Offener Brief Teil 2
vom 03.06.2016

Lagebericht
Wenn schon die Informationspolitik des HVT über das Jahr recht dürftig ist, so ist es verständlich, dass sich die Geschäftsführung genötigt sieht, den Lage- oder Jahresbericht ausführlicher zu gestalten.

Es war und bleibt Anregung, den Teil des Lageberichts, der sowieso schon vor der Versammlung als Jahresabschluss gedruckt vorliegt, den Mitgliedern vorab an die Hand zu geben.

Vorabinformationen erhöhen die Konzentration auf weitere Ausführungen, wie z.B. die von Heinz Tell benannte Rennwett- und Buchmachersteuer-Rückerstattung.

Zitat HVT: Die Möglichkeit, Fragen zu den angesprochenen Themenkomplexen zu stellen sowie Anregungen zu geben, bietet einen deutlichen Mehrwert, der von der Mehrheit der Mitglieder auch als solcher erkannt wird. Aus der genannten Begründung, dies nicht zu tun, kann man schlussfolgern, dass diesbezüglich dann eine ausführliche „Fragestunde“ oder „Fragerunde“ erfolgte.

Tatsache/Fakt ist aber:
Beim Lagebericht des Heinz Tell - Dauer bis ca. 14.25 Uhr - gab es nur drei kurze Ergänzungen und zwei Fragen von Mitgliedern. Die Hinweise bezogen sich auf den gemeinsamen Förderverein Trab und Galopp, die Terminierung von Rennen in Gelsenkirchen und auf die Thematik Pferde zur anstehenden Europameisterschaft. Ein Mitglied fragte nach der Höhe eines möglichen Steueraufkommens seitens der Buchmacher. Die zweite Frage kam von mir.

Betreffs zusätzlicher Rennen bei PMU-Lunch-Races traf Heinz Tell nämlich die Aussage, Zitat: Aber wir können nicht anweisen, sondern nur bitten. Daraufhin meine Frage, wieso es dann einen Streit mit dem Rennveranstalter Straubing geben könne? Antwort Tell: Herr Müller sie überspitzen – die Rennen wurden versagt, weil der HVT das Recht hat zu versagen, da die Genehmigung vom HVT zu erfolgen hat.

Aufgrund der Widersprüchlichkeit dieser Aussagen habe ich auf eine weitere, wahrscheinlich sinnlose Diskussion verzichtet. Soweit zum von Heinz Tell angeführten „Mehrwert“.

Besitzer im HVT
Hier wurden in der nach meiner Wahrnehmung „typisch Tell’schen Manier“ weit ausholend, u.a. das Tierzuchtgesetz und andere Regelungen und Hinweise angeführt und zitiert. Wohlgemerkt: Diese Ausführungen sind - allein für sich betrachtet - nicht falsch.

Aber sie gehen am tatsächlichen Sachverhalt und Fragestellung vorbei. Sie bedingen dadurch eventuell nur eine Irritierung der Leser oder führen auf „falsche Fährte“.

Tatsache/Fakt ist
1) Es widerspricht nicht dem Tierzuchtgesetz, wenn Besitzer Mitglieder im HVT werden. Hierfür bedarf es allerdings einer Satzungsänderung.

2) Es widerspricht nicht dem Tierzuchtgesetz, wenn Besitzer als Gäste an der Mitgliederversammlung zugelassen werden. Ein Rede- oder gar Stimmrecht muss damit nicht verbunden sein.

3) Die Zulassung von Gästen wird regelmäßig bereits im Vorfeld in der Einladung zur Mitgliederversammlung verweigert.

4) Im Einzelfall kann auf Antrag von Mitgliedern innerhalb der Mitgliederversammlung einer einzelnen Zulassung von Gästen zugestimmt werden. Die Gäste kommen aber gar nicht erst, da ihre Teilnahme im Vorfeld untersagt ist.

Drohender Verlust der Gemeinnützigkeit
Durch die Veröffentlichung auf www.mein-trabrennsport.de hat der HVT nun tatsächlich auch „Gäste“ über drohende steuerrechtliche Probleme genauer informiert.

Die Informationen auf jener Webseite sind zwar richtig, sie beziehen sich aber nur auf die bereits in der MV genannte Thematik der Umsatzsteuer, insbesondere 2012 betreffend.

Es wird nicht eingegangen auf die Bedrohungen und möglichen Konsequenzen, falls das Finanzamt sich durchsetzen sollte!

Und zwar auf die Problematik eines anstehenden Verlustes der Gemeinnützigkeit. Dies wurde nicht „entdeckt“, wie Heinz Tell behauptet, sondern, wie im Resümee beschrieben, von der Steuerberaterin mehr beiläufig erwähnt, aber nicht näher erläutert.

Die damit verbundenen Gefahren werden offensichtlich verdrängt oder aber bedeckt gehalten. Wie sonst ist es zu erklären, dass in der HVT-Einlassung darauf nicht genau so ausführlich eingegangen wird, wie auf die im Vergleich dazu geringe Umsatzsteuer-Problematik eines einzelnen Jahres 2012?

Tatsache/Fakt ist

1) Es würden weitere Nachzahlungen für 2013 - 2015 erfolgen müssen.
2) Bei einem Verlust der Gemeinnützigkeit wird vermutlich eine drohende Insolvenz zu prüfen sein.

Das Thema Zuchtfonds und Dopingproben ist in diesem Zusammenhang auch von Bedeutung.

Zitat HVT: "Gelder aus dem Zuchtfonds... werden zur Förderung der Traberzucht verwendet. Dazu gehört auch die Durchführung von Dopingproben... Eine Verhinderung von Doping stellt somit zweifelsfrei eine der Reinheit der Leistungsprüfung dienende Maßnahme dar - die Leistungsprüfung ist essentieller Bestandteil der Zucht!"

Immer seine gleiche - sowieso schon umstrittene - Position zu vertreten, wird vielleicht nicht ausreichen. Das Finanzamt sieht das anscheinend anders. Die Verwendung des Zuchtfonds zur Dopingbekämpfung wird dort nicht dem Bereich Zucht zugeordnet.

Vorlage des Jahresabschlusses
Mit Erstaunen musste ich zu Beginn der Versammlung zur Kenntnis nehmen, dass lediglich ein einziges Exemplar des Jahresabschlusses zur Einsichtnahme für die Vielzahl der Mitglieder bereit gehalten wurde.

Zwar kann man argumentieren, dass erfahrungsgemäß sowieso nur maximal ca. 30 Mitglieder anwesend sein würden. Trotzdem bin ich immer von mehreren Exemplaren ausgegangen. Das wäre auch notwendig und normal.

Es ist korrekt, dass nach erfolgter Einsichtnahme der Jahresabschluss von mir in den Versammlungsraum mitgenommen wurde. Sollte hierin etwas Unrechtes zu sehen sein?

Das Selbstverständnis des HVT bzw. der Geschäftsführung mag diesbezüglich ein anderes sein. Wurde ich doch tatsächlich bei der Aushändigung des Jahresabschlusses von Heinz Tell darauf aufmerksam gemacht, dass ich keinerlei Fotoaufnahmen machen dürfte! Man sträubt sich unwillkürlich, diesen Sachverhalt zu Ende zu denken.

Die Mitnahme des Jahresabschlusses in den Versammlungsraum habe ich übrigens kommuniziert. Nachdem mir Frau Hoever die „Einzigartigkeit“ des Exemplars mitgeteilt hatte, habe ich ihr den Jahresabschluss zur weiteren Verwendung übergeben.

Noch etwas zum „Aufpasser“: Ich habe bewusst weder Geschlecht noch Namen genannt. Diese Peinlichkeit erledigte nun die Geschäftsführung selber.

Anzunehmen, dass eine Beaufsichtigung als solche nicht bemerkt wird, wenn eine weitere Person ca. 1,5 Stunden ohne andere Beschäftigung in einem ansonsten personenleeren Raum daneben sitzt, das stellt schon eine Beleidigung menschlicher Intelligenz dar. Und der Vorgang als solcher ist doch ziemlich aufschlussreich.

BC und Wertpapiergeschäfte / Aktien
Die Überprüfung soll angeblich ergeben haben, dass keine Aktiengeschäfte getätigt wurden. Dennoch ist auffällig, dass Dividenden gezahlt wurden.

Beachtlich dabei: Dividenden werden auf Aktien gezahlt. Auf andere Wertpapiere Zinsen.

Solange also obige Aussage zur Überprüfung nicht konkret belegt ist, gehe ich nach wie vor davon aus, dass u.a. in Aktienfonds investiert wurde, diese in Depots gehalten und dann auch teilweise und/oder gänzlich wieder verkauft wurden.

Werden derartige An- und Verkäufe von der Geschäftsführung und/oder Präsidium nicht als „Aktiengeschäfte“ gewertet?

Die tatsächliche Höhe und den Verbleib der Dividenden festzustellen, ist auch eine bisher nicht erledigte Aufgabe des Präsidiums und von den Rechnungsprüfern zu prüfen.

Es finden nach meiner Wahrnehmung versteckte Rückzugsgefechte statt:

Vom offensichtlich beauftragten Verwalter der Gelder - Herrn Gutsche – wurde anfangs davon gesprochen, dass BC-Gelder mündelsicher angelegt wurden. Dies ist eine gesetzlich definierte Geldanlageform und absolut nicht zu beanstanden.

Es fällt aber auf, dass jetzt nur noch von adäquaten Anlagen gesprochen wird, also nicht mehr „mündelsicher“.

Wenn aber tatsächlich nicht in Aktien/Aktienfonds investiert wurde, sondern in zitierten sicheren Wertanlagen der Risikoklasse 1, ist das nach meiner Meinung vermutlich auch in Ordnung.

Nicht in Ordnung ist, dass Präsidium und Geschäftsführung zum erforderlichen Zeitpunkt keinerlei Wissen um den Sachverhalt hatten und keine Auskunft über die Behandlung von BC-Geldern im siebenstelligen Bereich geben konnten!

Weitere Fragen
Zitat HVT: Zu keinem Zeitpunkt wurden mit den treuhänderisch verwalteten Breeders Crown-Geldern Aktiengeschäfte getätigt oder gar „spekuliert“. Die ZVS hat nie eine Aktie besessen.

Eine Spekulation wurde nie angesprochen. Es wurde auch nirgendwo behauptet, dass die ZVS Aktiengeschäfte getätigt hat.

Die HVT-Aussagen lassen dann aber die Vermutung zu, dass nicht der HVT sondern die ZVS die BC-Gelder treuhänderisch verwaltet.

Dies ist nicht satzungkonform und bedürfte eines schriftlichen Auftrages durch den HVT sowie einer Treuhandvereinbarung zwischen HVT und ZVS. Ob beides tatsächlich vorliegt - und seit wann - ist abzuwarten und bleibt einer Rechnungsprüfung vorbehalten.

Zitat HVT: Weder mit dem Treuhandvermögen „Breeders Crown“ noch mit dem weiteren „Treuhandvermögen TRS“ – die Vermögen sind separiert – sind vom 1.7. 2005 bis heute (ZVS) jemals Aktiengeschäfte getätigt worden.

Hieraus ergibt sich die nächste Fragestellung, ob neben der von Geschäftsführung und Präsidium abgesegneten horrend hohen Vergütung für die TRS-Tätigkeit der ZVS - von den Rechnungsprüfern wurden ca. 190 Tsd. Euro gerügt - noch eine weitere Vergütung in „adäquater“ Höhe für die Verwaltung der BC-Gelder anfällt?

Auch dieses Vertragsverhältnis wird dann sicherlich endlich einmal von den Rechnungsprüfern in Augenschein genommen werden.

Zu begrüßen wäre es, wenn es stimmt, dass sich das Aufsicht führende Ministerium schon vor einiger Zeit beim HVT angemeldet hat, um einige aufgelaufene „Unstimmigkeiten“ zu erörtern.

gez. Immo Müller

Teil 3 des Offenen Briefes wird Traber-News.com nächste Woche veröffentlichen.