Und sowas nennt sich Zuchtbuchführung?
vom 30.03.2016

(jg) – Wer sich ein wenig mit der Datenbank und den Serviceleistungen des HVT beschäftigt, der könnte sich die Haare raufen.

Traber-News.com hat mittels Stichproben festgestellt, dass in mindestens 38 Fällen kürzlich beim HVT registrierte Pferde lediglich mit einem Zwei-Generationen-Pedigree erfasst sind. In einem Fall ist sogar nur der Name der Mutter ohne weitere Auskünfte abrufbar. In mindestens 55 Fällen reicht das Pedigree des neu registrierten Pferdes nur bis zur dritten Generation. Wie gesagt, das waren Stichproben.

Das ist schlimmer als vor 100 Jahren, als es noch kein Internet und keine Datenbänke gab. Dabei ist es heute so einfach an Informationen zu gelangen, nur der HVT weiß offenbar nicht wie oder man kümmert sich schlichtweg nicht. Wir sind im Besitz von deutschen Traber-Gestütsbüchern aus der Wende zum 20. Jahrhundert. Damals wurde keinem Züchter ein Zwei- oder Drei-Generationen-Pedigree zugemutet.

Zweites Beispiel: Scheidet ein Traber aus dem Zucht- oder Rennbetrieb aus, werden seine Leistungsdaten sofort aus der HVT-Datenbank gelöscht. Wir haben durchaus Verständnis dafür, dass nicht alle Renndaten auf ewig aufbewahrt werden können. Die Renndaten junger Pferde im Alter von drei, vier oder fünf Jahren zu löschen geht uns allerdings zu weit. Wie soll da Zuchtwertschätzung funktionieren?

Nun wurde uns zwar mitgeteilt, es werde nichts gelöscht, sondern die Daten sollen angeblich auf Datenbänder aufbewahrt sein, das nützt dem Züchter jedoch gar nichts. Für den Benutzer der HVT-Datenbank sind die Daten weg. Auf nimmer Wiedersehen.

Dies führt uns zu der Frage, wer trägt im Zuchtverband eigentlich die Verantwortung dafür? Man sollte annehmen, dass in einem Zuchtverband der Zuchtleiter der wichtigste Ansprechpartner für Züchter ist. Frühere Zuchtleiter, wie z.B. Prof. Dr. Josef Pulte, waren Persönlichkeiten, die auch außerhalb des Traberverbandes hohe Anerkennung besaßen. Heute ist anscheinend vieles anders.

Die unserer Auffassung nach wichtigste Person im Zuchtverband, die Zuchtleiterin Frau Anja Bartha, arbeitet nämlich als Teilzeitkraft vom heimischen Schreibtisch aus. 90 Prozent aller Traberzüchter in Deutschland würden bei einer zufälligen Gegenüberstellung wahrscheinlich nicht wissen, wer Frau Anja Bartha ist. Auf einer HVT-Mitgliederversammlung ist Frau Bartha unseres Wissens noch nie anwesend gewesen! Die juristische Beratung des Präsidiums hingegen regelmäßig.

Womit wir bei einem weiteren unhaltbaren Punkt sind: Der Verband leistet sich Rechtsberatungskosten in sechsstelliger Euro-Höhe. Wir sind der Meinung, dass dieses Geld sinnvoller zu verwenden wäre. Ob ein Verband mit Sitz in Berlin eine Rechtsberatung in München benötigt, wäre zum Beispiel eine Überlegung wert.