Petrus ist Hooksieler!
vom 17.08.2017

(jg) – Seit 1982 veranstaltet der zwischen Jever und Wilhelmshaven gelegene Hooksieler Rennverein Pferderennen. Am vergangenen Sonntag durfte Bilanz für die Rennsaison 2017 gezogen werden.

Die 111. Rennveranstaltung des 1981 gegründeten Rennvereins stimmte den neuen Vereinsvorsitzenden Immo Müller froh. Erst in diesem Jahr hat er das Ruder von Gründungsmitglied Günter Lühring übernommen, dem zusammen mit Lebensgefährtin Angelika für 35 Jahre selbstlosen Einsatz gedankt wurde.

„Als wir 1982 begannen, in Hooksiel Trabrennen zu veranstalten, hatten wir lediglich eine grüne Wiese,“ erinnert sich Günter Lühring. „Kein Leitungswasser, kein elektrischer Strom, keine Drainage. Alles musste im laufe der Jahre in Eigenleistung mühsam mit eigenen Mitteln aufgebaut werden. Finanzielle Hilfen von fremder Seite hat es nie gegeben. Trotzdem ist der Verein schuldenfrei.“

Heute braucht sich die Jade-Rennbahn in Bezug auf ihre moderne technische Ausstattung vor keiner anderen Trabrennbahn in Deutschland zu verstecken. Der Elektronen-Toto ist mittlerweile eine Selbstverständlichkeit, und eine hoch moderne Satelliten-Technik ermöglicht Rennübertragungen in die ganze Welt. Auf YouTube verfolgten am Sonntag zahlreiche Zuschauer aus Deutschland, Holland, Österreich und sogar Saudi-Arabien die Rennen in Hooksiel live.

Besonders stolz sind die Hooksieler auf die Drainage ihres Geläufs. Selbst schwere Regenschauer können der Jade-Rennbahn nichts anhaben. „Unser Geläuf hält jedem Regenguss stand,“ verkündet Günter Lühring, „nur ein Deichbruch könnte unsere Bahn unter Wasser setzen.“

Die Bedeutung der ländlichen Rennbahnen als Werbeträger für den Pferderennsport sind nicht hoch genug zu würdigen. Die attraktiven Hooksieler Rennveranstaltungen bilden für Urlauber und Einheimische eine willkommene Abwechslung vom alltäglichen Geschehen.

Die Akzeptanz der Hooksieler Renntage ist bemerkenswert. Auf drei Rennveranstaltungen in diesem Jahr im knapp 2.000 Einwohner großen Hooksiel wurden rund 165.000 Euro gewettet. Davon fast 90.000 Euro auf der Bahn. Der Durchschnittsumsatz pro Rennen vor Ort betrug 3.741 Euro. Das wird auf den großen Rennbahnen nur von Berlin-Mariendorf übertroffen.

So bescherte der letzte Renntag dem rührigen Rennverein ein vor Ort Umsatzergebnis, das um 45 Prozent über dem Wettumsatz der zeitgleich ausgetragenen Rennen in Mönchengladbach lag. Auch die Rennbahn der Millionen-Metropole München konnte da nicht mithalten. Der Bahn-Wettumsatz in München-Daglfing hinkte den Hooksieler Wettumsätzen um 23 Prozent hinterher. Das muss man sich einmal vorstellen! Das sollte den Vermarktern des deutschen Pferderennsports doch zu denken geben.

Aber die Verantwortlichen in Hooksiel und die anderer ländlicher Rennveranstalter sind Realisten. Sie wissen, dass die Bäume nicht in den Himmel wachsen. Doch etwas mehr Anerkennung und Respekt für ihre aufopferungsvolle Arbeit wünschen sie sich schon. Zu viele Knüppel werden den sogenannten „Kleinen“ hin und wieder zwischen die Beine geworfen.

Für die ländlichen Rennveranstalter ist die Wetterlage immer ein spannendes Thema. Vereinspräsident Immo Müller war froh, dass Petrus in diesem Jahr Hooksieler war. „Wir müssen bei allem Optimismus auch immer ein gewisses Wetterrisiko einkalkulieren. In diesem Jahr lief alles bestens. Alle drei Veranstaltungen endeten im Plus. Die erwirtschafteten Reserven legen wir zurück für das nächste Jahr.“

Das spannendste Finish am letzten Renntag des Jahres in Hooksiel erlebten 4.000 Zuschauer im Pony-Rennen. Zwei absolut gleichwertige Ponys stürmten Kopf an Kopf den Hooksieler Einlauf hinunter. Im Ziel war die 135 cm große Pony-Stute Wind in her hair der 136 cm großen Wake me up um einen kurzen Kopf voraus. Den Spruch des Tages lieferte hier Günter Lühring ab. Der nur 86 cm große Rambo, kleinster Teilnehmer im Feld der Ponys, hatte sich unterwegs seiner Reiterin entledigt und wurde von Günter Lühring mit launigen Worten als „fliegender Maulwurf“ bezeichnet.

Die erfolgreichsten Aktiven der Hooksieler Rennsaison 2017 waren eine Dame und ein junger Holländer. Die einheimische Katie Beer gewann acht und Niels Jongejans sieben Rennen. Erfolgreichster Vierbeiner war Anja Mismahls achtjähriger Wallach Irrwisch, dem an drei Renntagen vier Siege gelangen.