Nachnennung – Ist das fair?
vom 30.03.2016

(jg) – Für alle gehobenen Rennen des Hamburger Trab-Zentrums (HTZ) besteht in diesem Jahr die Möglichkeit der Nachnennung. Das wurde am Wochenende erstmals offenkundig.

Manch einer war vielleicht überrascht, als zwei Teilnehmer am Schwarzer Steward-Rennen am Ostermontag in Hamburg in der Starterliste auftauchten, deren Namen man in der Nennungsliste des Rennens vergeblich suchte. Für Prince of Persia und Julietta hatten deren Eigentümer Ulrich Mommert bzw. das Gestüt Lasbek von der Möglichkeit der Nachnennung Gebrauch gemacht.

In der Ausschreibung sämtlicher gehobener Rennen in Hamburg ist in diesem Jahr erstmalig die Möglichkeit einer Nachnennung zu finden. Für einen Betrag, der dem dritten Platzgeld des Hauptlaufes entspricht, kann ein Pferd bei Starterangabe nachträglich eingeschrieben werden. Im Schwarzer Steward-Rennen betrug die Nachnennungsgebühr 1.875 Euro zzgl. Mwst., die für Prince of Persia und Julietta gefordert wurden.

Die Möglichkeit einer Nachnennung ist im Prinzip nichts Neues, ist aber im deutschen Trabrennsport unseres Wissens bislang nur für den Großen Preis von Deutschland möglich gewesen. Neu ist, dass diese Regelung jetzt für alle gehobenen Rennen in Hamburg gilt.

Der Vorteil einer Nachnennung liegt auf der Hand. Dem Rennveranstalter eröffnen sich alle Möglichkeiten, die aktuell besten Pferde zum Zeitpunkt des Rennens für sein Angebot zu interessieren. Größeren Rennställen bietet sich zudem der Vorteil, ihre Dispositionen erst am Tag X treffen zu können und sich eine Vielzahl von Nennungen zum 1. Einsatztermin zu sparen. Pferde, die sich vor Monaten vielleicht noch nicht angeboten haben oder über deren weitere Entwicklung Unsicherheit bestand, können mittels einer Nachnennung jederzeit am betreffenden Rennen teilnehmen.

Zum Walter Heitmann-Memorial im August z.B. hat der Stall Mommert acht Nennungen abgegeben. Angenommen, alle Nennungen werden bis zum Tag der Starterangabe aufrecht erhalten, würde das dem Stall Mommert teurer kommen als eine Nachnennung.

Weniger begeistert von der Möglichkeit einer Nachnennung sind wahrscheinlich diejenigen Pferdehalter, die zum 1. Einsatztermin eine Nennung abgegeben haben. Ihnen werden nachträglich aussichtsreiche Mitbewerber vor die Nase gesetzt, ohne in irgendeiner Weise davon zu profitieren. Und dann sind da noch die Pferdebesitzer, deren Pferde sich am Tag der Starterangabe als nicht einsatzfähig erweisen und deren Nenngeld verloren ist. Das sind erfahrungsgemäß mindestens 50 Prozent der Nennenden.

Traber-News.com ist der Meinung, dass die Möglichkeit der Nachnennung ein gefährliches Instrument darstellt, welches das bislang noch funktionierende System frühzeitiger Nennungen gefährdet. Ein Kompromiss wäre, wenn der nachgezahlte Einsatz in voller Höhe auf den Rennpreis zugeschlagen und die nachgenannten Pferde von der Erhöhung ausgeschlossen würden. Man stelle sich vor, die Mehrheit der Rennställe würde auf frühzeitige Nennungen verzichten und auf die Möglichkeit der Nachnennung spekulieren. Das würde das Ende der gehobenen Rennen in Deutschland bedeuten. Nicht zufällig sind Nachnennungen im internationalen Rennsport kein nennenswertes Thema.