Ein Vorschlag zur Optimierung der Zirkel-Rennen
vom 04.12.2017

(jg) – Die Zirkelrennen-Serien sind seit Jahren ein Sorgenkind des deutschen Trabrennsports. Da muss sich etwas ändern. Sofort!

Das Interesse der Rennställe an den Zirkelrennen-Serien lässt immer mehr zu wünschen übrig. Das hat nur bedingt mit rückläufigen Geburtenziffern zu tun. Andere Gründe spielen eine nicht unwesentliche Rolle.

Nennungen zu den Zirkel-Serien

  2015 2016 2017
2j.-Zirkel 141 Pferde 161 Pferde 87 Pferde
3j.-Zirkel 182 Pferde 170 Pferde 154 Pferde
  323 Pferde 331 Pferde 241 Pferde

Mit tiefer Sorge stellen wir fest, dass die Nennungen zu den Zirkel-Rennen der zwei- und dreijährigen Pferde in diesem Jahr um mehr als 25 Prozent rückläufig waren. Das steht in keinem realen Verhältnis zu den rückläufigen Fohlengeburten. Über das Warum kann es keinen Zweifel geben.

- Die Kosten für die Teilnahme stehen in keinem vernünftigen Verhältnis zum Ertrag.
- Manche Regionen sind von den Zirkel-Rennen quasi ausgeschlossen.
- Die Austragung der angebotenen Rennen ist oft nicht gewährleistet.

Zu hohe Kosten für die Aktiven
Eine Auflistung getätigter Einsätze der Besitzer im Verhältnis zu den ausgeschütteten Rennpreisen zeigt folgendes Bild in den vergangenen drei Jahren:

Einsätze Besitzer / ausgeschüttete Rennpreise in Euro

  2015 2016 2017
2j.-Zirkel 87.228 / 92.150 = 94,7 % 96.400 / 84.000 = 114,8 % 55.200 / 81.100 = 68,1 %
3j.-Zirkel 183.820 / 208.625 = 88,1 % 156.750 / 189.800 = 82,6 % 162.350 / 216.600 = 75,0 %
  271.048 / 300.775 = 90,1 % 253.150 / 273.800 = 92,5 % 217.550 / 297.100 = 73,2 %

Im Durchschnitt haben in den vergangenen drei Jahren die Besitzer zu 85 Prozent an der Finanzierung der Zirkel-Serien für zwei- und dreijährige Pferde beigetragen. Das muss und kann man anders gestalten, wie wir später erläutern werden.

Austragung der Zirkel-Rennen 2016 nur in Gelsenkirchen und Berlin
Die Zirkel-Rennen der Zwei- und Dreijährigen 2016 z.B. fanden ausschließlich auf den Trabrennbahnen in Berlin-Mariendorf und Gelsenkirchen statt.

Auch 2017 sah die Situation nicht viel anders aus. 20 von 23 Rennen (90 %) des Zwei- und Dreijährigen-Zirkels wurden auf den Rennbahnen in Berlin-Mariendorf und Gelsenkirchen durchgeführt. Die Regionen Nord und Süd standen außen vor.

Das ist ein unzumutbar Zustand für die Besitzer junger, hoffnungsvoller Pferde, der zu erheblichen finanziellen Anstrengungen seitens der Rennställe führt.

Austragungsort Zirkel-Rennen

  2015 2016 2017
2j.-Zirkel 7 Rennen (3 x GE) 6 Rennen (6 x BM / GE) 6 Rennen (5 x BM / GE)
3j.-Zirkel 15 Rennen (15 x BM / GE) 15 Rennen (15 x BM / GE) 17 Rennen (15 x BM / GE)
  22 Rennen (18 x BM / GE) 21 Rennen (21 x BM / GE) 23 Rennen (20 x BM / GE)

Zu viele Zirkel-Rennen fallen aus
Die Durchführung der angebotenen Rennen war häufig nicht gewährleistet. Die Ausfallquote in den Jahren 2015 bis 2017 betrug 38 Prozent.

Ausgefallene Zirkel-Rennen

  2015 2016 2017
2j.-Zirkel 5 von 12 6 von 12 6 von 12
3j.-Zirkel 21 von 40 3 von 18 2 von 18
  26 von 52 = 50 % 9 von 30 = 30 % 8 von 30 = 27 %

Mit diesen Zahlen kann man kein Vertrauen gewinnen. Das ganze Konstrukt basiert auf Zufall. Allzu oft haben Besitzer auf ein Stuten-Rennen oder einen Trial Einsätze getätigt, die dann nicht zur Austragung gelangten und einen planmäßigen Aufbau der Pferde behindert haben. Das gesamte Zirkelrennen-System gehört auf den Prüfstand.

Was muss sich ändern?
Wichtig sind uns zwei Botschaften:

- Zirkel-Rennen gehören in allen Regionen Deutschlands angeboten.
- Zirkel-Rennen bedürfen einer spürbaren Entlastung der Besitzer.

Zirkel-Rennen neu

Ein systematischer, sinnvoller Aufbau der Zirkel-Rennen ist die eigentliche Herausforderung. Mehr Interesse seitens der Rennställe kann es nur geben, wenn...

- es eine gerechte Verteilung der Rennen auf die Regionen gibt und lange Transportwege überflüssig werden.
- die Kosten zur Teilnahme an den Rennen spürbar reduziert werden. Das kann auch über geringere Einsatzzahlungen geschehen.
- alle Rennserien ausschließlich inländischen Pferden vorbehalten sind.

  neu   2017  
2j.-Zirkel 78.000 Euro 13 Rennen 81.100 Euro 6 Rennen
3j.-Zirkel 220.000 Euro 34 Rennen 216.600 Euro 16 Rennen
  298.000 Euro 47 Rennen 297.700 Euro 22 Rennen

Unser Vorschlag belässt das Rennpreisvolumen für die Zirkel-Serien der zwei- und dreijährigen Pferde auf dem Niveau von 2017. Die Anzahl der Zirkel-Rennen hingegen wird auf Grund einer fairen, regionalen Verteilung von 23 Rennen im Vorjahr auf 47 Rennen mehr als verdoppelt.

Wir stellen uns vor, Vorlaufrennen in den Regionen Nord, Ost, West und Süd anzubieten. Die Region, in der ein Pferd startet, ist frei wählbar. Allerdings darf ein Pferd nicht in unterschiedlichen Regionen starten.

Unser Vorschlag hätte zum Resultat, dass...

- die Besitzer um ca. 107.000 Euro entlastet werden!
- die Züchter bei einer Ausschüttung von 20 % Züchterprämien und Entlastung des Zuchtfonds um ca. 50.000 Euro besser gestellt sind!
- die Rennvereine zwar ca. 15.000 Euro mehr an Rennpreise ausschütten, für diesen Betrag aber 25 zusätzliche Rennen durchführen. Im Ergebnis also positiv für die Rennvereine!

Natürlich kann es keine Zirkel-Rennen zum Nulltarif geben. Das wäre Illusion. Ziel ist das gemeinsame Schultern der finanziellen Lasten durch Züchter, Besitzer, Rennvereine und Sponsoren. Und das ist möglich. Allerdings muss ein Wille hierzu bestehen.

Wir möchten an dieser Stelle nicht ins Detail gehen. Wir haben es durchgerechnet, und es erscheint realistisch, wenn der Wille besteht.

Erst jüngst haben wir zur Kenntnis genommen, dass ein Sponsor 140.000 Euro auf den Tisch gelegt hat, um 2018 einen bahneigenen Vier- und Fünfjährigen-Zirkel zu realisieren. Traber-News.com hat das ausdrücklich begrüßt. Noch besser jedoch wäre gewesen, die verantwortlichen Spitzenfunktionäre des deutschen Trabrennsports hätten eine Gesamtlösung für das andauernde Problem „Förderung der Leistungsprüfungen“ gefunden.

Die Planungen für die Saison 2018 sollen „im stillen Kämmerlein“ bereits abgeschlossen sein. Und genau deshalb ahnt uns nichts Gutes. Same procedure as every year?