freiberuflicher Basis aus.

Uwe Küster: Wir müssen darüber reden!

„Wirtschaftliche Umstände haben uns gezwungen, auf zwei Mitarbeiter in der Verwaltung und auf zwei bewährte Kräfte des Bahnteams zu verzichten,“ gibt uns Uwe Küster zu verstehen. „Hierdurch und durch eine radikale Neuorganisation der übrigen Bereiche haben wir eine Einsparung der Personalkosten von 30 bis 40 Prozent erreicht. Das ist hart, vor allen Dingen für die Betroffenen,“ sagt Uwe Küster. Sein Unbehagen über diesen schmerzlichen Einschnitt muss man ihm abnehmen.

„Wir besaßen nur zwei Alternativen“
Wir kommen auf die letzten Tage des alten Win Race-Vereins zu sprechen.“Es war der 25. September 2014, als das gesamte Personal die Kündigung erhielt und der Vereinsvorsitzende die Einstellung des Rennbetriebs zum 31. Dezember erklärte,“ erzählt uns Uwe Küster. „Viele Alternativen hatten wir nicht, eigentlich nur zwei, entweder das Ende des Trabrennsports in Gelsenkirchen oder wir mussten uns in aller Eile nach einem neuen Vermarkter umschauen. Die Nikea AG, Eigentümerin des Geländes, wollte den traditionsreichen Trabrennsport in Gelsenkirchen nicht sterben lassen und nahm Kontakt mit German Tote auf.“

So ist der neue Rennverein GelsenTrabPark entstanden, der sich Dank des neuen Vermarkters derzeit in ruhigem Fahrwasser zu befinden scheint. Dabei war der Beginn alles andere als vielversprechend. „Den geplanten PMU-Renntermin am 1. Januar mussten wir notgedrungen absagen, da uns einige technische Ausrüstungsgegenstände fehlten,“ erinnert sich Uwe Küster. Heute muss der Rennverein gegenüber früheren Zeiten z.B. mit nur einem Traktor auskommen. „Es geht,“ sagt Uwe Küster, „wir haben ja auch nur einen Fahrer zur Hand.“ In der Not geht so einiges.

„PMU wünscht mehr Veranstaltungen in Gelsenkirchen“
Aber Not muss der neue Gelsenkirchener Rennverein nicht wirklich leiden. Es wird knallhart kalkuliert. Die ersten sechs Rennveranstaltungen 2014 haben Mut gemacht. Vor allem der sensationelle PMU-Renntag am 6. März, als französische Wettkunden auf acht Rennen in Gelsenkirchen für mehr als 3,5 Millionen Euro Umsatz sorgten. „Einen solchen Umsatz hat noch keine deutsche Trabrennbahn erreicht und hat uns zwei zusätzliche Renntage eingebracht (23.4. und 13.5.),“ berichtet Uwe Küster nicht ohne Stolz. „Die PMU sieht die Gelsenkirchener Rennbahn als umsatzstärksten Veranstalter von Trabrennen in Deutschland und wünscht weitere Veranstaltungen bei uns.“

Im Gespräch ist derzeit auch eine Reaktivierung der Rennbahn als Trainingsgelände. „Allerdings ist dieser Plan nicht im Jahresbudget enthalten,“ schränkt Uwe Küster ein. „Hierzu bedürfte es zusätzlicher Einnahmen, die sich im Moment nur schwer realisieren lassen.“ Vielleicht helfen die guten Beziehungen nach Frankreich, um Gelsenkirchen irgendwann als Standort französischer Traber zu etablieren.

„Die BILD-Zeitung liebt diese Veranstaltung“
Die zufriedenstellenden wirtschaftlichen Ergebnisse der ersten Renntage haben dazu geführt, dass es am 1. Mai wieder zu einem BILD-Renntag im Nienhausen Park kommen wird. „Die BILD-Zeitung liebt diese Veranstaltung,“ verrät Uwe Küster. „Wir rechnen mit Banks und King of the World als feste Starter, und möglich ist auch der ein oder andere hochkarätige holländische Gast.“

Trotz mancher Kritik hält Uwe Küster die Anwesenheit der Prominenz aus dem Showgeschäft am 1. Mai für richtig. „Fakt ist, dass an solchen Tagen unser Bahnumsatz deutlich über dem Durchschnitt liegt. Vergangenes Jahr konnten wir einen Bahnumsatz von mehr als 142.000 Euro verzeichnen, in etwa das Dreifache des Üblichen. In diesem Jahr haben wir uns als Gesamtumsatz mehr als eine Viertelmillion zum Ziel gesetzt.“ Ein Viererwetten-Jackpot in Höhe von 25.000 Euro und zwei Dreierwetten-Jackpots von jeweils 10.000 Euro sollen helfen, die Vorgabe zu erreichen. Um auch Neukunden die Möglichkeit auf einen großen Gewinn zu bieten, wird die Viererwette mit dem Quick-Tip angeboten. Mit dem Quick-Tip kauft man einen bereits vorab ausgefüllten Wettschein.

Wenn der Renntag am 1. Mai einen zufriedenstellenden Verlauf nehmen wird, plant der Gelsenkirchener Rennverein die Durchführung der „Nacht des Pferdes“ am 12. September. Zusammen mit dem St.Leger am 8. November, dem Preis des Winterfavoriten am 15. November und dem Preis der Besten am 27. Dezember zählen diese Renntage zu den Jahreshöhepunkten am Nienhausen Busch.

„Wir akquirieren mehr Neukunden als andere Bahnen“
Stolz ist Uwe Küster auf die Entwicklung des Wettgeschehens auf der Bahn. „Es werden pro Renntag im Moment ca. 7.000 Wetttickets geschrieben, ca. 40 Prozent mehr als bei unseren Partnerbahnen in Deutschland. Das ist ein Indiz, dass wir mehr Neukunden akquirieren als andere Bahnen. Allerdings muss ich zur Kenntnis nehmen, dass die „High Roller“ momentan fehlen. Die wetten offenbar eher in Berlin, das einen höheren Ticketumsatz besitzt als wir. Daran müssen wir arbeiten.“

„Ein eigener Interessenverband“
Überraschend kommt Uwe Küsters Aussage, dass die deutschen Rennvereine im Begriff sind, einen eigenen Interessenverband zu gründen. „Die Vorgespräche hierzu sind weit fortgeschritten und ich erwarte in den nächsten Wochen konkrete Beschlüsse,“ berichtet Uwe Küster, der gemeinsam mit Dimitrios Vergos die Interessen der Rennvereine koordiniert. Alle deutschen Trabrennvereine, wenn gewünscht auch das Trabzentrum in Hamburg, sollten nach Vorstellung Uwe Küsters ihre Kräfte bündeln, um ihre Gesamtverpflichtung gegenüber dem Rennsport besser zur Geltung bringen zu können.

„Wir versprechen uns mit dieser Maßnahme z.B. eine Harmonisierung der Renntage sowie eine gemeinsame Vermarktung unseres Sports,“ sagt Uwe Küster. „Die Rennvereine müssen wieder Vertrauen untereinander gewinnen. Jede Rennbahn sollte wissen, womit sie sich zu beschäftigen hat.“

„Wir müssen uns öffentlich machen“
Ein weites Feld sieht Uwe Küster im Umgang untereinander und in der Außendarstellung. „Wir sind in der Vergangenheit nicht offen miteinander umgegangen. Wir verhalten uns wie eine Sekte,“ erklärt Uwe Küster. „Nur allzu oft hat es den Anschein, als hätten wir keinen Bock auf unsere Kundschaft. Dabei müssen wir uns öffentlich machen. Wir müssen die Öffentlichkeit wieder für unseren Sport interessieren. Dieser Sport ist magisch und darüber müssen wir reden!“

Eine gemeinsame Präsentation des Trabrennsports z.B. auf Messen und Ausstellungen würde dem Marketing-Experte sehr am Herzen liegen. „Die Marke Trabrennsport muss viel mehr in das Bewusstsein der Öffentlichkeit gelangen. Ein Verband der Trabrennvereine kann das eher erreichen als ein einzelner Rennverein.“

Ein weiteres konkretes Thema aus dem Bereich der alltäglichen Arbeit der Rennvereine ist für Uwe Küster die Auslobung von Jackpots. „Wir erleben derzeit eine Inflation von Jackpots. Manchmal gewinne ich den Eindruck, die Rennvereine befänden sich in einem Konkurrenzkampf, wer hat den größten Jackpot? Dabei dürfen wir die Frage nicht aus den Augen verlieren, woher kommt das Geld? Da hat es in der jüngeren Vergangenheit einige Beispiele gegeben, die nicht positiv verliefen.“

Wir wünschen dem jungen Trabrennverein GelsenTrabPark noch viele Jahre spannenden und erfolgreichen Rennsport in Gelsenkirchen und bedanken uns bei seinem Vorsitzenden Uwe Küster für das offene und informative Gespräch.