Überschreitet der HVT seine Kompetenz zum Nachteil der Traberzucht?
vom 05.04.2016

(jg) – Zu dieser Ansicht gelangt der Zucht- und Trabrennverein Straubing, dessen Bestrebungen, am 9. April in Straubing mehr als vier Rennen auszutragen, vom HVT verhindert worden sind.

Die Vorgeschichte
Dem Zucht- und Trabrennverein Straubing war am 26. November, auf der Terminvergabesitzung der deutschen Trabrennvereine in Berlin, ein sogenannter PMU-Renntag zur Mittagszeit für den 9. April 2016 zugesprochen worden. Des weiteren soll zwischen dem HVT-Präsidenten Heinz Tell und den an der Sitzung teilgenommenen Vertretern der Rennvereine Einvernehmlichkeit bestanden haben, dass an PMU-Renntagen zur Mittagszeit, den Lunch Races, nur maximal vier Rennen genehmigt werden.

Dies haben einige Teilnehmer des Zusammentreffens vom 26. November offensichtlich anders in Erinnerung. Sie sind der Ansicht, dass ein grundsätzlicher Verzicht auf zusätzliche Rennen im Rahmen von Lunch-Race-Veranstaltungen nicht getroffen wurde. Nach Auffassung der Mehrheit der Rennvereine können im übrigen nur die Rennveranstalter selbst, in gegenseitigem Einvernehmen und auf freiwilliger Basis, Absprachen und Vereinbarungen hinsichtlich der Anzahl von Rennen treffen. Für den bayerischen Trabrennsport ist dies an drei von sechs Lunch-Race-Terminen auch so geplant. Vorgaben seitens der französischen Partner PMU und Le Trot, dass nur vier Rennen an Lunch-Race-Terminen stattfinden dürfen, gäbe es nicht.

Der Anlaß
Zum großen Knall ist es gekommen, als der HVT dem Rennveranstalter in Straubing für seinen Renntag am 9. April ein Beiprogramm zu den Lunch Races untersagte. Die Vorgabe aus Berlin lautete knallhart, die Ausschreibungen dürfen maximal sechs Rennen umfassen, von denen vier zur Austragung gelangen dürfen. Für die Aktiven in Bayern stellt die Entscheidung des HVT durchaus ein Problem dar. Der Terminkalender für den bayerischen Trabrennsport sieht für den Zeitraum 9. April bis 4. Mai nun folgende Rennveranstaltungen vor:

9. April – Straubing – 4 Rennen (PMU)
20. April – München – 4 Rennen (PMU)
24. April – München – voraussichtlich 11 Rennen
4. Mai – Straubing – 4 Rennen (PMU)

Über einen Zeitraum von dreieinhalb Wochen werden in Bayern zwar vier Rennveranstaltungen stattfinden, aber voraussichtlich nur 23 Rennen, u.a. lediglich ein Amateurfahren. Und das in einer saisonalen Phase, wo erfahrungsgemäß viele junge Pferde ihre Rennkarrieren beginnen und auf das gehobene Rennprogramm vorbereitet werden sollen.

Dem HVT geht es mit seinem Verbot allein darum, dass die PMU-Rennen ausreichend besetzt sind. Der Verband befürchtet, dass zusätzliche minder dotierte Rennen sich nachteilig auf die Besetzung der Lunch Races auswirken könnten.

Fakt ist, dass am 9. Januar in München-Daglfing vier PMU-Lunch Races stattgefunden haben und zusätzlich zwei weitere Rennen außerhalb der PMU-Übertragung. Dasselbe Szenario wiederholte sich eine Woche später am 16. Januar. Erneut präsentierte der Veranstalter in München vier PMU-Rennen plus zwei weitere Rennen ohne PMU. Sämtliche Rennen wurden vom HVT genehmigt.

Obwohl am 9. als auch am 16. Januar einige PMU-Rennen zahlenmäßig unterdurchschnittlich besetzt waren, ergab sich trotzdem ein überdurchschnittlicher Wettumsatz in Frankreich. Der Renntag am 16. Januar z.B. ergab ein um ca. 20 Prozent besseres Umsatzergebnis als die darauffolgende Lunch-Race-Veranstaltung eine Woche später in Berlin-Mariendorf.

Jetzt wird es schmutzig
Als Konsequenz aus dem Theater um den Renntag am 9. April hat der HVT dem Rennverein in Straubing den auf der Terminvergabesitzung zugesicherten PMU-Renntag am 27. August 2016 kurzfristig entzogen. Was nicht nur den Straubingern sauer aufstößt ist, dass der HVT die Straubinger Ex-PMU-Veranstaltung zu Gunsten der Hausbahn nach Mariendorf vergeben hat, mit dem Vermerk vier PMU-Rennen + Rahmenrennen!!! Angeblich nach einem Präsidiumsbeschluss. Die zu erwartenden obligatorischen Transportkostenzuschüsse aus Berlin für bayerische Gäste würden der Posse nur die Krone aufsetzen. Da verwundert es nicht, dass man in Straubing Willkür zu Lasten bayerischer Besitzer, Aktive und Rennvereine wittert. So etwas nennt man Klüngel.

Apropos Präsidiumsbeschluss. Nicht nur der Rennverein in Straubing, immerhin Mitgliedsverein im HVT, beklagt, dass er keine Kenntnis besitzt, ob und wann in den letzten Monaten Präsidiumssitzungen stattgefunden haben. HVT-Präsidiumsprotokolle sind seit zehn Monaten nicht mehr veröffentlicht worden, obwohl dies lt. Satzung innerhalb von vier Wochen zu geschehen hat (Satzung §17 Abs. 6).

Die Grundsatzfrage
Der Rennverein in Straubing und viele bayerische Trainer und Besitzer sehen sich vom HVT bevormundet und getäuscht. Es geht um die Grundsatzfrage, darf der HVT einem Rennveranstalter vorschreiben, wie viele Rennen er maximal oder mindestens durchführen darf? Hierzu sagt die Trabrennordnung:

§ 3 Aufgaben des HVT
Absatz 2: Insbesondere obliegen dem HVT folgende Aufgaben:
d) Genehmigung der Ausschreibungen der Rennen.

Absatz 4: Die Genehmigung von Rennen und deren Termine kann von der Erfüllung von Bedingungen und Auflagen abhängig gemacht werden. Die Genehmigung wird insbesondere nur dann erteilt, wenn:
a) die Ausschreibungen zur Förderung des Zuchtziels geeignet sind;
b) die fristgerechte Auszahlung von Rennpreisen und Züchterprämien gesichert ist.

Der Rennverein in Straubing argumentiert, dass schon die Beschränkung der Ausschreibung auf eine maximale Anzahl von Rennen eine Einmischung des HVT in ureigene Belange der Rennvereine darstellt. Der Zuchtverband greift in die wirtschaftliche Verantwortung eines Renntages ein. Unter Berücksichtigung der zuvor zitierten Trabrennordnung ist nicht erkennbar, auf welcher Grundlage der Verband die Tätigkeit eines Rennvereins einschränken darf, wenn die Ausschreibungen den normalen Vorgaben der Trabrennordnung entsprechen.

Es ist im übrigen nicht das erste Mal, dass der Zuchtverband die Abhaltung von Leistungsprüfungen einschränkt, behindert oder sogar verhindert. Zu Recht verweist der Rennverein in Straubing auf einen erst wenige Wochen zurückliegenden Fall, wo der HVT Freunden Sondergenehmigungen gewährt hat, die er anderen verweigert. So durften z.B., entgegen den allgemeinen Bestimmungen für PMU-Rennen, am 23. Januar 2016 in Mariendorf mehrere Pferde starten, die zwischen Starterangabe und PMU-Renntag auch in der Starterliste der Rennveranstaltung in Berlin-Mariendorf am 20. Januar standen.