Holland in Not
vom 27.01.2016

(jg) – Die unilaterale Zuchtpolitik führender europäischer Trabernationen fordert andernorts ihre Opfer. Die Situation der Traberzucht in Holland ist viel dramatischer als wir es uns vorgestellt haben.

Nach Angaben der holländischen Züchtervereinigung wird 2016 mit lediglich 75 Fohlenregistrierungen in unserem westlichen Nachbarland gerechnet. Man beklagt, dass es kein anderes Land in Europa gäbe, wo die Züchter derart massiv mit ihren Zuchtstuten das Land verlassen hätten. Dem Sieger des NL-Derbys 2019 wird nach Einschätzung der Züchtervereinigung eine Siegprämie von ca. 7.500 Euro erwarten. Traber-News.com kann bestätigen, dass es 2015 weit mehr als 100 Fohlenregistrierungen holländischer Züchter beim HVT gegeben hat.

Wir lesen ebenfalls, dass die Züchtervereinigung in Holland einen Rettungsplan für die holländische Zucht vorgeschlagen hat, der einer doppelten bzw. dreifachen „Inländereigenschaft“ gleichkommt. Genau genommen spricht man von einem „Bijboek“, einem verdeckten zweiten Gestütsbuch, dessen Aufnahme geheim und den Namen „eigen draverras“ erhalten soll.

Demnach sollen Traber holländischer Züchter, die z.B. offiziell in Deutschland, Belgien, Schweden oder Frankreich registriert sind, die Startberechtigung für alle nationalen Rennen und Klassiker in Holland erhalten und ihre Züchter die Berechtigung zum Empfang bilateraler Züchterprämien. Im Falle eines Trotteur Francais-Trabers spricht die holländische Züchtervereinigung sogar von einer „Drievoudig Inlanderschap“. Man verweist auf den französischen Traber, für den es die doppelte Nationalität unter Duldung der UET schon heute gibt. So könnte der Züchter eines deutsch/holländisch/französischen Trabers sogar in drei Ländern Züchterprämien empfangen.

Die Züchtervereinigung erwähnt auch, dass es 2013 bereits ein Ersuchen des holländischen Traber-Zuchtverbandes beim HVT für eine gemeinsame Lösung des Problems gegeben haben soll, das zu keinem Ergebnis geführt hat. Hierzu würde uns eine Stellungnahme des HVT interessieren, der seine Mitglieder über dieses Gespräch nicht informiert hat. Die Züchtervereinigung in Holland beklagt ebenfalls, dass ihre Bemühungen im Hinblick auf eine europäische Züchterprämie von keinem anderen der UET angeschlossenen Verband unterstützt worden ist.

Der 24 Punkte umfassende Rettungsplan der holländischen Züchtervereinigung ist zwar nachvollziehbar, nach Ansicht von Traber-News.com in dieser Form jedoch inakzeptabel. Er entspricht nicht dem Geist einer partnerschaftlichen Lösung des Problems. Hier träumt die holländische Züchtervereinigung von einem eigenen Weg aus der Krise, der so nicht möglich sein wird.

Sinnvoller wäre unseres Erachtens ein Zusammenschluss der mitteleuropäischen Traber-Zuchtverbände, eventuell sogar einschließlich osteuropäischer Verbände. Dies wäre ein erster Schritt zu einem gemeinsamen europäischen Zuchtbuch und würde zu einer Stärkung der sogenannten kleinen Traberzuchten Europas führen. Wenn nicht jetzt gehandelt wird, steht auch die deutsche Traberzucht in absehbarer Zeit vor denselben existenziellen Problemen.