USTA / HVT – Gleiche Probleme, unterschiedliche Lösungen?
vom 14.07.2015

(jg) – In dieser Woche fand in Columbus (Ohio) ein Gipfeltreffen des amerikanischen Trabrennsports statt. 40 Personen aus allen Bereichen des Sports waren zusammengekommen, inklusive Medien, um über Lösungen für eine bessere Zukunft zu beraten.

Rückläufige Zahlen bei Pferden und Aktiven
Die Probleme in Amerika sind identisch mit den Problemen in Deutschland. Der amerikanische Sulkysport (Traber und Pacer) verzeichnete zwischen 2004 und 2014 einen dramatischen Rückgang an Fohlengeburten von 15.225 auf 7.830 (minus 49%). Des weiteren vermeldet die USTA für denselben Zeitraum einen Mitgliederschwund von 24.864 auf 17.276 Personen (minus 31%). Hierbei muss man wissen, dass jeder Aktive im Sport, Züchter, Besitzer, Trainer oder Fahrer, zwangsweise Mitglied der USTA ist. Es ist davon auszugehen, dass der überwiegende Teil der nicht mehr vorhandenen Mitglieder Pferdebesitzer waren.

Lage in Deutschland viel dramatischer als in Nordamerika
Es ist kein Geheimnis, dass die deutsche Traberzucht ausblutet. Der deutsche Trabrennsport erlebte zwischen 2004 und 2014 einen Geburtenrückgang von 1.337 auf 466 Fohlen (minus 65%). Die Tendenz ist weiter rückläufig. Die Zahl der Züchter, Besitzer, Trainer, Berufs-, Lehrlings- und Amateurfahrer weist einen Rückgang von 5.365 auf 2.104 (minus 61%) aus. Diese Zahlen offenbaren das deutsche Desaster in aller Deutlichkeit.

Mehr Geld für junge Pferde
Weitgehende Übereinstimmung erzielten die amerikanischen Experten beim Thema Rennpreise. Auch wenn sich das amerikanische System der Rennausschreibungen deutlich von europäischen Modellen unterscheidet, so ist der Gedanke, Rennen für junge oder sieglose Pferde monetär aufzuwerten, nicht abwegig. Hierzu muss man wissen, dass der sogenannte Alltagssport in Amerika in Handicap-Klassen eingeteilt ist und diese Pferde überproportional gute Verdienstmöglichkeiten besitzen. Die Besitzer junger Pferde hingegen finanzieren ihre Rennen beinahe selbst. Wir kennen das in Deutschland anhand der Zirkelrennen.

Sauberer Sport
Doping ist ein bedeutsames Thema im amerikanischen Rennsport. Sehr viele Besitzer haben dem Pferdesport den Rücken zugekehrt, weil sie die „Cheaters“ satt sind. Der amerikanische und kanadische Trabrennsport besitzt eine konföderale Struktur, wo jeder Staat über seine eigenen Regeln wacht. Die USTA ist da eher in der Rolle einer europäischen UET, ohne direkten Einfluss. Des öfteren ist es vorgekommen, dass Trainer, die z.B. auf Meadowlands (New Jersey) wegen erwiesener Manipulation nicht erwünscht sind, z.B. im benachbarten Yonkers (New York) willkommen geheißen wurden. Allzu oft sehen Rennveranstalter nur ihren eigenen vermeintlichen Vorteil und scheren sich wenig um das allgemeine Wohl des Sports. Insbesondere Racinos, also Rennbahnen, die von großen Entertainment Groups geführt werden, stehen diesbezüglich in der Kritik.

Marketing
Natürlich muss sich heutzutage auch der Pferderennsport den üblichen Regeln des Marktes stellen. Hierzu benötigt man Geld, dass der amerikanische Pferdesport in nicht unerheblichem Umfang von Racino-Betreibern bezieht. Dieses Geld wird in vollem Umfang den Rennpreisen zugeführt. Nicht zuletzt deswegen sind die Alltagsrennen der Racinos sehr, sehr gut dotiert. In Yonkers beispielsweise läuft kein Rennen unter 13.000 Dollar ab, die meisten Rennen besitzen eine Dotation zwischen 20.000 und 30.000 Dollar.

Das Votum der Experten empfiehlt eine Abgabe von einem Prozent der Rennpreise zugunsten eines Marketingfonds und der Beauftragung einer professionellen Marketingfirma zur Wiederbelebung des Sports. Dies kann aber nur unter Einbeziehung der Rennbahnen und der Interessenvertretungen der Aktiven umgesetzt werden.

Besitzer und Spieler
Um neue Besitzer mit dem Sport vertraut zu machen, sprechen sich die Experten für Besitzerseminare aus. Derartige Schulungen zum Beispiel im Vorfeld der Harrisburg-Auktion oder anlässlich bedeutender Rennmeetings haben sich bewährt. Manch ein Fan ist auf diesem Weg zu seinem ersten Traber gelangt.

Von größter Bedeutung allgemein ist der Pferdesportwetter, der sich heutzutage einer unermesslichen Vielfalt an Glücksspielen gegenüber sieht. Der Reiz des Wettens ist ein Instinkt, den der Pferderennsport sich besser zu nutze machen muss. Leider steht sich der Sport durch langatmige Rennveranstaltungen und unattraktive Wettmöglichkeiten oft selbst im Weg. Eine Lösung dieses Problems gelang den Experten offensichtlich nicht.

Und was unternimmt der HVT?
Am Derby-Freitag lädt der HVT zu einem „Züchter-Lunch“ ein, um über zuchtfördernde Maßnahmen zu diskutieren. Gleichzeitig propagiert der Verband vier Sales-Tours nach Frankreich und bietet deutschen Züchtern und Besitzern eine quasi kostenlose Frankreich-Reise mit dem Besuch französischer Verkaufsrennen an. Über welche zuchtfördernde Maßnahmen sprechen wir eigentlich?

Dieser HVT, der nach eigener Darstellung die Interessen der deutschen Traberzucht vertritt, wird nach unserer Überzeugung die von uns eingangs beschriebene Talfahrt von Minus 65 Prozent an Fohlengeburten binnen 10 Jahren nicht zum Guten wenden können.