Bilanz der PMU-Rennen 2016
vom 20.12.2016

(jg) – 58 PMU-Renntage werden 2016 im deutschen Trabrennsport ausgetragen. 57 sind bereits Geschichte, einer steht noch aus.

Am 31. Dezember wird in Dinslaken die letzte von 40 Lunch Race-Veranstaltungen 2016 stattfinden. Was haben sie dem deutschen Trabrennsport gebracht?

Die Beantwortung dieser Frage ist nicht einfach, denn der HVT bemüht sich nach besten Kräften, seine Mitglieder und die Öffentlichkeit im Unklaren zu lassen. Gepriesen wird stets die Anzahl der Renntage und die Höhe der Rennpreise. Details werden jedoch nicht preisgegeben, angeblich verbieten das die französischen Partner. Dabei wäre Transparenz dringend nötig, denn nicht alles scheint Gold was glänzt.

Anzahl PMU-Trabrennveranstaltungen 2016 in Deutschland
Lunch Race-Termine: 40 Renntage – 160 Rennen
davon Gelsenkirchen: 6 Renntage – 24 Rennen
davon Hamburg-Horn: 1 Renntag – 4 Rennen

Andere Termine: 18 Renntage – 144 Rennen
davon Gelsenkirchen: 7 Renntage – 59 Rennen

Gesamt: 58 Trabrennveranstaltungen und 304 Rennen

Wir dürfen feststellen, dass die PMU-Rennveranstaltungen bisher eine einzige Bonanza für Besitzer, Züchter, Trainer und Zuchtfonds waren. Die Wettumsätze aus Frankreich haben sich aber nicht zum Vorteil entwickelt. Das erfordert Konsequenzen.

Die Dotierung vieler PMU-Rennen, insbesondere der Lunch-Races, muss in Bezug auf 2017 reduziert werden. Man ist vorsichtig geworden, denn insbesondere die Lunch Race-Termine haben oft zu Verlusten geführt. Nach unseren Berechnungen lagen 15 von bislang 39 Lunch Race-Veranstaltungen im roten Bereich.

Die erfolgreichste Lunch Race-Veranstaltung war der Renntag am 17. Dezember in Straubing. In vier Rennen wurden fast 1,1 Millionen Euro gewettet. Mehr als 1 Million Euro Wettumsatz erzielte auch die Lunch Race-Veranstaltung am 13. Mai in Berlin-Karlshorst. Den magersten Umsatz gab es am 31. August in München-Daglfing zu verzeichnen. Nur 460.000 Euro wurden auf vier Rennen gewettet.

Vier Renntage überschritten die Umsatzmarke von zwei Millionen Euro. Drei davon fanden in Gelsenkirchen statt (8. März, 24. März und 14. Dezember), einer in Berlin-Mariendorf (7. Januar). Es waren immer Spätnachmittags-Veranstaltungen. Die Flops des Jahres waren die Veranstaltungen am 26.2. und 20.3. in Berlin-Mariendorf. Sie begannen um 18 Uhr und endeten mit einem Verlust im unteren fünfstelligen Bereich.

Die Umsatz-Lotterie in Frankreich ist nur schwer zu erklären. Sicherlich machen einige Rennveranstalter vieles falsch. Weniger als 10 Nennungen in einem Rennen ist garantiert tödlich. Die Vermarktung mit Ton und Bild ist generell erbärmlich. Die Klasse der Pferde scheint völlig belanglos. Der Gelsenkirchener Grand Prix-Renntag am 16. Oktober beispielsweise endete im Minus, obwohl mit dem Grand Prix de Gelsenkirchen, dem Prix Paris-Turf, einem Lauf der Winter-Champions-Serie und einem Trial zum Preis des Winterfavoriten aus sportlicher Sicht vier Hochkaräter auf der Tageskarte standen.

PMU-Wettumsätze auf deutsche Trabrennen 2016

Lunch Race-Termine 28.129.434 Euro
andere Termine 29.694.781 Euro
Gesamt 57.824.215 Euro
Durchschnitt pro Rennen 192.747 Euro
Provisionserträge 1.734.726 Euro
   
Lunch-Races Gelsenkirchen 3.985.681 Euro
andere Termine Gelsenkirchen 13.075.808 Euro
Gelsenkirchen gesamt 17.061.489 Euro
Lunch Races Hamburg-Horn 816.263 Euro
German Tote 17.877.752 Euro
Provision Gelsenkirchen 511.844 Euro
   
Gesamt 57.824.215 Euro
Gelsenkirchen / H.-Horn 17.877.752 Euro
HVT 39.946.463 Euro
Provisionserträge HVT 1.198.393 Euro

Alle Angaben per 17.12., Wettumsätze www.pmu.fr

Nach unserer Kenntnis erfolgt das Clearing der Umsätze und Provisionen für die Rennbahn in Gelsenkirchen direkt zwischen PMU und German Tote. Wahrscheinlich trifft das auch für den Rennveranstalter in Hamburg-Horn zu. Im Klartext, die Provision für den Trabrennverein Gelsenkirchen konnte im vollen Umfang für den Erhalt der Rennbahn im Ruhrpott verwendet werden. Das waren ca. 511.000 Euro. An Rennpreise schüttet der Gelsenkirchener Trabrennverein in diesem Jahr ca. 800.000 Euro aus, davon sind ca. 80.000 Euro aus dem Topf der Zirkelrennen finanziert. Das ergibt eine Unterdeckung von ca. 200.000 Euro, trotz massiver Hilfe aus PMU-Erträgen.

Das Beispiel Gelsenkirchen steht exemplarisch für alle Rennveranstalter in Deutschland. Es soll keineswegs den Gelsenkirchener Rennverein an den Pranger stellen. Nur, die Verantwortlichen in Gelsenkirchen erhoffen sich ein eigenständiges Dasein mittels PMU. Diese Rechnung geht bislang nicht auf.

Seitdem die Bilder in die Haushalte gelangen, ist dem deutschen Pferderennsport die Vermarktung aus den Händen geglitten. Zunächst begab man sich in die Abhängigkeit der Buchmacher, heute heißt die Abhängigkeit PMU. So richtig die Idee des Cross-Bettings auch ist, aber die Erträge kommen wieder einmal nicht dort an, wo sie hingehören: in die Kassen der Rennveranstalter.

Die Abrechnung der restlichen PMU-Renntage, für die der HVT federführend sein soll, sieht nicht viel anders aus. Ohne Gelsenkirchen und Hamburg-Horn wurden auf deutsche Trabrennen 39.946.463 Euro in Frankreich gewettet. Das ergibt im Durchschnitt 184.085 Euro pro Rennen. An Provision bedeutet das 1.198.393 Euro. Hiervon müssen allerdings Rennpreise und Renntagskosten in Abzug gebracht werden.

Es ist eine Rechnung mit einigen Unbekannten. Sowohl ordinäre Rennen als auch Zirkelrennen gelangten im Rahmen der PMU zur Austragung. Auch die Weltmeisterschaft der Berufsfahrer war als PMU-Veranstaltung deklariert. Diese Rennen waren besser dotiert. Wir sind in unserer Kalkulation von den Standard-Rennpreisen ausgegangen, die üblicherweise über PMU-Rennen stehen. Bei den Zirkelrennen sind wir von den üblichen 25 Prozent Rennvereinsanteil ausgegangen.

Die zweite Unbekannte sind die Übertragungskosten. Wer bezahlt das? German Tote oder der HVT? Die Rennvereine jedenfalls nicht mehr. Sie waren 2016 von allen Kosten freigestellt. Frühere Kalkulationen wiesen Kosten aus, die pro Veranstaltung mehr als 5.000 Euro betrugen. Zum Nulltarif jedenfalls werden die PMU-Rennen sicherlich nicht auf die Monitore gelangen.

Wir haben diese als geheim eingestuften Summen zunächst einmal ausgeblendet und lediglich Rennpreise und Züchterprämien in ein Verhältnis zu den vereinnahmten Provisionen gestellt. An Hand der öffentlich vorliegenden Zahlen erbrachten 38 von 57 PMU-Rennveranstaltungen 2016 einen Überschuss. Bei 19 Rennveranstaltungen reichte die Provision nicht aus, um Rennpreise und Züchterprämien zu begleichen. Wir betonen noch einmal ausdrücklich, ohne Berücksichtigung der Nebenkosten.

Das darf auch die Rennveranstalter nicht unberührt lassen, die es sich gemütlich machen und lauthals verkünden: Wir haben kein Risiko! Wer trägt dann das Risko? Der HVT? Trägt der HVT tatsächlich Rennveranstalterrisiken? Darf er das? Kümmert das niemanden? Alles Fragen, die die Mitglieder dem Präsidium gestellt haben. Dieser beruft sich aber immer wieder auf seine Schweigepflicht. Unglaublich!

Es ist richtig, insgesamt wurden mehr als 1,4 Millionen Euro an Rennpreise in 300 Rennen ausgeschüttet. Ohne Nebenkosten haben die PMU-Rennen 2016 nach unserer Berechnung einen Überschuss von ca. 185.000 Euro erzielt.

Aber aufgepasst! Von den ca. 185.000 Euro flossen ca. 83.000 Euro auf das Konto der Rennvereine in Gelsenkirchen und Hamburg-Horn. Von den restlichen ca. 100.000 Euro, die für den HVT verbleiben, müssen noch die Nebenkosten für 44 Renntage (33 Lunch- und 11 übrige Veranstaltungen) in Abzug gebracht werden. Da kann nicht viel übrig geblieben sein - wenn überhaupt.