Und so was nennt sich Zuchtbuchführung (Teil III)
vom 11.05.2016

(jg) – Vergangene Woche erhielten wir die Anfrage eines Wissbegierigen aus dem Ausland: „Deckt Daguet Rapide jetzt in Deutschland, nachdem Gestüt Westerau als Besitzer vermerkt ist?“

Wer unter www.hvt.de das Pferd Daguet Rapide eingibt, erlebt eine Überraschung. Dort steht tatsächlich das Gestüt Westerau als Besitzer des Pferdes gelistet. Auch Ganymede ist jetzt im Besitz der norddeutschen Zuchtstätte. Wer nach Coktail Jet sucht, liest als Besitzer des Hengstes „Biederman Inter. Sta..“, was wahrscheinkich Biderman International Stallion Service AB bedeuten soll. Die Anteilseigner von Daguet Rapide ließen Traber-News.com wissen, dass der HVT-Eintrag nonsens ist.

Beim Durchstöbern der HVT-Datenbank stießen wir auf die Stute „Delores King“, die immerhin bereits mit drei Nachkommen verzeichnet steht (Nachkommen 2011, 2013, 2015). Obwohl die Stute einen Rekord von 1:12,5 besitzt, führt der HVT sie als rekordlos. Ihre Eltern Armbro Goal und Signora Jet sind ohne Nationalität. So sieht Zuchtbuchführung beim Hauptverband für Traberzucht e.V. im Zeitalter des Internets aus. Grauenvoll!

Irgendwann muss die Schonzeit für die als Teilzeit beschäftigte Zuchtleiterin ein Ende haben. Trägt überhaupt jemand Verantwortung? Wir sind gespannt, ob die Zuchtleiterin am Samstag zur Mitgliederversammlung des HVT in Berlin anwesend sein wird. Das wäre ein Novum.

Wer sicherlich anwesend sein wird ist der HVT-Rechtsberater aus München. Diese Handhabung ist eingeführt worden, seit der amtierende Präsident den Vorsitz führt. War einst undenkbar. Dabei hat der HVT in seiner Einladung unmissverständlich zu verstehen gegeben: „Gäste und Presse sind nicht zugelassen“.

Der Rechtsberater aus München ist eindeutig kein HVT-Mitglied. Er ist Gast, obwohl er exponiert an der Seite des Präsidiums zu sitzen pflegt. Für einen Kostenaufwand von jährlich 50.000 Euro könnte der HVT auch einen eigenen Rechtsberater einstellen.

Übrigens gibt es mehrere fachliche Kommentare (Sauter, Schweyer, Waldner) die besagen, dass die Anwesenheit auch einer fachkundigen Person nur gestattet ist, wenn eine zur Beschlussfassung anstehende Angelegenheit so kompliziert und von so weitreichender Bedeutung ist, dass eine fachkundige Beratung in der Versammlung notwendig ist. Davon ist in der Tagesordnung am 14. Mai nichts zu entdecken.