Trabrennsport in Deutschland vor 50 Jahren
vom 12.06.2018

Zahlen und Fakten aus der Jahresstatistik des deutschen Trabrennsports von 1968

(jg) – Die meisten Leser von Traber-News.com werden die alten Zeiten von vor 50 Jahren wohl nicht in Erinnerung haben. Fast alles hat sich verändert.

Rennveranstalter
Die Jahresstatistik 1968 listet 15 Rennveranstalter mit insgesamt 612 Renntagen (2017: 179) und 6.497 Rennen (2017: 1.581) auf. An Rennpreisen wurden umgerechnet 9.617.526 Euro ausgeschüttet (2017: 5.670.942), des Weiteren 2036 Ehrenpreise und 961.752 Euro Züchterprämien.

Die veranstaltenden Rennvereine 1968 im einzelnen:

Berlin-Mariendorf 89 Renntage 948 Rennen
München-Daglfing 82 Renntage 863 Rennen
Gelsenkirchen 80 Renntage 896 Rennen
Recklinghausen 64 Renntage 731 Rennen
Mönchengladbach 57 Renntage 655 Rennen
Dinslaken 51 Renntage 598 Rennen
Hamburg-Farmsen 51 Renntage 576 Rennen
Hamburg-Bahrenfeld 48 Renntage 556 Rennen
Straubing 44 Renntage 433 Rennen
München-Riem 23 Renntage 60 Rennen
Elmshorn 12 Renntage 96 Rennen
Regensburg 6 Renntage 53 Rennen
Pfarrkirchen 3 Renntage 24 Rennen
Mühldorf 1 Renntag 6 Rennen
Köln-Weidenpesch 1 Renntag 2 Rennen

Die Gesamtzahl der gestarteten Pferde betrug 3.852 (2017: 2.234). Die Aufgliederung nach Jahrgängen im Vergleich zu heute:

Zweijährige 339 53
Dreijährige 723 310
Vierjährige 764 433
Fünfjährige 721 383
Sechsjährige 546 337
Siebenjährige 385 271
Achtjährige 182 193
Neunjährige 109 123
Zehnjährige 64 69
Ältere Pferde 39 62
Gesamt 3.852 2.234

Auffällig ist eine deutliche Verschiebung der Altersstruktur der im heutigen Trabrennsport in Deutschland startenden Pferde. Obwohl im vergangenen Jahr in Deutschland 42 Prozent weniger Pferde gestartet sind als 1968, hat sich die Anzahl der Pferde ab achtjährig und älter in absoluten Zahlen erhöht. Am Sonntag in Berlin stellt sich sogar eine zehnjährige bislang glücklose Stute ohne Geldgewinn dem Rennbahnpublikum vor. Da wünscht sich manch einer französische Normen herbei.

Trainer
Champion der Trainer war 1968 Eddy Freundt mit 354 Jahressiegen. Auf den Rängen zwei und drei folgten Horst Bandemer mit 294 Siegen und Willi Rode mit 275. Willi Rode besitzt auch 50 Jahre später noch eine gültige Trainerlizenz. Ebenso Klaus Detlefs und Heinz Kuhsträter.

Berufsfahrer
Mit 274 Siegen gehörte der Goldhelm Eddy Freundt. Den Silber- und Bronzehelm trugen Willi Rode mit 212 und Horst Bandemer mit 205 Jahreserfolgen. Klaus Detlefs, Ekkehard Drees, Klaus Horn, Fred König, Heinz Kuhsträter und Heinz Wewering waren sowohl 1968 als auch 2017 als Berufsfahrer tätig. Peter Heitmann, Siegfried Huber und Henning Rathjen besaßen 1968 eine Lehrlingsfahrer-Lizenz.

Amateurfahrer
Der Champion der Amateure hieß 1968 Franz Schreyer. Seine Ausbeute betrug 57 Jahressiege, ein Sieg mehr als Manfred Breithor. Unter den weiteren Siegern des Jahres 1968 finden wir mit Heinrich Gentz, Hinrich Heitmann und Hans Meyer drei Amateure, die auch 2017 noch die Fahrleine in die Hand genommen haben.

Pferde
Schnellster deutscher Traber des Jahres 1968 war der Berliner Traber John mit einer Kilometerzeit von 1:17,6 (2017: Jairo und Gilda Newport 1:10,4). Mit anderen Worten, die schnellsten Traber des Jahres 2017 wären in der Lage gewesen - ohne Berücksichtigung neuerer Technik - dem schnellsten Traber von 1968 ca. 180 Meter Vorgabe zu leisten.

An der Spitze der gewinnreichsten Traber stand Derby-Sieger Manzanares mit 83.851 Euro Jahresgewinne (2017: Tsunami Diamant 146.904 Euro). Nur vier Traber gewannen 1968 mehr als 100.000 DM (51.129 Euro). 2017 waren es fünf. Die Verdienstmöglichkeiten der Traber vor 50 Jahren waren also deutlich geringer als heute.

Champion der Vaterpferde war Permit, dessen Nachkommen 509.550 Euro gewannen.

Züchter
Als erfolgreichster Züchter des Jahres 1968 wurde Walter Heitmann gekürt, dessen 59 Zuchtprodukte auf 292.208 Euro Gewinne kamen. Ausländische Pferde verdienten in jenem Jahr auf deutschen Rennbahnen 285.242 Euro. Im Gegensatz zu damals fließen die meisten Züchterprämien heute in den „Zuchtfonds“. Ein Züchter ohne Pferde.

Sonstiges
86 Zuchtrennen weist die Jahresstatistik 1968 auf. Eine entsprechende Auflistung für 2017 oder vorangegangener Jahre im deutschen Trabrennsport sucht man vergeblich. Genauso selbstverständlich war es damals, eine Liste aller 1.060 geborenen Fohlen und der bedeckten Stuten zu veröffentlichen. Auch güste oder eingegangene Stuten gehörten dazu. Alles selbstverständliche Dinge einer ordnungsgemäßen und transparenten Zuchtbuchführung.