Ein Grand Circuit der allen gehört
vom 04.11.2015

(jg) – 92 Rennen der Master-Serie gelangen in diesem Jahr zur Austragung. 66 davon finden in Frankreich oder Schweden statt. Das sind 72 Prozent.

Das ist angesichts der Dominanz dieser beiden Traberverbände nicht verwunderlich und dürfte auf absehbare Zeit wohl auch so bleiben. Dennoch, wenn man den Trabrennsport in Europa auf Dauer am Leben erhalten möchte, sollte die U.E.T. dringlichst Überlegungen anstellen, wie auch Pferdesport-Nationen der nach U.E.T.-Definition zweiten oder dritten Gruppe mehr als bisher in die sportlichen Highlights einbezogen werden könnten. Das augenblickliche Modell der Masters-Serie ist dazu nicht geeignet.

Heute ist es so, dass jeder nationale Zuchtverband sein eigenes Süppchen kocht. Jede Traber-Nation besitzt traditionell ihr eigenes Zucht- und Rennprogramm. Dabei hat sich der Rennsport in den vergangenen 25 Jahren grundlegend gewandelt. Der europäische Trabrennsport ist zu einer globalen Einheit geworden. Die Integration kleinerer Traber-Nationen ist dabei jedoch auf der Strecke geblieben. Dazu zählt mittlerweile die gesamte Region Mitteleuropas einschließlich Deutschland.

Traber-News.com erscheint die Einbeziehung möglichst vieler U.E.T.-Mitgliedsländer in die Ausrichtung der Masters-Rennen von wesentlicher Bedeutung. Wir wiederholen uns gerne, wenn Frankreich und Schweden den Trabrennsport als exklusiv ansehen, wird dies nicht funktionieren. In Anlehnung an den alten Grand Circuit möchten wir daher ein Modell vorschlagen, das möglichst viele europäische Traber-Nationen in die Präsentation der besten Traber der Welt einbezieht.

Ob der französische Trabrennsport an seinem Trotteur Francais festhalten wird oder nicht, soll uns zunächst einmal nicht tangieren. Grundsätzlich gehen wir davon aus, dass die Traberzucht, ähnlich der Vollblutzucht, eine Rasse mit einem Stammbuch sein sollte. Die Grundlage der amerikanischen Traberzucht beruht auf Frühreife und Sprintqualität, während das französische Modell auf Ausdauer und Rittigkeit ausgerichtet ist. Die Spezialisierung unterschiedlicher Zuchtziele kann durchaus in einem globalen Rennsystem zusammengeführt werden. Indem man beispielsweise in lange und kurze Distanzen und Fahren und Reiten unterscheidet. Auf dieser Grundlage haben wir uns Gedanken über ein neues Konzept der Masters-Serie gemacht.

Von einem internationalen Grand Circuit für zwei- und dreijährige Pferde haben wir abgesehen. Die Rennsaison für zweijährige Pferde ist kurz und jeder vernünftige Besitzer und Trainer weiß, dass das Risiko der Überforderung ein extrem schmaler Grat sein kann. Daher spielen in unseren Überlegungen zwei- und dreijährigen Pferde keine Rolle. Sie sollte man auf der nationalen Route belassen. So kann eine nationale Elite entstehen, die sich mit fortschreitendem Alter internationalen Aufgaben stellt.

Jede Woche großer Sport
Unser Vorschlag sieht einen Grand Circuit vor, der sich von März bis Oktober erstreckt. Jede Woche ein Grand Circuit-Event in unterschiedlichen Teilen Europas. In Anlehnung an den Kalender von 2015 ergäben sich beispielsweise folgende 30 Veranstaltungstermine:

März: 13. Kalenderwoche;
April: 14. KW, 15. KW, 16. KW, 17. KW;
Mai: 18. KW, 19. KW, 20. KW, 21. KW, 22. KW;
Juni: 23. KW, 24. KW, 25. KW, 26. KW;
Juli: 27. KW, 28. KW, 29. KW, 30. KW;
August: 31. KW, 32. KW, 33. KW, 34. KW, 35. KW;
September: 36. KW, 37. KW, 38. KW, 39. KW;
Oktober: 40. KW, 41. KW, 42. KW;
November: Finale

Sechs Serien à 10 Rennen
Angesprochen sind alle Pferde vierjährig und älter. Stuten erhalten eine eigene Serie, ebenso die Spezialisten der Kurz- und Mitteldistanz. Unser Beispiel umfasst 10 Qualifikationsrennen für vierjährige Pferde der offenen Klasse und 10 Rennen für vierjährige Stuten, 10 Rennen ohne Altersbeschränkung der offenen Klasse über die Sprintdistanz, 10 Rennen ohne Altersbeschränkung der offenen Klasse über die Steherdistanz und je 10 korrespondierende Rennen über die Sprint- bzw. Steherdistanz für das schwache Geschlecht. Insgesamt 60 Rennen.

Alle Rennen der vierjährigen Pferde führen über die Mitteldistanz zwischen 2000 und 2400 Meter.

Die Rennen aller Altersklassen bilden die “Königsdisziplin”. Diese Rennen stehen offen für vierjährige und ältere Pferde. Stuten dürfen wählen zwischen der Stuten- oder der offenen Klasse. Vierjährige Pferde dürfen im Jahrgang oder in der offenen Klasse starten. Es sollen die Besten der Besten ihre Kräfte messen.

Sechs Final-Rennen
Zum Abschluss der Saison steht ein Mega-Event mit insgesamt sechs Final-Rennen auf dem Programm. Der Termin sollte während der letzten drei Monate des Jahres liegen. Für die Final-Rennen sind die punktbesten Pferde qualifiziert, wobei die Teilnahme an mindestens zwei von 10 Rennen Voraussetzung für eine Qualifikation am Finale ist.

Es sollte die Möglichkeit bestehen, für maximal zwei Pferde je Final-Rennen eine „Wildcard“ zu vergeben. Wünschenswert wäre eine Teilnahme der Besten aus Amerika. So würden die Final-Rennen zu einem interkontinentalen Match aufgewertet.

Alle sollen teilhaben
Die U.E.T. besitzt eine Mitgliederstruktur, die in drei Gruppen unterteilt ist.

Gruppe I: Frankreich, Italien, Schweden
Gruppe II: Belgien, Dänemark, Deutschland, Finnland, Niederlande, Norwegen, Russland
Gruppe III: Estland, Litauen, Malta, Österreich, Schweiz, Serbien, Slowenien, Spanien, Tschechien, Ungarn

Am wichtigsten ist für uns, dass alle U.E.T.-Mitgliedsverbände der Gruppe I und Gruppe II in den Grand Circuit eingebunden werden. Die Teilnahme von Nationen der Gruppe III wäre wünschenswert und sicherlich machbar. Nur so kann unserer Auffassung nach das Interesse am Trabrennsport in ganz Europa erhalten bleiben.

Angenommen die Veranstalter der Gruppe I würden vier Termine mit jeweils drei Grand Circuit-Rennen übernehmen, so wäre für diese Gruppe 12 Rennveranstaltungen und 36 Rennen reserviert. Hinzu käme die Ausrichtung des Finales mit sechs Rennen. Hier ein Beispiel:

Gruppe I: je 4 Rennveranstaltungen à 3 Rennen (12 Termine – 36 Rennen) + Finale mit 6 Rennen
Frankreich, Italien, Schweden

Gruppe II: je 2 Rennveranstaltung à 1 bis 2 Rennen (14 Termine – 20 Rennen)
Belgien, Dänemark, Deutschland, Finnland, Niederlande, Norwegen, Russland

Gruppe III: 4 Rennveranstaltung à 1 Rennen (4 Termine – 4 Rennen)
Litauen, Österreich, Schweiz, Spanien, Tschechien, Ungarn

Die Finanzierung
Die Finanzierung dieses Projektes erfordert selbstverständlich einen gemeinsamen Haushalt. Ähnlich wie in der großen Politik wird es je nach wirtschaftlicher Bedeutung Brutto- und Nettozahler geben.

Nehmen wir an, für 60 Qualifikations-Rennen wären sechs Millionen Euro Preisgelder erforderlich und für sechs Final-Rennen 4,5 Millionen Euro. Hinzu kommt eine Züchterprämie in Höhe von 10 Prozent, also ca. 11,5 Millionen Euro. Durch die Aufhebung des U.E.T.-Grand Prixs und der Europa-Championate könnte die U.E.T. beispielsweise ca. 700.000 Euro beitragen. Mindestens eine Million Euro könnte durch übergreifendes Sponsorentum der Qualifikations- und Final-Rennen generiert werden. 75.000 Euro pro Rennen plus Züchterprämie müsste der jeweilige Rennveranstalter aufbringen. Das wären 5.445.000 Euro.

Es würde ein Finanzierungsbedarf von ca. 4,5 Millionen Euro bleiben, der einem gemeinsamen Haushalt entnommen wird. Eine detaillierte Aufschlüsselung der Belastungen möchten wir vermeiden, jedoch dürfte jedermann verständlich sein, dass starke Schultern mehr Last ertragen können als schwache Schultern. Ein Land wie Frankreich beispielsweise besitzt einen jährlichen Wettumsatz, der die deutschen Wettumsätze um das 250fache übersteigt. Machbar ist das jedenfalls.