Besitzen „gehobene Rennen“ eine Zukunft?
vom 01.03.2018

(jg) – Unter dem Sammelbegriff „gehobene Rennen“ bündelt der deutsche Traberverband sämtliche Rennen mit langfristigem Nennungsschluss. Ausgenommen hiervon sind die Breeders Crown und die Zirkel-Rennen.

Die sogenannten gehobenen Rennen können den Rennveranstaltern unter Umständen viel Geld kosten. Dann nämlich, wenn die Summe aller getätigten Einsätze erheblich unter dem ausgeschütteten Rennpreis liegt. Daran sind in der Vergangenheit Rennveranstalter pleite gegangen. Wir erinnern uns an Rennveranstalter, die auf Teufel komm raus Rennen mit langfristigen Nennungsterminen ausschrieben, nur um rechtzeitig an „frisches“ Geld, neue Einsätze, zu gelangen. Damit sollten liquide Engpässe verschleiert bzw. überbrückt werden. Das ging im Endeffekt natürlich schief und ist kriminell.

Der deutsche Trabrennsport befindet sich aktuell wieder in argen Nöten. Die ständigen Rückgänge der Fohlengeburten und stetiger Besitzerschwund haben zwangsweise zu weniger Startpferden geführt. Die Abhaltung gehobener Rennen ist für einige Rennveranstalter längst nicht mehr möglich.

Anzahl geborene Fohlen
2016: 427
2015: 437
2014: 466
2013: 525
2012: 566

Anzahl Besitzer
2016: 860
2015: 945
2014: 1035
2013: 1107
2012: 1169

Hinzu kommt zu unpassender Zeit der deutsche Fiskus, der eine hiesige Besteuerung der Renngewinne ausländischer Besitzer verlangt. Eine Freistellung von dieser Auflage kann Monate wenn nicht Jahre in Anspruch nehmen. Da überrascht es nicht, dass sich ausländische Rennstallbesitzer peu a peu aus Deutschland zurückziehen. Auch das beeinflusst das Nennungsergebnis für gehobene Rennen negativ.

In diesen Tagen mussten wieder einmal alle Nennungstermine für die gehobenen Rennen verlängert werden. Alle? Nein, das Hamburger Trab-Zentrum hielt als einziger deutscher Rennveranstalter an der ursprünglichen Nennungsfrist fest. Das Ergebnis ist leider niederschmetternd.

Nennungen 2018 2017 Veränderung
Schwarzer Steward-Rennen 42 78 - 46 %
Walter Heitmann-Rennen 56 96 - 42 %
Deutsche Amateurmeisterschaft 51 67 - 24 %
Pit Pan-Rennen 55 76 - 28 %
Johannes Frömming-Rennen 45 60 - 25 %
Kurt Hörmann-Rennen 64 63 + 2 %
Orakel der Zweijährigen 74 91 - 19 %
Lord Pit-Rennen 69 90 - 23 %
Halali 87 115 - 24 %
Bahrenfeld Cup 45 80 - 44 %
  588 816 - 28 %

Die heftigsten Verluste mit über 40 Prozent Rückgang an Nennungen erlitten das Schwarzer Steward-Rennen, das Walter Heitmann-Rennen und der Bahrenfeld Cup. Das Schwarzer Steward-Rennen erfuhr in diesem Jahr eine Verkürzung des Nennungsschluss vom 15. Dezember auf den 15. Februar. Das mag Nennungen gekostet haben. Nur 41 Nennungen wurden für das neu ins Programm aufgenommene Sunset Lane-Rennen abgegeben.

Wir sind gespannt auf die Nennungsergebnisse anderer Rennvereine und der Zirkel-Serien. Zum jetzigen Zeitpunkt sind sie noch nicht veröffentlicht und werden trotz Terminverlängerung kaum wesentlich besser ausgefallen sein. Nach unseren Informationen soll für den Dreijährigen-Zirkel zum regulären Nennungsschluss 15. Februar ein Nennungsrückgang gegenüber dem Vorjahr von über 25 Prozent vorgelegen haben. Wieder einmal! Die verlangte Anzahl von 150 Nennungen kann höchstwahrscheinlich nicht erreicht werden. Somit ist die Zirkel-Serie gefährdet.

Nennungen 2017 2016 2015
Zweijährigen-Zirkel 87 161 141
Dreijährigen-Zirkel 154 170 182
  241 331 323

Um auf unsere eingangs gestellte Frage nach der Zukunft der gehobenen Rennen eine Antwort zu finden, verweisen wir auf unseren Artikel „Ein Vorschlag zur Optimierung der Zirkel-Rennen“. Es war der Versuch einer konstruktiven Hilfe. Aber es scheint alles noch nicht schlimm genug zu sein.