In Pfarrkirchen steht Deutschlands älteste Trabrennbahn
vom 14.06.2017

(jg) – Im Jahre 1894 wurde den Aufzeichnungen nach der Bau einer Trabrennbahn in Pfarrkirchen beschlossen. Die ersten Rennen fanden am 17. und 18. Mai 1896 statt. Keine andere heute noch in Betrieb befindliche deutsche Trabrennbahn weist eine ältere Historie auf.

Das war Anlass genug, dem Pfingstmeeting der Rennbahn an der Rott in diesem Jahr einen Besuch abzustatten. Mehr als 3.000 Zuschauer säumten an beiden Pfingsttagen das 1000-Meter-Oval und sorgten für prickelnde Rennbahnatmosphäre. Sie erlebten spannenden Sport. Auch das nass kühle Wetter am Pfingstdienstag vermochte die gute Laune nicht verderben.

Blick auf die Rennbahn vom Gartlberg-Bogen

In Pfarrkirchen ist vieles anders. Die altehrwürdigen Tribünen sind offen. Obwohl der historische Zielrichterturm innerhalb der Bahn zwischenzeitlich durch einen neuen Stahlturm in die Tribüne integriert wurde, ist der ureigene Charme der Rennbahn deshalb nicht abhanden gekommen. Die Renntechnik und die Rennleitung sind in einer ehemaligen Residenz der bayerischen Könige untergebracht. Zum einzigartigen Charakter der Rennbahn zählt auch, dass die Rennleitung im zünftigen bayerischen Outfit auftritt.



Der neue Zielrichterturm

Die Trabrennbahn in Pfarrkirchen ist wegen einer fehlenden Flutlichtanlage und Sandbahn im Innenraum zwar als B-Bahn eingestuft, trotzdem war der gebotene Sport hochwertig. Mit dem seit 1904 gelaufenen Bayerischen Zuchtrennen um 20.000 Euro stand eines der ältesten deutschen Trabrennen auf dem Programm. Nur das Deutsche Traber-Derby, der Jugend-Preis und das Buddenbrock besitzen eine ältere Tradition. Die ehemals den dreijährigen Pferden vorbehaltene Zuchtprüfung wendet sich seit 2010 an die beste Klasse internationaler älterer Pferde.

Der 1894 gegründete Verein für Traber- und Warmblutzucht im Rottal betrieb, wie aus seinem Namen hervorgeht, ursprünglich auch Traberzucht. In Erinnerung an Peter Adam, den ersten Vorsitzenden des Pfarrkirchener Trabrennvereins und Landstallmeister am Königlichen Bayerischen Landgestüt Landshut, ist eine Straße nahe der Rennbahn benannt. Ihm gebührt die Ehre, durch den Erwerb amerikanischer Zuchthengste die Traberzucht in Bayern entscheidend gefördert zu haben. Das Peter Adam-Rennen in München-Daglfing war viele Jahre ein Zuchtrennen in Gedenken an diesen Mann.

In Erinnerung an Peter Adam

Ein Sohn der Gemeinde Pfarrkirchen ist Hans Roth, über Jahrzehnte einer der erfolgreichsten Berufsfahrer in Bayern. Sein Name findet man in den Siegerlisten vieler bayerischer Traditionsprüfungen. Seine Grabstätte liegt zu Fuße der Wallfahrtskirche auf dem Gartlberg.

Die Grabstätte von Hans Roth

Am Pfingstdienstag war Trainer-Legende Richard Haselbeck zugegen. Der bald 87jährige gewann mit Salesiana (1965), Ewalt (1971), Orissa (1977) und Onore (1979) für die rosa Farben des Gestüts Aschau viermal das Deutsche Traber-Derby. Dreimal saß Richard Haselbeck selber im Sulky, einmal zeichnete er als Trainer verantwortlich.

Traber-Legende Richard Haselbeck

Auch die heutige Generation von Sulkyfahrer in Pfarrkirchen hat ihre Meriten erworben. Die 104. Auflage des Bayerischen Zuchtrennens gewann die von Gerd Biendl trainierte und gesteuerte Celestial Light TK. Gerd Biendl gewann 1993 mit Speedy Harry und 2002 mit dem von seinem Bruder Heli trainierten Lets Go bereits zweimal das Deutsche Traber-Derby.

Obwohl sich das Gelände der Trabrennbahn Pfarrkirchen in städtischem Besitz befindet und sich die Stadt Pfarrkirchen unter der Leitung ihres jungen, engagierten Bürgermeisters Wolfgang Beißmann mit aller Kraft für den Erhalt des Pferdesports im Rottal einsetzt, sieht Hans Gillmaier die Zukunft der Rennbahn nicht als gesichert an. „Uns fehlen die Startpferde“, sagt der 2. Vorsitzende des Vereins. „Ohne unsere Gäste aus Österreich wäre unser zweitägiges Meeting schon heute in Gefahr.“