Der Große Preis von Deutschland 2015
vom 08.10.2015

(jg) – Am Sonntag wird auf der Trabrennbahn in Hamburg-Bahrenfeld der mit 200.000 Euro dotierte Große Preis von Deutschland entschieden. Eines der wichtigsten Rennen des europäischen Trabrennsports für vierjährige Traber. Möchte man meinen. Leider nicht so in diesem Jahr.

Im Teilnehmerfeld sucht man vergeblich nach dem einen oder anderen Star. Acht von elf Starter haben bislang keine 100.000 Euro gewonnen. Die drei „Geldschränke“ mit Gewinnen bis zu 152.000 Euro sind in diesem Jahr sieglos. Für das enttäuschende Nennungsergebnis den erst seit zwei Monaten im Amt befindlichen Geschäftsführer verantwortlich zu machen ist absurd.

Der Vorwurf, hier würde ein Veranstalter 200.000 Euro an ausländische Rennställe verschenken, liegt ebenfalls daneben. Wie fast bei allen höher dotierten Rennen in Deutschland starten auch im Großen Preis von Deutschland 2015 die Rennställe hauptsächlich um ihr eigenes Geld. 171.000 Euro oder 85 Prozent des Rennpreises sind von Besitzern finanziert.

Man muss dem Hamburger Rennveranstalter das Bemühen bescheinigen, den Versuch unternommen zu haben, internationale Traber-Stars nach Deutschland zu holen. Die Stars sorgen für mediales Interesse, was dem Trabrennsport in seiner Gesamtheit zu Gute kommt. Bislang hatte das gut geklappt. Tamla Celeber, On Track Piraten, Brad De Veluwe, Oasis Bi, Papagayo E. oder Tumble Dust haben bewiesen, dass sie internationale Spitzenklasse darstellen. Jetzt klappte es nicht.

Die Verkürzung der Renndistanz von 2720 Meter auf 1680 Meter und die Möglichkeit eines Vorlaufrennens war unglücklich. Dies könnte für das unbefriedigende Nennungsverhalten der Rennställe mitverantwortlich gewesen sein. Eine weitere Ursache sehen wir darin, dass der Große Preis von Deutschland für die Nennenden eine relativ kostspielige Angelegenheit geworden ist. Kostete der 1. Einsatz für das letztjährige Rennen 30 Euro, so erhöhte er sich für das diesjährige Rennen auf 150 Euro. Die Anzahl der Einsatztermine wurden zwar reduziert, der Gesamteinsatz stieg von 2.505 Euro in 2014 auf 3.600 Euro in 2015.

Konkurrierende internationale Rennen

Das größte Dilemma aber stellt die Positionierung des Rennens im europäischen Rennkalender dar. Es gibt in Frankreich und Skandinavien mittlerweile jährlich dutzende von hoch dotierten Rennen für vierjährige Pferde. Wir haben in Frankreich mindestens 30 Rennen mit einer Mindestdotation von 120.000 Euro ausfindig gemacht, an denen französische Vierjährige gegen Altersgefährten oder unter Vorgabe gegen Fünf- und Sechsjährige Startmöglichkeit besitzen. In Skandinavien haben wir 15 Rennen für vierjährige Traber mit einer Mindestdotation von 120.000 Euro gefunden. Mit anderen Worten, die Pferde, auf die man in Hamburg hofft, besitzen im eigenen Revier Rennen satt. Wieso sollte sich also ein französischer oder skandinavischer Rennstall 18 Monate im voraus mit entsprechenden Einsatzzahlungen auf einen auswärtigen Termin festlegen?

Der europäische Trabrennsport hat sich im Laufe der Jahre auf zwei Nationen reduziert: Frankreich und Schweden. Alle übrigen Trabersport-Nationen dürfen bestenfalls kooperieren. Das ist sehr, sehr bedauerlich. Wir haben schon früher beklagt, dass die Absetzung des Grand Circuits und die Schaffung der Masters Serie ein großer Fehler war. Nur zwei Nationen haben davon profitiert. Man schaue sich beispielsweise den Gran Premio Gaetano Turilli am Sonntag in Rom an, wo es 153.000 Euro zu gewinnen gibt, aber seitens französischer oder skandinavischer Rennställe kein Interesse besteht.

Die Rolle des Präsidenten

Untätigkeit werfen wir dem deutschen Verbandspräsidenten vor. Wir wissen nicht, ob der deutsche Vertreter am letzten Januar-Wochenende in Paris seinen Mund aufgetan hat, als die Terminierung der internationalen Traber-Höhepunkte 2015 auf der Tagesordnung standen. Bericht erstattet über die Reise nach Paris hat er weder auf der Mitgliederversammlung des Verbandes im Mai noch auf einer der Präsidiumssitzungen. So ist es durch die Präsidiumsprotokolle dokumentiert und uns gegenüber auch bestätigt worden.

In all den Jahren seit der Revitalisierung des Großen Preises von Deutschland wurde das U.E.T.-Finale immer mindestens eine Woche bis 14 Tage vor dem Hamburger Jahreshöhepunkt entschieden. In diesem Jahr ist es zum Sandwich des U.E.T.-Grand Prix gemacht worden. Der Gesandte des deutschen Zuchtverbandes wird voraussichtlich am Sonntag zusammen mit französischen Freunden in Gelsenkirchen den Trotteur Francais beklatschen.