Die Kandidaten für den Großen Preis von Deutschland 2015
vom 24.09.2015

(jg) – 42 Pferde stehen vor Starterangabe am 5. Oktober derzeit noch in der Nennungsliste zum Großen Preis von Deutschland 2015. Traber-News.com hat die letzten Leistungen der möglichen Teilnehmer in Augenschein genommen.

Der Große Preis von Deutschland, mit einer Mindestdotation von 200.000 Euro der Jahreshöhepunkt des norddeutschen Trabrennsports, steht in diesem Jahr ziemlich verloren dar. Wir möchten an dieser Stelle nicht die Frage erörtern, wieso oder warum. Wir stellen nur nüchtern fest, dass die Terminkoordination im europäischen Trabrennsport in vieler Hinsicht katastrophal ist. Auf Belange der sogenannten kleinen Trabernationen wird so gut wie keine Rücksicht mehr genommen. Nach Meinung des Verfassers eine Einstellung, die langfristig nur Verlierer sieht. So wie eine Stärkung der Basis im deutschen Trabrennsport notwendig ist, so würde es dem Trabrennsport in Europa insgesamt besser ergehen, wenn er international über eine breite Basis verfüge. In Mitteleuropa jedenfalls befindet sich die Basis am Erodieren.

Der Große Preis von Deutschland 2015 wird wahrscheinlich ohne einen internationalen Superstar zur Austragung gelangen. Um die chancenreichen Pferde auszumachen, genügt ein Blick auf die schwedischen, holländischen und italienischen Kandidaten der Nennungsliste.

Conny Lugauer besitzt mit Spartan Kronos den Gewinnreichsten in der Vorstarterliste, jedoch war der Muscle Hill-Sohn seit seinem verpatzten Auftritt in der SprinterMästaren im Juli nicht mehr an der Öffentlichkeit. In Topform wäre Spartan Kronos sicherlich der gegebene Siegkandidat. Lugauers zweite Wahl wäre der Zweitplatzierte des Deutschen Traber-Derbys 2014, Ewald F Boko, wie Spartan Kronos im Besitz des Münchener Ehepaares Berchtold. Ewald F Bokos Vorstellung in der Derby-Revanche vor zwei Monaten in Berlin war allerdings wenig verheißungsvoll.

Bessere Klasse stellt der Amerikaner Exodus Hanover dar (Roger Walmann), der am 19. August Zweiter zum Weltklassetraber Nuncio war. Allerdings hat der Andover Hall-Sohn seit 2013 kein Rennen mehr gewonnen. Das mahnt zur Vorsicht. Vielleicht ist ihm sein Landsmann King City vorzuziehen, ebenfalls ein Eleve von Roger Walmann. Der Muscle Hill-Sohn trabte dieses Jahr bereits respektable 1:10,7.

Hierzulande bestens bekannt ist Elton Attack (Thomas Mamqvist), der Derby-Dritte von 2014. Jedoch mangelt es dem Gigant Neo-Sohn an Zuverlässigkeit. An einem guten Tag ist für ihn alles möglich. Von den restlichen Kandidaten aus Schweden verdienen Seedorf Omf (S.H. Johansson), British Steel (Marcus Lindgren) und Onceforall Face (Lutfi Kolgjini) einen Hinweis. Als Sieger dieser Prüfung sind sie jedoch nur schwer vorstellbar.

Zwei dänische Stuten in der Vorstarterliste sind Ultimate Wine (Peter Untersteiner), die dänische Stuten-Derby-Siegerin 2014, und Victoria Sisa (Flemming Ankerdal). Ultimate Wine wäre sicherlich ein interessanter Kandidat. Gegen die Stute spricht, dass sie erst acht Lebensstarts absolviert hat.

Aus Finnland könnte der Hamburg erfahrene Tuomas Korvenoja entweder Jontte Boy oder Willy Yankee mitbringen. Jontte Boy in Bestform wäre natürlich der Hit. Die spannende Frage ist, ob der Hengst, der vergangenes Jahr zu den besten Dreijährigen Europas zählte, derzeit fit ist? Willy Yankee scheint ein talentiertes Pferd zu sein, ob er Jontte Boy adäquat ersetzen könnte, wagen wir zu bezweifeln.

Was bleibt übrig? Holländer und Italiener! Nennen wir zuerst die in holländischem Training stehenden deutschen Pferde Expo Express (Arnold Mollema) und Jamil Cortina (Robbin Bot). Wir hoffen, dass Arnold Mollema seinen Derby-Sieger bis zum Großen Preis in Schwung bekommt. In der Form des Frühjahres könnte es nach Nu Pagadi erstmals wieder einen deutschen Sieger geben.

Glänzende Formen besitzen Exceptional Boko und Easytowin, die Zweit- und Drittplatzierten des 4j. Derbys vor 14 Tagen in Wolvega. Beide Pferde befinden sich in der Obhut von Dion Tesselaar. Wir trauen ihnen durchaus zu, den Sieglorbeer nach Holland zu entführen, wie einst Zorba Oldeson gegen Joke Face.

Klein aber fein ist das italienische Kontingent, dass über die Fliegerdistanz von 1680 Metern brandgefährlich erscheint. Holger Ehlert besitzt die Qual der Wahl zwischen Sing Hallelujah und Stankovic Ok. Letzterer überzeugte zuletzt als Sieger in 1:13,7. Noch schneller war die Donato Hanover-Tochter Sonia aus dem Stall von Paolo Leoni. Für sie stoppten die Uhren als Sieger in Rom 1:12,7. Nach Riff Kronos im vergangenen Jahr könnte die italienische Traberzucht also auch 2015 in Hamburg triumphieren.