Ein unmoralisches Verhalten
vom 30.10.2018

(jg) – Traberzüchter außerhalb Frankreichs, Schwedens und Italiens sind Kummer gewohnt. Täglich werden ihnen Züchterprämien ihrer im Ausland startenden Zuchtprodukte vorenthalten.

Traber-News.com hat das fatale Verhalten europäischer Traberzucht-Verbände wiederholt angeprangert. Nichts ist passiert. Dabei wäre es so einfach. In der Praxis schüttet jeder Rennverein mindestens 10 Prozent Züchterprämie aus. Das Geld vereinnahmen aber die jeweiligen Zuchtverbände, die es nicht an alle Züchter weiterleiten. Ohne jemals ein Pferd gezüchtet zu haben, ist beispielsweise der deutsche Hauptverband für Traberzucht e.V. mit dem Zuchtfonds „Züchterchampion“ in Deutschland.

An dieser Praxis soll nach dem Willen der sogenannten Züchtervertreter (!) nicht gerüttelt werden. Sie benutzen das zusätzliche Einkommen gerne zur Gestaltung ihrer Verbandshaushalte. Auch der Verband der europäischen Traberverbände, U.E.T., ist diesbezüglich alles andere als vorbildlich.

Es gibt vier Rennen, die unter dem Patronat der U.E.T. stehen: Die europäischen Championate der Drei- und Fünfjährigen, jeweils mit 100.000 Euro dotiert, der Große Preis der U.E.T. für vierjährige europäische Pferde mit einem Preisgeld von 400.000 Euro und das Europachampionat der Stuten, das einen Rennpreis von 180.000 Euro aufweist. Für den Großen U.E.T.-Preis zahlt jeder europäische Mitgliedsverband sogar einen Zuschuss.

Und nun kommen wir auf den Punkt. Für keine dieser Rennen fühlt sich die Europäische Traber-Union verantwortlich, Züchterprämien auszuloben. Es handelt sich um mindestens 75.000 Euro.

Die meisten U.E.T.-Championate fanden in den letzten 10 Jahren in Schweden oder Frankreich statt. Es waren 29 von 48 Rennen. Nutznießer waren französische und schwedische Züchter. Deren Züchterprämien waren niemals in Gefahr. Sie haben alle Geld bekommen. Denn sowohl der französische als auch der schwedische Zuchtverband zahlen ihren Züchtern die fälligen Züchterprämien. Auch auf im Ausland gewonnene Rennpreise.

Und die Züchter im restlichen Europa? Sie gehen wieder einmal leer aus. Allein 2018 gingen deutschen und holländischen Züchtern 7.460 Euro Züchterprämien aus folgenden von der U.E.T. ausgeschriebenen Rennen verloren.

Broadwell: 3.000 Euro (Züchter: Jens Janssen, Deutschland)
Orlando Jet: 2.500 Euro (Züchter: Peter Busch, Deutschland)
Hooters USA: 900 Euro (Züchter: Jolanda Mollema-Feenstra, Holland)
Mister F Daag: 500 Euro (Züchter: Jean Huls, Holland)
Massai: 360 Euro (Züchter: Günter Herz, Deutschland)
Avalon Mists: 200 Euro (Züchter: AGM Groot Beheer, Holland)

Diese Züchter haben im Gegensatz zu ihren französischen und schwedischen Kollegen keinen Cent Züchterprämie erhalten. Das könnte als Diskriminierung gelten. U.E.T.-Rennen ohne europäische Züchterprämien verkehren den europäischen Gedanken in sein Gegenteil.