Einfuhren – einst und jetzt
vom 19.01.2018

(jg) – In diesen Tagen, wo die Augen der Traber-Welt nach Paris-Vincennes gerichtet sind, erscheint es angebracht, die Investitionen deutscher Rennställe in französische Traber etwas genauer unter die Lupe zu nehmen.

Bekannt ist, dass der Präsident des deutschen Traber-Verbandes, Heinz Tell, auf den Regionalkonferenzen derzeit vehement für den Kauf französischer Traber wirbt. Für einen Präsidenten des deutschen Zuchtverbandes ist dieses Verhalten unserer Ansicht nach ein Armutszeugnis. Es kommt dem Verrat an der eigenen Klientel gleich.

Auf der Homepage des deutschen Traber-Zuchtverbandes findet man einen Werbebanner von Le Trot. Ein Klick auf das Banner empfiehlt zahlreiche französische Deckhengste außerhalb Frankreichs und fordert zum Direkterwerb französischer Zuchtstuten auf.

156 Stuten zum Einzelpreis von 4.000 Euro inklusive 1.200 Euro Subvention seitens des französischen Zuchtverbandes umfasst diese zeitlich längst überholte Liste. Das besagt eigentlich alles über die Qualität der Angebote. Viele dieser Zuchtstuten stünden in Frankreich womöglich vor der Abkörung. Verwunderlich ist auch, dass der Präsident des HVT und ein weiteres Präsidiumsmitglieder erst kürzlich zwei Stuten dieser Liste erworben haben.

Dabei galt für die Einfuhr eines Trabers über Jahrzehnte nur ein Kriterium: Qualität! In vielen Ländern gilt diese Maxime nach wie vor. Auch für die Einfuhr französischer Traber nach Deutschland gibt es hierfür Beispiele in Hülle und Fülle.

Der erste qualitativ hochwertige Ankauf eines französischen Trabers geschah 1957 durch den Stall Kurier (Wilhelm Geldbach). Auf Vermittlung von Eddy Freundt kam Io d’Amour nach Deutschland. Mit Gerhard Krüger im Sulky siegte der Hengst 1958 im Elitloppet von Solvalla.

Auf den Geschmack gekommen legte ein Mäzen wie Wilhelm Geldbach natürlich nach. Als nächstes kam der 28-fache französische Sieger Fifi beau Gosse ins Land und 1960 erwarb der Stall Kurier über Walter Heitmann Iskander F, der für seinen neuen Patron prompt einen dritten Platz im Prix de France belegte. Ein Jahr später gewann der Hengst diese Prüfung sogar.

Weitere Einfuhren des Stalles Kurier aus Frankreich waren Narciso II, Zweitplatzierter im Criterium des 3 Ans, Litz und Ballon Rouge. Der Kratius-Sohn Ballon Rouge war Sieger im Prix Capucine gewesen, dem heutigen Prix Albert Viel und jeweils Dritter im Criterium des Jeunes und im Criterium des 3 Ans. Das waren Pferde, die heutzutage mit einem Django Riff, Ecu Pierji oder Eros du Chene zu vergleichen wären.

Auch das Gestüt Schweizerhof (Robert Boos) hatte 1958 auf Vermittlung von Gerhard Krüger mit Ivacourt einen französischen Spitzentraber erworben. Der Hengst besaß als Referenz einen dritten Platz im Criterium des 5 ans. Auf Ivacourt folgte Pick Wick, eine noch größere Nummer, der für das Gestüt Schweizerhof im Prix de l’Atlantique triumphierte und Dritter im Prix de Paris war.

Zu den Großimporteuren erstklassiger Traber aus Frankreich zählte damals auch das Gestüt Lasbek (Max Herz). Walter Heitmann war der Berater. Wir nennen Lilo d’Amour, Zweite im Criterium des 3 Ans, Loustic T II, Drittplatzierter im Prix de Paris, Quosiris D, Sieger im Prix de Selection, und Niha, der zweijährig an fünfter Stelle unter Frankreichs gewinnreichsten Youngstern stand.

Und das waren längst noch nicht alle. Weitere Super-Traber aus Frankreich kamen nach Deutschland und bereicherten hier die sogenannten „Internationalen“.

Das Gestüt Aschau (Georg Spitz) holte Kopelo, Zweiter im Criterium des 4 Ans und Alfred Lipp kaufte Olivet, Zweiter im Criterium des 3 Ans. Hermann-Friedrich Bruhn erwarb durch Vermittlung von Kurt Hörmann Allo Mannetot, Zweiter im Criterium des 3 ans und Dritter im Prix de Selection und pachtete für die deutsche Zucht den Prix d’Amerique-Zweiten Oscar R L. Auf diese Weise kam auch Vat nach Deutschland, Zweiter bzw. Dritter im Criterium des 3 ans, 4 ans und 5ans, der im Eigentum von Charlie Mills stand.

Mit Sara de Bourgogne (Diedrich Kenneweg), Belle Doris (Heinz Holtschneider), Lady d’Oger (Werner Grasruck) und Nuit Dazeray (Kurt Block) gelangten Top-Stuten nach Deutschland, die ihre Spuren in der Zucht hinterlassen haben. Erwähnung verdienen auch Vico (Erwin Schröder), Kombo (Ludwig Schmülling) und Mont de Maine (Harald Grendel). Pferde, die in Paris-Vincennes in Rennen der höchsten Kategorie gestartet waren.

Natürlich wurde es im Laufe der Jahre immer schwieriger, erstklassige französische Pferde zu erwerben. Die anfänglich guten Kontakte der Vermittler wurden rarer, und die Preise wuchsen in den Himmel.

Und heute? Jammer und Elend! Den meisten der heutzutage aus Frankreich importierten Pferde ist die Starterlaubnis in ihrem Heimatland entzogen worden. Sie werden ausschließlich zur Durchführung von geschützten TF-Rennen gekauft, die in der Regel ein armseliges Bild abgeben.