Gut eingekauft in Harrisburg
vom 09.11.2017

(jg) – Jedes Jahr in der ersten November-Woche findet im US-Bundesstaat Pennsylvania die Harrisburg-Sale statt. Es ist der größte Marktplatz für Traber weltweit.

Schon immer haben europäische Traber-Züchter und –Besitzer die Gelegenheit genutzt, erstklassiges Renn- wie Zuchtmaterial in Harrisburg zu ersteigern und Kontakte aufzubauen bzw. aufzufrischen. Die folgenden Beispielen mögen belegen, dass man in Harrisburg für jeden Geldbeutel fündig werden kann.

Skandinavien
Schwedische Rennställe und Züchter kaufen nach wie vor gerne in Harrisburg ein. Einige von ihnen sind auch an Jährlingen interessiert und beteiligen sich am „amerikanischen Traum“ des großen Geldes.

Auf diese Weise ersteigerten Melander, Courant, Bergh & Co. Spitzenpferde wie Nuncio (28.610.230 SeK Gewinne / 7.000 $ Jährlingspreis), Cruzado Dela Noche (5.260.041 SeK Gewinne / 28.000 $ Jährlingspreis), Volstead (5.062.824 SeK Gewinne / 50.000 $ Jährlingspreis) und Muscle Hustle (3.473.447 SeK Gewinne / 60.000 $ Jährlingspreis). Später haben diese Pferde ihre Rennkarriere in Europa erfolgreich fortgesetzt.

Auch Züchter haben in Harrisburg schon so manchen „Schatz“ entdeckt. Einige Beispiele:

Die 2005 geborene Yankee Glide-Tochter Share The Promise, tragend nach Conway Hall, kostete 2013 in Harrisburg 27.000 Dollar. Ihr erster Nachkomme in Schweden ist Global Un Poco (1.687.700 SeK), Sieger in der Trearingseliten 2017.

Ein Schnäppchen für 4.500 Dollar war 2012 Dear Abs, tragend nach Conway Hall. Die 2002 geborene Muscles Yankee-Tochter gebar 2013 den E 3-Finalsieger Donatello Sisu (1.323.600 SeK).

Ein gutes Geschäft war auch Baghdad Dream. Die 2005 geborene Stute ging 2011, tragend nach Taurus Dream, für 22.000 Dollar aus dem Ring und brachte im Folgejahr Mister J.P. (3.225.000 SeK), Sieger im Svenskt Uppfödningslöpning und Dritter im Svenskt Trav-Kriterium.

Ein wesentlich anderes Kaliber in puncto Preis war die 1999 geborene Malabar Man-Tochter Malabar Mist. Sie war 2007, zum Zeitpunkt ihres Verkaufs, tragend nach Andover Hall und kostete stolze 260.000 Dollar. Zu ihrer Nachkommenschaft zählt der 2012 geborene Pacific Broline (1.599.300 SeK), schwedischer Breeders Crown-Sieger.

Das Dansk Trav-Derby 2017 wurde von dem Ready Cash-Sohn Bvlgari Peak gewonnen. Seine Mutter Inpursuitofvictory v. Donato Hanover war zwei Jahre alt, als sie 2011 in Harrisburg für 6.000 Dollar von einem dänischen Interessenten ersteigert wurde.

Ein lohnender Ankauf für lediglich 17.000 Dollar war 2012 die 2003 geborene Muscles Yankee-Tochter China Tea Party, tragend nach Kadabra. Ihr damals im Mutterleib befindlicher Nachkomme, Benjamin Evo (1.896.923 SeK), gewann 2017 das Derby Suomi.

Der Non plus ultra-Deal war wohl der Erwerb der neunjährigen güsten Zuchtstute Proud Service v. Pine Chip für sage und schreibe 1.500 Dollar. Ihre Mutter Speedy Service war eine Tochter der erfolgreichen Castleton Farm-Matrone Flory Messenger und somit Halbschwester zum finnischen Champion-Vererber Express Ride. Proud Services 2012 geborene Tochter Proud Sally v. Diesel Don (47.440 Euro) gewann 2015 ein besser dotiertes Gruppe-Rennen in Finnland.

Italien
Fleißige Käufer in Harrisburg waren jahrelang italienische Züchter. Sie kauften häufig am oberen Ende der Preisskala und ernten derzeit die Früchte damaliger Investitionen.

Ein lohnender Kauf war 2012 die damals dreijährige Cantab Hall-Tochter Temple Blue Chip aus der Kategorie Rennpferde. Sie kostete 27.000 Dollar. Ihr erster Nachkomme ist Vivid Wise As (376.560 Euro), Sieger in fünf Gruppe-Rennen, u.a. Allevatori, Giovanardi und Nazionale.

Auch die 2003 geborene Love On The Rocks befand sich noch im Rennstall, als 2006 ein italienischer Interessent 90.000 Dollar für die Donerail-Tochter anlegte. Sie dankte es ihm mit der Geburt der Nazionale- und Marangoni Filly-Siegerin Valdivia (175.180 Euro) und dem Criterium Vinovo-Sieger Penner Lb (43.190 Euro).

Die siebenjährige Miss Possessed v. Self Possessed, tragend nach Andover Hall, wurde 2009 für 60.000 Dollar versteigert. Im folgenden Jahr gebar sie den Marangoni-Sieger Rotary Ok (145.426 Euro) und 2012 mit Testimonial Ok (439.664 Euro) den talienischen Derby-Sieger des Jahres 2015. Es kommt aber noch besser. Ihr 2009 in den USA zurück gelassenes Fohlen Magic Tonight triumphierte 2015 im Elitloppet.

Annette Hanover v. Sierra Kosmos war 2006 neun Jahre alt und tragend nach Muscles Yankee. Sie kostete 35.000 Dollar. In Italien brachte sie die zweifache Gruppe-Siegerin Trendy Ok (186.968 Euro) und die Allevatori Filly-Siegerin Priority Ok (83.040 Euro).

Die 1999 geborene Armbro Wealthy v. Malabar Man, tragend nach Lindy Lane, war 2004 einem italienischen Züchter 70.000 Dollar wert. Ihr überragender Nachkomme in der italienischen Traberzucht ist der 2013 geborene Urlo dei Venti (458.610 Euro), sechsfacher Gruppe-Sieger, u.a. im Europa und Continentale.

Die 2000 geborene Yankee Glide-Tochter Glide About gelangte über Umwege nach Italien. Sie wurde 2003 von einem schwedischen Rennstallbesitzer für 220.000 Dollar ersteigert. Ihr bester Nachkomme ist die 2012 geborene Treasure Kronos (4.587.733 SeK), schwedische Breeders Crown-Siegerin und Gewinnerin des Prix Criterium Continental in Vincennes.

Deutschland
Aber auch deutsche und holländische Züchter sind in Harrisburg fündig geworden. 2010 erwarb der aktuelle deutsche Züchter-Champion Max Schwarz die 2003 geborene Glide Chip v. Yankee Glide für 30.000 Dollar. Die Stute war tragend nach Chocolatier.

Als Mutter des aktuellen Derby-Siegers Tsunami Diamant (146.904 Euro) sowie des Derby-Dritten Raffaelo Diamant (41.632 Euro) zählt Glide Chip heute zu den Zierden der deutschen Traberzucht.

Eine beachtliche Investition von 110.000 Dollar ging 2007 Pieter ter Borgh ein, als er die vierjährige Dream Vacation-Tochter Color Schemes ersteigerte. Die Stute befand sich damals noch im Rennstall.

Der Schöpfer hat es ihm zurückgegeben. Color Schemes brachte 2013 mit Gilda Newport (147.791 Euro) Deutschlands schnellste Traberstute aller Zeiten und mit Charlotte Newport die Zweitplatzierte im Deutschen Stuten-Derby 2017.

Unsere Beispiele zeigen, dass nirgendwo anders als in Harrisburg die Chance am Größten ist, erstklassige Renn- wie Zuchtpferde zu ersteigern. Der deutschen Traberzucht würde eine Blutauffrischung gut zu Gesicht stehen.