Für Züchter ein Buch mit sieben Siegeln
vom 12.03.2018

(jg) – In dieser Woche ist das Deckhengst-Register 2018 veröffentlicht worden. Neu ist, für einige Hengste wurde ein Zuchtwert ermittelt. Doch wie, das ist und bleibt ein wohlbehütetes Rätsel.

Viele Züchter haben uns gefragt, was die mysteriösen Kürzel RZWP, RZWPG, RZWZ, RZWZG, RZWG und RZWGG bedeuten sollen. Die mitgelieferte Erklärung des Verbandes macht nicht viel klüger.

Des Weiteren wird berichtet, dass zur Ermittlung des Zuchtwertes für einen Hengst eine Mindestfrequenz von zwei Starts für die Nachkommen festgelegt worden ist. Für Hengste, die diese Bedingung noch nicht erfüllen, kann kein Zuchtwert ermittelt werden. Sie sind im Deckhengst-Register 2018 mit dem Zuchtwert 0 gelistet.

Da stellt sich sofort die Frage, wieso besitzt ein Tiger Woods As den Zuchtwert 149, den besten Zuchtwert aller Hengste im Deckhengst-Register 2018, und ein Classic Joker den Zuchtwert 138, den neunt besten Zuchtwert unter 76 Hengsten? Wieso ist ein Love You überhaupt nicht erfasst?

Diese wenigen Beispiele lassen schon erahnen, dass diese Zuchtwertschätzung keinen Sinn ergibt. Weder Tiger Woods As noch Classic Joker besitzen bislang Nachkommen. Ein Classic Joker mit gerade einmal 30.000 Euro Gewinnsumme kann unmöglich Rang neun einer Zuchtwertschätzung einnehmen. Ein Ready Cash mit über vier Millionen Euro Renngewinne und deutsch registrierten Nachkommen wie Noble Dolly, Lesperanza und Isabella Boshoeve rangiert allen Ernstes unterhalb Classic Joker!!! Das muss einer Zuchtleiterin doch auffallen?

Es ist zum Verzweifeln. Ausgerechnet bei einem Thema, wo man von einem Zuchtverband Kompetenz erwartet, dieses "Meisterwerk". Das Deckhengst-Register 2018 wirft mehr Fragen auf als es beantwortet. Als Hilfsmittel für den Züchter ist es definitiv ungeeignet.