„Habe vor unserer Saisoneröffnung nicht gut geschlafen!“
vom 05.03.2015

HTZ-Geschäftsführer Sönke Gedaschko über die ersten Wochen seiner neuen Tätigkeit

(jg) – Seit dem 1. November des Vorjahres ist der passionierte Traberbesitzer Sönke Gedaschko (50), im Hauptberuf Inhaber einer Beratungsagentur im Gesundheitswesen, temporärer Geschäftsführer des Hamburger Trab-Zentrums und somit verantwortlich für die Zukunft des Trabrennsports in Hamburg.

Sönke Gedaschko

Als Traber-News.com Sönke Gedaschko im Rennsekretariat des HTZ antrifft, reicht ihm Birgit Dahl, eine der wenigen übrig gebliebenen Vollzeitbeschäftigten des Trab-Zentrums, die Unterschriftenmappe. Interessiert liest der neue Geschäftsführer die Briefe und kommt sofort mit uns ins Gespräch. Der Mann kommt sympathisch herüber, natürlich und souverän.

Wir fragen, wie er zum Trabrennsport gekommen ist. „Mein Vater besaß einen Reiterhof vor den Toren Hamburgs, und eines Tages wurde uns die Stute Lassone angeboten. Das war Ende der 80er Jahre“, berichtet Sönke Gedaschko. Der Einstieg in den Trabrennsport wurde dem jungen Mann leicht gemacht. Sein erstes Zuchtprodukt, der 1990 geborene Lafredo (v. Whinster F a.d. Lassone), gewann für seinen Züchter und Besitzer 23 Rennen und 74.000 Euro. Höhepunkt der Rennlaufbahn Lafredos war der Sieg des Hengstes in der Deutschen Amateur-Meisterschaft 1995 mit Hans-Johann Stamp.

Heute fährt Sönke Gedaschko seine Pferde im Rennen selbst. Mit beachtlichem Erfolg. 34 Siege hat der engagierte Hobbyfahrer bislang auf seinem Konto stehen.

Uns interessieren die Aufgaben und Probleme, die der unverhoffte Hamburger Rennbahnmanager in den letzten Wochen lösen musste. „Was war Ihre größte Herausforderung, als Sie die Verantwortung für die Trabrennbahn übernahmen?“ Die Antwort kommt prompt: „Das Wettgeschäft und die Rennbahntechnik.“

„In Bezug auf das Wettgeschäft mussten wir neue Verträge mit den Wettvermittlern schließen. Viele dieser Verträge kamen im wahrsten Sinne des Wortes erst in letzter Minute und unter größten Schwierigkeiten zustande. Wir dürfen uns glücklich schätzen, dass die RSV uns die Rechte an der Schwedenwette angeboten und unser schwedischer Partner uns das Vertrauen ausgesprochen hat.“

„Die vermittelten Wettumsätze nach Schweden zeigen augenblicklich einen positiven Trend,“ verrät Sönke Gedaschko, der eine zukünftige Allianz mit dem nordischen Trabrennsport in vielerlei Hinsicht für erstrebenswert hält. „Wir sind derzeit auf Unterstützung auswärtiger Besitzer und Trainer angewiesen und hoffen z.B. auch auf den einen oder anderen Gast aus Dänemark. Unser Ziel für 2015 sind 35 Rennveranstaltungen im 10- bis 14-tägigen Abstand.“

Unsere Frage nach der Unabhängigkeit des Hamburger Trab-Zentrums beantwortet Sönke Gedaschko ausweichend. Natürlich ist eine momentane finanzielle Abhängigkeit von der GfP nicht zu leugnen. Ohne Förderer steht der Pferdesport in Deutschland generell schlecht dar. Trotzdem strahlt Sönke Gedaschko Zuversicht aus. „Betriebswirtschaftlich sind wir gut aufgestellt und dabei, eigene Strukturen aufzubauen und Nachhaltigkeit zu schaffen.“ Dann verrät Sönke Gedaschko,  dass sein Amt als temporärer Geschäftsführer zum 1. April enden wird. Ein neuer Geschäftsführer ist bereits im Anmarsch.

„Ich kann diese Doppelbelastung, meine eigene Existenz und die Belange des Rennvereins, auf Dauer nicht unter einen Hut bekommen. Daher macht es Sinn, einen hauptamtlichen Geschäftsführer mit Rennsporterfahrung einzustellen,“ sagt Sönke Gedaschko. Demnächst wählen die HTZ-Mitglieder einen neuen Vorstand. Sönke Gedaschko wird als heißer Favorit auf den Vorsitz gehandelt und könnte dem Rennverein also weiterhin unterstützend zur Seite stehen.

Ein weiterer Problempunkt bei Sönke Gedaschkos Arbeitsaufnahme war die Renntechnik. „Sehr problematisch war die Umstellung der Rennbahntechnik, insbesondere die Bildübertragung und das Totosystem. Sie müssen wissen, die Fäden liefen zuvor in Gelsenkirchen zusammen. Dieser Knotenpunkt existierte für uns plötzlich nicht mehr. Eine völlig neue Situation war entstanden. Wir benötigten auf die Schnelle einen neuen Dienstleister. Die letzte Nacht vor unserer Saisoneröffnung am 18. Januar habe ich nicht gut geschlafen,“ verrät mein Gesprächspartner. „Gott sei Dank ist der Renntag ohne größere Probleme über die Bühne gegangen.“

„Heute sind wir soweit, dass wir Rennzeiten, Zielfotos und Rennverfilmungen einblenden und die Rennleitung live auf Lautsprecher schalten können. Das halte ich für wichtig, um dem Publikum größtmögliche Transparenz zu bieten,“ erklärt Sönke Gedaschko.

Sehr enttäuscht zeigt sich der temporäre Rennbahnchef über das Verhalten des Hauptverbandes. „Ich erwarte von einem HVT, dass er alle angeschlossenen Rennvereine gleichberechtigt behandelt. Meine bisherige Erfahrung mit dem HVT sieht leider anders aus. Die Vergangenheit sitzt bei manchem in Berlin noch in den Köpfen,“ folgert Sönke Gedaschko und nennt auch Beispiele.

„Geradezu entsetzt sind wir, dass der HVT unseren wichtigsten Renntag des Jahres, den 11. Oktober mit dem Großen Preis von Deutschland, in Konkurrenz mit einem PMU-Renntag in Gelsenkirchen terminiert hat. Das geht überhaupt nicht,“ meint Sönke Gedaschko und kritisiert, dass der HVT keine Verhandlungsmöglichkeiten einräumt.

„Bitter ist, dass die Franzosen über unseren Spitzenrenntag entscheiden. Wir können doch nicht unsere Highlights in die Abendstunden verlegen, nur weil der PMU-Renntag um ca. 18 Uhr beginnen soll?“ Spitzenfahrer wie Michael Nimczyk, Roland Hülskath, aber sicher auch der eine oder andere holländische Aktive werden somit vor eine Gewissensentscheidung gestellt.

 „Ärgerlich ist nicht nur, dass wir auf einen lukrativen PMU-Renntag verzichten müssen, sondern uns obendrein wahrscheinlich auch der Grand Prix de Hambourg verloren gehen wird. Die Jahreshöhepunkte anderer Rennvereine stehen doch auch unter Schutz,“ stellt Sönke Gedaschko sachlich fest.

„Dies ist aber nur ein Beispiel für die Schwierigkeiten, mit denen wir mit dem HVT zu kämpfen haben. Ich könnte noch weitere Beispiele liefern,“ gibt Sönke Gedaschko zu verstehen. „Was mich sehr betrübt ist, dass Anfragen oftmals unbeantwortet bleiben. Ich habe manchmal das Gefühl, man will uns eins zwischen die Hörner geben.“

Sönke Gedaschko weiß, dass nur ein „Wir-Gefühl“ den Trabrennsport voranbringen wird. Vom HVT wünscht er sich daher eine Anerkennung der Bemühungen der neuen Vereinsführung in Hamburg und Unvoreingenommenheit im Umgang mit den Rennvereinen.