Baron Wolfgang von Richthofen
vom 17.07.2017

(jg) – Der Name von Richthofen besitzt nicht nur in Deutschland einen großen Bekanntheitsgrad, sondern auch in Kanada, wo Baron Wolfgang von Richthofen die treibende Kraft bei der Entstehung der Pferderennbahn Mohawk Raceway war.

Hans Frömming berichtete des Öfteren über den Baron, der viele Jahre als Geschäftsführer dem Ontario Jockey Club vorstand, dem größten Veranstalter von Pferderennen in Kanada. Im März 1975 hielt sich unser ehemaliger Weltrekord-Sulkyfahrer auf Einladung des Barons in Montreal zu einem Wettkampf gegen Kanadas Weltrekordler Herve Filion auf. Über den Ausgang dieses Wettstreits ist uns leider nichts bekannt.

Bill Galvin, 2014 als „Communicator“, also Journalist und Publizist, in die kanadische Hall of Fame des Pferdesports gewählt, arbeitete viele Jahre mit Baron Wolfgang von Richthofen zusammen. Er schickte die folgende Biographie, die wir übersetzt gerne an unsere Leserschaft weiterleiten möchten.

Wolfgang Friedrich Wilhelm Hugo Prätorius von Richthofen wurde als Mitglied einer preußischen Adelsfamilie in Unterschlesien geboren. Sein Cousin war der berühmte Jagdflieger Manfred von Richthofen, „The Red Baron“, das Flieger-Idol des Ersten Weltkriegs.

1919 zog die Familie von Richthofen nach Berlin, wo Wolfgang von Richthofen in der Kunstgallerie seiner Eltern beschäftigt war. Hier entdeckte er sein Gespür für die Kunst, Oper und Ballett. Zu seinen Hobbys zählten Schwimmen und Leichtathletik. Als er 1935 zwei jüdischen Sportlern beisprang, deren Siege anlässlich eines sportlichen Wettbewerbs in Brandenburg aberkannt worden waren, wurde er aus dem Sportverband ausgeschlossen.

Als Deutschland mehr und mehr unter die Kontrolle des Nazi-Regimes gelangte, suchte Wolfgang von Richthofen Zuflucht in der Armee. 1938, als sich die Wolken am Kriegshimmel immer mehr verdunkelten, plante er in die USA auszuwandern. Kurz vor seiner Abreise aus Bremerhaven, das Reiseticket bereits in der Tasche und mit der Aussicht auf einen Job in Kalifornien, wurde er erneut zur Armee einberufen. Als Kommandeur einer Panzereinheit kämpfte Baron Wolfgang von Richthofen zunächst an der russischen Frontlinie und später in Frankreich. 1943 heiratete er Gräfin Gisela von Einsiedel, eine Ur-Enkelin des früheren Reichskanzlers Otto von Bismarck.

1944, nach dem gescheiterten Putschversuch gegen Hitler, wurde er gewarnt, auf keinen Fall nach Berlin zurückzukehren. Die Drahtzieher des Komplotts hatten zu seinen Freunden gezählt. Im Herbst 1944 entführte er ein Armeefahrzeug, um seine Familie vor der vorrückenden Roten Armee aus Schlesien in Richtung Westen in Sicherheit zu bringen.

Im April 1945, als er wegen eines Geschwürs ein Krankenhaus aufsuchen musste, wurde der Baron von den Alliierten in Gefangenschaft genommen und einem amerikanischen Kriegsgefangenenlager überstellt. Ohne medizinische Betreuung und Mangel an Nahrung lag er im Sterben, als im Juni 1945 die britische Armee übernahm. Wie durch ein Wunder wurde er von zwei deutschen Juden aus dem Pferderennsport erkannt, die im Dienste der britischen Armee standen.

Im Chaos der Nachkriegsjahre war das Geschäft seiner Eltern verloren gegangen. Wolfgang von Richthofen überlebte, indem er Gemälde verkaufte und mit Pferden handelte. 1950 siegte eines seiner Pferde im Bayerischen Derby. Das gewonnene Preisgeld verwendete er, um im folgenden Jahr die Überfahrt für sich, seine Frau, fünf Kinder und einige seiner Pferde nach Kanada zu finanzieren. Der in Montreal ansässige Kunsthändler Max Stern, ein in den Dreißiger Jahren aus Deutschland geflohener Jude, kümmerte sich um ihn und seine Familie.

Während des Winters 1951, als die Familie in einer Holzhütte nördlich von Montreal überwinterte, begab sich der Baron auf die Suche nach einem passenden zu Hause im südlichen Ontario. In der Nähe von Campbellville wurde er fündig. Er kaufte ein 80 Hektar großes Stück Land, das ehemals der Groß-Herzogin Olga Romanov, Schwester des letzten Zaren, gehört hatte. Es erinnerte von Richthofen an die hügeligen Landschaften Schlesiens.

In seiner neuen Heimat Kanada begann Wolfgang von Richthofen als Pferdetrainer. Den Dofasco-Magnaten Frank Sherman riet er, Northern Dancer für lediglich 25.000 Dollar zu kaufen. Der deutsche Aristokrat war ein angesehener Pferdemann, Amateur-Filmemacher und Maler.

Wolfgang von Richthofen starb im Toronto General Hospital am 14. Januar 2000 im Alter von 90 Jahren. Die Flaggen auf Mohawk Raceway wehten drei Tage auf Halbmast. In Gedenken des Mannes, der 1963 für die Gründung der Rennbahn verantwortlich war.

Baron Wolfgang von Richthofen (Mitte) mit Eddy Freundt (Hall of Fame Deutschland) und Bill Galvin (Hall of Fame Kanada)

Baron Wolfgang von Richthofen (Mitte) mit Eddy Freundt (Hall of Fame Deutschland) und Bill Galvin (Hall of Fame Kanada)