Halbzeitbilanz PMU-Rennen 2016
vom 21.06.2016

(jg) – 30 PMU-Renntage sind in diesem Jahr in Deutschland veranstaltet worden. Traber-News.com zieht Bilanz.

Vorweg jedoch gilt es die Schwierigkeiten anzusprechen, die einer Analyse der PMU-Rennen im Weg stehen. Kaum ein anderes Rennsportprojekt in Deutschland wird mit Absicht so intransparent dargestellt wie die PMU-Rennen. Das gilt sowohl für den Verband, den HVT, als auch für den Vermarkter, German Tote.

Seit dem Rückzug von Win Race läuft die Abrechnung der Provisionen aus Frankreich über den HVT. Die Ausnahme bildet der Rennverein in Gelsenkirchen. Die Abrechnung der Provisionen für Gelsenkirchen soll dem Vermarkter German Tote überlassen worden sein. Soweit uns bekannt, liegt also das Risiko für den Rennverein in Gelsenkirchen beim Vermarkter, der im Gegenzug sämtliche Erträge für sich einbehalten darf. Gelsenkirchen ist demnach ein eigenes Kapitel.

Für die restlichen deutschen PMU-Rennveranstalter, die Berliner Rennvereine in Mariendorf und Karlshorst, Mönchengladbach, Dinslaken, München und Straubing, soll der HVT die Abrechnung besorgen. Nach unseren Informationen überweist der HVT Rennpreise und Züchterprämien und erhält im Gegenzug die Provisionen aus Frankreich in vollem Umfang. Wahrscheinlich besorgt er auch die Nebenkosten, wie z.B. Leitungskosten, werbliche Maßnahmen usw. Den genauen Ablauf kennen nur wenige. Die Abrechnung eines PMU-Renntags scheint einzig und allein eine Angelegenheit zwischen dem HVT und dem veranstaltenden Rennverein zu sein.

Uns ist bekannt, dass aus Frankreich eine Provision von drei Prozent auf die Wettumsätze in Frankreich gezahlt wird. In jüngster Zeit jedoch gehen Gerüchte von einer höheren Provisionszahlung um. German Tote hat dies jüngst anlässlich einer Zusammenkunft der Rennvereine in Abrede gestellt. Von französischer Seite sind uns Zahlen von vier und fünf Prozent genannt worden. So sollen z.B. Online-Wettumsätze mit einer höheren Provision abgerechnet werden als Shop-Umsätze.

Ob dies Zukunftsmusik ist oder Realität, darauf haben die Aktiven m.V. ein Anrecht auf Information. Wer den Mantel des Schweigens ausbreitet, darf sich über Misstrauen nicht wundern. Nicht einmal Rennvereins-Präsidenten beteiligter Rennvereine und HVT-Präsidiumsmitglieder sollen umfassende Kenntnis über die Finanzierung und Abrechnung der PMU-Rennen besitzen.

31 Renntage – 168 Rennen – 801.000 Euro Rennpreise
Wenden wir uns nun den Fakten zu. 31 PMU-Renntage mit 170 Rennen sind bislang 2016 abgehalten worden (einschl. 22.6.), 27 Veranstaltungen sollen lt. HVT-Fahrplan in diesem Jahr noch folgen. Zwei PMU-Rennen, als Buddenbrock Trials gelaufen, möchten wir aus unserer Auflistung ausklammern, weil die Zirkelrennen überwiegend Besitzer finanziert sind. Somit verbleiben 168 PMU-Rennen, in denen 801.000 Euro Rennpreise zur Verfügung standen.

Ca. 280.000 Euro Rennpreise ins Ausland
59 der 168 PMU-Rennen wurden von ausländischen Rennställen gewonnen. Das ergibt einen Prozentsatz von 35 Prozent. Es handelt sich hierbei um siegreiche Pferde, deren alleiniger Eigentümer seinen Wohnsitz außerhalb Deutschlands hat. Von dieser Zahl ausgehend können wir darauf schließen, dass ca. 520.000 Euro Rennpreise an deutsche Besitzer und 280.000 Euro ins Ausland geflossen sind.

Interessant ist eine regionale Auswertung der PMU-Rennen. Auf westdeutschen Rennbahnen (Gelsenkirchen, Dinslaken, Mönchengladbach) siegten ausländische Rennställe in 47 Prozent der PMU-Rennen, im Süden Deutschlands (München, Straubing) waren ausländische Rennställe in 29 Prozent der Rennen erfolgreich und in Berlin lag die Erfolgsquote ausländischer Besitzer bei 12 Prozent. Im Norden werden bekanntlich überhaupt keine PMU-Rennen durchgeführt. Auch ein Indiz, warum insbesondere im west- und norddeutschen Raum die Unzufriedenheit der Besitzer, Züchter und Trainer am größten ist.

Kein Risiko – wenig Engagement
Nicht alle PMU-Renntage sind finanziell erfolgreich verlaufen. Wir behaupten, dass mindestens 10 der 31 PMU-Veranstaltungen ein finanzielles Leck beim HVT oder dem Vermarkter hinterlassen haben. Die jüngste PMU-Veranstaltung am 22.6. in Gelsenkirchen verlief sogar desaströs mit dem schlechtesten Frankreich-Umsatz des Jahres.

Andere Veranstaltungen waren erfolgreich, wie z.B. am 24. März in Gelsenkirchen (Donnerstag, Rennbeginn 16.56 Uhr) mit einem durchschnittlichen Wettumsatz von ca. 285.000 Euro pro Rennen in Frankreich. Schwere Verluste in vermutlich fünfstelliger Höhe musste der HVT mit den Veranstaltungen am 20. März (Sonntag, Rennbeginn 17.56 Uhr) und 26. Februar (Freitag, Rennbeginn 18.01 Uhr) in Berlin-Mariendorf hinnehmen.

Von Seiten der Rennvereine haben wir bislang übereinstimmend Zufriedenheit über die PMU-Veranstaltungen vernommen. Dabei wird es den Rennvereinen zu leicht gemacht. Sie tragen so gut wie kein Risiko und leisten zu wenig, um die Rennen in Frankreich attraktiv zu vermarkten. Ihnen ist der (Frankreich)-Umsatz im Grunde völlig egal (Ausnahme Gelsenkirchen), denn für etwaige Verluste kommt allein der Verband auf. Die Rennvereine erhalten vom HVT die Rennpreise und Züchterprämien überwiesen und vereinnahmen den (Deutschland)-Umsatz. Dieser betrug im Durchschnitt 9.556 Euro pro Rennen für Rennveranstaltungen am Nachmittag und 5.756 Euro für Lunch Races. Das bedeutet, dass die Rennveranstalter pro Rennen mindestens 1.000 bis 2.000 Euro vereinnahmt haben. Nach Abzug eigener Kosten dürfte kein Rennverein mit einer PMU-Rennveranstaltung Schaden erlitten haben.

Lunch Race-Termine
Die Lunch Race-Termine, die den überwiegenden Teil der PMU-Veranstaltungen 2016 darstellen, begannen sehr vielversprechend. Zuletzt allerdings waren sie des öfteren mit Verlusten behaftet. Die Wochentag-Renntermine bilden das Risiko. Die Wochenend-Renntermine waren ausnahmslos sehr erfolgreich. Die Vermarktungsexperten sollten näheres wissen.

Auffällig ist, dass – für den deutschen Rennsportfan – sportlich hochwertige Rennen kein Garant für guten Umsatz in Frankreich sein müssen. Der Buddenbrock-Trial der Stuten z.B. zählte zu den am schlechtesten bewetteten PMU-Rennen des Jahres. Viel mehr müssen sich die Rennveranstalter bemühen, ihre Rennen besser zu „verkaufen“. Zum Standard in Frankreich und anderswo zählt, dass z.B. der Heat der chancenreichen Teilnehmer aufgezeichnet wird. Mehr Informationen über Pferd und Fahrer sind notwendig, um den französischen Wetter zu animieren, sein Geld auf deutsche Rennen zu setzen. Uns drängt sich der Eindruck auf, deutsche Rennveranstalter betrachten die PMU-Rennen als risikolose Selbstläufer.

Aber auch die Umsätze in Deutschland geben gelegentlich Rätsel auf. Die Lunch Races der beiden Berliner Bahnen Mariendorf und Karlshorst erzielten im deutschen Toto im Durchschnitt die höchsten Wettumsätze. Sogar Straubing generierte durchschnittlich höhere Umsätze als z.B. Gelsenkirchen. Die drei westdeutschen Bahnen Mönchengladbach, Gelsenkirchen und Dinslaken bilden das Schlusslicht in Bezug auf die Wettumsätze der Lunch Races in Deutschland.

Die Aktiven profitieren
Unser Fazit lautet, dass die Aktiven, insbesondere Besitzer und Trainer, von den PMU-Rennen sehr profitiert haben, obwohl eine nicht unbedeutende Summe an Rennpreise ins Ausland geflossen ist. Dies ist kein Vorwurf gegen ausländische Rennställe. Immerhin investieren ausländische Besitzer jährlich viel Geld in deutsche Pferde, wie die Jährlingsauktionen in Berlin und Hamburg belegen. Der HVT profitiert natürlich ebenfalls. Zum Beispiel an den Züchterprämien, widersinnigerweise auch für reine Trotteur Francais-Rennen, die dem Zuchtfonds gutgeschrieben werden.

Die diesjährigen PMU-Rennveranstaltungen haben nach Abzug von Rennpreisen, Züchterprämien und anderen nicht dargelegten Kosten definitiv einen Überschuss erbracht. Die genaue Höhe kennt nur der HVT. Wir schätzen sie für das erste Halbjahr 2016 im niedrigen fünfstelligen Bereich. Was mit dem Überschuss geschehen soll ist ebenfalls im Unklaren.

Eine Gesamt-Jahresabrechnung aller PMU-Rennen ist bislang weder der HVT-Mitgliederversammlung noch unseres Wissens den teilnehmenden Rennvereinen vorgelegt worden. Die Beteiligten sind auf Vermutungen und Spekulationen angewiesen. Immer wieder hört man, dass sämtliche Provisionserlöse aus dem PMU-Geschäft für Rennpreise und Züchterprämien verwendet werden sollen. Da die Geschäftsführung des HVT das in sie gesetzte Vertrauen mittlerweile gänzlich verspielt hat, wären die Aktiven gut beraten, der Geschäftsführung hier genauestens auf die Finger zu schauen. Wir erinnern nur an die kuriose Abrechnung der Zirkelserien und die von Ahnungslosigkeit geprägte Verwaltung der Breeders Crown-Gelder.