Derby auf Mallorca
vom 04.06.2017

(jg) – Bereits zum 83. Mal gelangte in diesem Jahr auf der Rennbahn Son Pardo (Mallorca) der mit stolzen 100.000 Euro dotierte Gran Premi Nacional für dreijährige spanische Traber zur Austragung. Es ist das höchst dotierte Jahrgangsrennen Spaniens.

Mutter des Derbysiegers aus deutscher Zucht
Wer einen Blick in die Annalen dieses Traditionsrennens wirft, dem fällt viermal der Name Uli Schnieder als Siegfahrer ins Auge. Der ehemals erfolgreich in Berlin und Westdeutschland tätige Berufsfahrer war bislang die einzige deutsche Komponente in der Siegerliste des Gran Premi Nacional. Mit der diesjährigen Derby-Siegerin Esperanca Mar ist nun zum ersten Mal auch die deutsche Traberzucht auf den Ballearen ins Rampenlicht gerückt.

Esperanca Mar ist nämlich eine Tochter der im deutschen Gestütsbuch registrierten Tracey Boko, die von dem französischen Championvererber Coktail Jet aus der Amerikanerin J.J.’s Miracle stammt. J.J.’s Miracle hat den Jahrhundert-Vererber Speedy Crown zum Vater und wurde von dem Belgier Jos Hayen, Darby Farm, aus Amerika importiert. Nach dem Tod Hayens gelangte J.J.’s Miracle in den Besitz des holländischen Boko Stables und wurde 2001 mit besagter Tracey Boko bei Fuß nach Deutschland eingeführt.

Tracey Boko bestritt in Deutschland nur fünf Rennen ohne jeglichen Geldgewinn. Dabei kann die Stute nicht untalentiert gewesen sein, denn ihr Reifezeugnis legte sie bereits zweijährig im Juli in 1:19,0 ab. Sie startete u.a. im Rheinischen Zukunfts-Preis und im Bayerischen Jugend-Preis. Robbert Feenstra, Arnold Mollemas Schwiegervater, war bis zu ihrer Ausreise nach Spanien ihr Eigentümer.

2006 wurde Tracey Boko noch zweimal erfolglos in Manacor gestartet und im selben Jahr von dem amerikanischen Hengst Royal Pine gedeckt. Ihr zweites Produkt, Un Queprixet Mar v. Laramie, gewann auf Mallorca bereits mehrere PMU-Rennen und weist ein Gewinnkonto von derzeit über 31.000 Euro auf. Noch besser ist ihr dritter Nachkomme eingeschlagen, der Ata Star L.-Sohn Venenos Mar. Dieser Hengst gewann bislang 23 seiner 63 Rennen, und sein Gewinnkonto beläuft sich auf mehr als 42.000 Euro.

Esperanca Bar, die aktuelle Derby-Siegerin des spanischen Trabrennsports, ist das zweite weibliche Produkt ihrer Mutter und mit über 50.000 Euro Gewinne nun die erfolgreichste Vertreterin aus dem Rennstall der Pena Bonanza. Die Stute stammt von Toss Out, der als Rennpferd einst in deutschem Besitz stand. Mit Furios Mar v. Varenne und Ganga Mar v. Zola Boko stehen ein zweijähriger Hengst und eine Jährlingsstute aus der Tracey Boko für kommende Aufgaben parat.

Ist das auf Mallorca?
Im Zusammenhang mit meinem Besuch der Mallorquinischen Rennbahn Son Pardo musste ich feststellen, dass der Trabrennsport auf Mallorca, ähnlich wie in Deutschland, ganz offensichtlich ein Schattendasein führt. Eine Dame im örtlichen Touristenbüro schaute mich auf meine Frage, wie ich am besten zur Rennbahn Son Pardo gelangen würde, ratlos an. „Ist das auf Mallorca?“, war ihre ungläubige Nachfrage. Das Internet wusste allerdings Rat und lieferte die gewünschte Antwort.

Die Rennbahn liegt am nordöstlichen Stadtrand von Palma de Mallorca und ist mit der Buslinie 11 zu erreichen. Der Fußweg zu und von der Rennbahn ist allerdings gewöhnungsbedürftig. Ich glaube kaum, dass außer mir noch jemand auf die Idee gekommen ist, die Rennbahn ohne eigenes Auto zu erreichen. Auf dem Heimweg musste ich für ein Taxi einen längeren Fußmarsch in Kauf nehmen.

Die Trabrennen auf dem 1000-Meter-Oval in Son Pardo werden in erster Linie durch PMU finanziert. Ohne PMU würde es in Spanien wohl keinen Trabrennsport mehr geben. Die PMU-Rennen auf Mallorca weisen eine höhere Dotierung als in Deutschland auf, während die übrigen Rennen ein Preisniveau wie in Gelsenkirchen, Mönchengladbach oder München-Daglfing besitzen. Die Wettumsätze hier sind sehr bescheiden. Sie spielen fast keine Rolle. Die Dreierwetten besaßen am Derby-Tag eine Garantieausschüttung zwischen 200 und 500 Euro.

Trotzdem besitzt der spanische Traberverband innerhalb der UET eine höhere Einstufung (Gruppe 2) als beispielsweise Österreich und Holland (Gruppe 3). Ca. 200 Traberfohlen werden jährlich in Spanien geboren und ca. 1.500 Rennen finden hier statt, die meisten auf Mallorca, Ibiza und Menorca. Mehr als in Holland und Österreich zusammen.

Blick auf die Tribüne

Champion Antonio Frontera gewinnt im Rahmenprogramm