Der U.E.T.-Rapport 2017
vom 17.05.2018

(jg) – 21 Mitgliedsländer umfasst die U.E.T. (Union Europeenne du Trot), der Zusammenschluss europäischer Trabernationen mit Sitz in Paris. Sie ist eine Dreiklassen-Gesellschaft mit gewichteten Stimmrechten.

Frankreich, Schweden und Italien gehören dem Oberhaus an, Deutschland zählt gemeinsam mit Belgien, Dänemark, Finnland, Norwegen, Russland und Spanien zur mittleren Klassen-Gesellschaft. Der Rest ist Unterschicht.

Seit kurzem steht der Jahresbericht 2017 online. Das hat unser Interesse geweckt. Eine kritische Bemerkung aber vorweg, nicht immer ist das Zahlenwerk verlässlich. Gelegentlich ist es schlampig bis unzumutbar. Wir werden hierauf später zurückkommen.

Unser Augenmerk haben wir auf die Zusammenfassung der Zahlen der vergangenen fünf Jahre von 2013 bis 2017 gelegt. Für den deutschen Trabrennsport bedeutet dies ziemlich genau die Amtsperiode des amtierenden HVT-Präsidiums unter der Leitung seines geschäftsführenden Präsidenten Heinz Tell.

Renntage und Startpferde: Pfui!
Die Bilanzzahlen im allgemeinen sind für den europäischen Trabrennsport ernüchternd. Speziell für den deutschen Trabrennsport sind sie oftmals desaströs. Beginnen wir mit der Rubrik Anzahl Renntage. Hier nimmt der deutsche Trabrennsport mit einem Rückgang von 32 Prozent unter 21 Mitgliedsverbänden den letzten Platz ein!

Abgesehen vom Traber-Zwergverband in Litauen weist der deutsche Trabrennsport auch in der Kategorie Startpferde mit Minus 23 Prozent den höchsten Rückgang auf.

Rennpreise: Hui!
Im guten Mittelfeld bewegt sich der deutsche Trabrennsport in Bezug auf die Höhe der Rennpreise. Die Vielzahl der sogenannten PMU-Rennen, die mittlerweile ca. 25 Prozent aller in Deutschland gelaufenen Rennen ausmachen, und die Besitzer finanzierten Rennen sind verantwortlich für eine Steigerung der Rennpreise um 28 Prozent im Laufe der vergangenen fünf Jahre. Unter den Ländern der Ober- und Mittelklasse ist dies die höchste Steigerungsrate.

Doping: Sind wir Saubermänner?
Überrascht hat uns die Statistik der Dopingentnahmen 2017. 1.281 entnommene Dopingproben, davon 30 mittels Trainingskontrollen, weist die U.E.T.-Statistik für den deutschen Trabrennsport aus. In Relation zu den gestarteten Pferden sind nur in Italien und Frankreich mehr Proben entnommen worden. Statistisch ausgedrückt soll in 81 Prozent aller Rennen eine Dopingprobe entnommen worden sein. Lediglich vier Proben waren positiv (0,3 Prozent).

Im Vergleich mit Österreich (1,9 %), Belgien (1,5 %), Dänemark (1,0 %), Holland (0,7 %), Italien (0,4 %), Frankreich (0,2 %), Finnland (0,2 %), Schweden (0,1 %) und Norwegen (0,0 %) scheint der deutsche Trabrennsport einer der Saubersten zu sein.

Zucht: Eine Bilanz zum Fürchten
Die Anzahl der Fohlengeburten zwischen 2013 und 2017 ist, wie in den meisten europäischen Trabernationen, auch in Deutschland rückläufig gewesen. Lediglich Serbien, Spanien, Slowenien, Ungarn und die Schweiz weisen einen positiven Trend auf. Keine dieser Nationen nimmt jedoch eine exponierte Stellung im europäischen Trabersport ein.

Die Statistik für den deutschen Trabrennsport weist einen Geburtenrückgang von Minus 16 Prozent aus. Noch schlechter steht es um die österreichische (Minus 23 %) und holländische Traberzucht (Minus 42 %). Hierzu muss man allerdings wissen, dass viele Züchter aus Holland und Österreich ihre Zucht in den letzten Jahren nach Deutschland verlegt haben. Ohne diese „nachbarschaftliche Hilfe“ würde das deutsche Defizit ca. 35 Prozent betragen. Damit wären wir am untersten Ende der Skala zu finden. Die Zukunft der deutschen Traberzucht weist also erhebliche Risiken aus.

Rennveranstalter: Eine schlampige Arbeit
Verwirrend ist die Statistik der Rennveranstalter. Lt. U.E.T. gibt es in Deutschland nur acht Rennbahnen. In der Schweiz hingegen neun, in Holland 10 und in Serbien sogar 19. Hier befinden sich offensichtlich sowohl Äpfel als auch Birnen im Korb.

Wettumsätze: Keiner weiß Genaues
Mit Vorsicht ist auch die Auflistung der Wettumsätze zu betrachten. Durch internationales Cross-Betting ist es oft nicht nachvollziehbar, welche Umsätze in welche Statistik einfließen. So ist ein Plus von 313 Prozent in Malta eher unrealistisch. Für den deutschen Trabrennsport ist ein Umsatzrückgang von 22 Prozent ausgewiesen. Von Italien, Belgien und der Tschechischen Republik abgesehen, das schwächste Resultat innerhalb der U.E.T.

Rennsport und Zucht: Wo ist Frankreich?
Die gewinnreichsten Traber 2017 in Europa der Altersklassen Zwei- (Global Welcome), Drei- (Villiam) und Vierjährig (Cyber Lane) stammen sämtlich aus Schweden. Der Top-Star unter den Fünfjährigen war mit Twister Bi zwar ein italienisches Pferd, das allerdings in Schweden stationiert ist. Zu unserem Erstaunen besitzt die U.E.T. offenbar keine Informationen über Frankreich, dessen Verband postalisch unter derselben Adresse wie die U.E.T. firmiert. Diese Nation ist komplett ohne Angaben.

Völlig verstörend ist die Liste der erfolgreichsten Vaterpferde Europas. Unter 18 Nationen nimmt Ready Cash mit 279 Euro (!) Gewinne seiner Nachkommen in Frankreich den letzten Platz in Europa ein. Eine Voll-Blamage für die U.E.T. Wie kann man nur so etwas veröffentlichen?

Einige Seiten weiter lesen wir dann, dass die Nachkommen von Ready Cash 2017 in Frankreich 9.489.871 Euro gewonnen haben. Das klingt schon besser. Einem Fachverband darf so ein schlimmer Schnitzer nicht passieren. Das macht den gesamten Bericht unglaubwürdig. Love You (Deutschland und Holland) und Ready Cash (Frankreich und Schweiz) sind übrigens die einzigen Hengste, die in jeweils zwei U.E.T.-Mitgliedsländern das Championat der Vaterpferde errungen haben sollen.

Die Besten: Deutsche Zucht ist präsent
In Bezug auf züchterische Belange sind uns mehrere deutsche Pferde in den Listen der Top-Pferde Europas aufgefallen. In Spanien z.B. nimmt Lets Go den fünften Rang unter den erfolgreichsten Vaterpferden ein, und Derby-Siegerin Esperanca Mar, eine Tochter der deutschen Stute Tracey Boko, war der erfolgreichste dreijährige spanische Traber des Vorjahres. Siehe hier: https://www.traber-news.com/article-13/items/spaniens-derbysieger-mit-deutschem-einschlag.html

In Slowenien errang der Diamond Way-Sohn Gerd November das Vize-Championat der Vaterpferde, in den Niederlanden machte es ihm der deutsche Derby-Zweite Ufo Kievitshof nach. Russel November glänzte als Vater von Goofy Greenwood, den schnellsten Vierjährigen Hollands, während Ufo Kievitshof mit Generaal Bianco das gewinnreichste vierjährige holländische Pferd stellte.

Die deutsch registrierte Stute Longines (Conway Hall – Kentucky Love Song) war 2017 schnellster dreijähriger Traber in Ungarn. Offenbar weiß der HVT hiervon nichts, denn beim deutschen Traberverband ist diese Leistung weder erfasst noch ist Longines für dauernd ausgeführt gemeldet. In der Tschechischen Republik finden wir einen Lets Go-Nachkommen als schnellsten vierjährigen Traber des Landes und in Belgien einen Nachkommen der deutschen Stute The Best Fanatic als gewinnreichsten dreijährigen Traber.

Am meisten konnte sich die deutsche Zucht 2017 in Österreich auszeichnen. Xea Venus, Österreichs schnellster Traber 2017, stammt von Charmy Skeeter a.d. Xea Lobell. Wotan Casei, gewinnreichster Vertreter des Jahrgangs 2013, ist ein Sohn der Tosca Casei und Tosca Victory, das gewinnreichste ältere Pferd 2017 in unserem Nachbarland, stammt a.d. Tootsie Rich.

Abschließend noch einige Worte zur Zukunft des deutschen Trabrennsports innerhalb der U.E.T.-Gemeinschaft. Es sieht nicht gut aus. Unter der Ägide des amtierenden HVT-Präsidiums haben sich die Kernzahlen derart verschlechtert, dass der deutsche Trabrennsport über kurz oder lang seinen Platz in der Mitglieds-Gruppe 2 verlieren könnte. Ein Abstieg in die Gruppe 3 würde den deutschen Trabrennsport auf eine Stufe mit den Ländern Osteuropas stellen. Wer hätte das jemals gedacht?