Mit dem Hambo beginnt der Traum von der Triple Crown
vom 27.07.2016

von Dean A. Hoffman

Im fortgeschrittenen Alter, nachdem er seine legendäre Karriere als Trainer und Fahrer im amerikanischen Trabrennsport beendet hatte, schickte mir Stanley Dancer ein Andenken.

Wenn man an Dancer und seine großen Erfolge denkt, fragt man sich gewiss, was er als seine größte Leistung ansah. Waren es die beiden aufeinanderfolgenden Siege 1961 und 1962 im Little Brown Jug für dreijährige Pacer, als er noch in seinen Mittdreißigern war?

War es sein erster Hambletonian-Sieg mit Nevele Pride 1968? Oder sein letzter Hambletonian-Sieg im Sulky von Duenna, weil ihm dieser letzte Sieg in seinem Heimatstaat New Jersey gelang? Nichts von alledem.

Was Stanley Dancer als seine größte Leistung nannte, war, dass er drei Triple-Crown-Sieger trainierte und fuhr. Nevele Pride (1968) und Super Bowl (1972) gewannen die Triple Crown der Traber, während Most Happy Fella (1970) die drei großen Rennen der Pacer für sich entschied. Kein anderer Sulkysportler in Nordamerika trainierte und fuhr mehr als einen Triple-Crown-Sieger. Dancer gewann drei Triple Crowns in fünf Jahren; er hatte in der Tat das Recht, stolz zu sein.



Nevele Pride 1968

Das war der Maßstab, mit dem Stanley Dancer auf dem Höhepunkt seiner Karriere die Schlagzeilen im Sulkysport beherrschte. Ein Pferd gesund und mit genügend Biss an den Start zu bringen, um die Besten seiner Generation in den Triple-Crown-Rennen zu schlagen, war das Gütesiegel eines großen Pferdemannes. Und Stanley Dancer war jeden Zentimeter ein großer Pferdemann.

Sein Erbe ist nächste Woche am offenkundigsten, wenn die Trabrenn-Sportwelt ungeduldig das Hambletonian erwartet, Amerikas größten Trabrenn-Klassiker, der am 6. August stattfinden wird. Dancer fuhr vier Hambletonian-Sieger und trainierte einen fünften. Ein bemerkenswerter Rekord, der nie wieder erreicht wurde.

Dancer gehörte auch zu den wenigen Fahrern, die das Hambletonian in drei verschiedenen Staaten bestritten. Dancers erst Fahrt im Hambletonian war 1953, als das große Ereignis im Good Time Park in Goshen, New York, ausgetragen wurde. Seinen ersten Hambletonian-Sieger fuhr er 1968 auf der Du Quoin State Fair in Illinois. Sein letzter Hambletonian-Sieger war 1983 in New Jersey die Stute Duenna.



Duenna 1983

Wird der Trabrennsport in diesem Jahr einen Triple-Crown-Sieger feiern? Das ist möglich aufgrund der Art und Weise, wie Southwind Frank seine Gegner zuletzt dominiert hat. Er wird mit einem Formenspiegel von 15 Siegen in 17 Lebensstarts in das Hambletonian gehen und scheint in Topform anzutreten.

Vor zwei Jahren ging Father Patrick mit 16 Siegen in 17 Lebensstarts ins Hambletonian, kam aber schon beim Start des Rennens aus dem Tritt. Er landete im geschlagenen Feld.

Stanley Dancer erfuhr 1965 am eigenen Leibe, dass „unbesiegbare“ Pferde im Hambletonian besiegt werden können. In jenem Jahr steuerte er Noble Victory, der von 27 Lebensstarts 26 gewonnen hatte. Noble Victory gewann keinen der drei Hambletonian-Heats, die er bestritt.



Bonefish 1975

Um die Triple Crown der Traber zu gewinnen, muss der Hambletonian-Sieger seine Form über mehrere Monate aufrechterhalten. Nach dem Hambletonian muss der Sieger seine Vielseitigkeit beweisen und im Yonkers Trot den zweimal zu umrundenden Kurs der Bahn in Yonkers bewältigen. Viele der erfahrenen Dreijährigen – auch Southwind Frank – sind bisher noch nicht auf einem Halb-Meilen-Oval gelaufen.

Die dritte Etappe wird Anfang Oktober in der Bluegrass-Region ausgetragen, wenn die besten Dreijährigen für das Kentucky Futurity zusammenkommen, das auf der Red Mile in Lexington bestritten wird. Das Futurity ist innerhalb des Trabrennsports die traditionsreichste Prüfung der Champions, es wurde 1893 erstmals ausgetragen.

Die Triple Crown der Traber mit dem Hambletonian, Yonkers Trot und Kentucky Futurity wurde Mitte der fünfziger Jahre ins Leben gerufen. Sie wurde als Gegenstück zur Triple Crown der Galopper entworfen. Sie ist selbst für die besten Traber kein Zuckerschlecken. Es ist eine wahre Prüfung der Meister - und deshalb wurde sie so selten gewonnen.

1955 offerierte Yonkers Raceway eine Rekord-Dotierung für dreijährige Traber im ersten Yonkers Futurity. Das Rennen wurde später in Yonkers Trot umbenannt. Die Dotierung 1955 in Höhe von 73.840 Dollar, das sind auf heutige Standards umgerechnet mehr als 656.000 Dollar, sorgte im Trabrennsport für eine Sensation. Nahezu sofort wurde das Yonkers Futurity mit dem Hambletonian und dem Kentucky Futurity zur Triple Crown verbunden.

Im selben Jahr führte Yonkers das William H. Cane Futurity zu Ehren des Rennbahn-Begründers ein, später umbenannt in Cane Pace. Als Roosevelt Raceway ein Jahr später 1956 mit dem Messenger Stake begann, wurden das Cane und der Messenger mit dem traditionellen Little Brown Jug zur Triple Crown der Pacer ausgerufen.

Die Triple Crowns waren so verlockend und lukrativ, dass sie sich als unwiderstehlich erwiesen. Scott Frost gewann 1955 die Triple Crown der Traber. Die sechziger Jahre sahen bei den Trabern ein Quartett von Triple-Crown-Siegern (Speed Scot 1963, Ayres 1964, Nevele Pride 1968 und Lindy’s Pride 1969).



Super Bowl 1972

1972 hatte Stanley Dancer seinen dritten Triple-Crown-Sieger, als er Super Bowl zum Sieg im Kentucky Futurity steuerte, und das obwohl Super Bowls Sulky in beiden Rennen einen Reifenschaden hatte. Dann klaffte bei den Trabern eine Lücke an Triple-Crown-Siegern bis Windsong’s Legacy 2004 siegte und Glidemaster 2006.

Vergangenes Jahr waren die amerikanischen Galopprennsportfans begeistert, als American Pharoah die Triple Crown gewann und damit den Pferderennsport für eine kurze Zeit in die Unterhaltungsmedien brachte.

Wird der Trabrennsport 2016 seinen neuesten Triple-Crown-Sieger begrüßen? Die große Herausforderung beginnt nun mit dem Hambletonian, und dann müssen wir bis Oktober bis zur letzten Etappe warten. Wenn sich die Champions auf der Bahn messen, lohnt sich das Warten immer.