Viereinhalb Stunden um 50 Euro Kuhhandel
vom 05.07.2017

(jg) – Ein Ordnungsbeschluss der Rennleitung in Höhe von 50 Euro gegen den Amateurtrainer Günther Lühring könnte dem HVT am Ende noch teuer zu stehen kommen.

Am 4. Dezember 2016 war der seit mehr als 50 Jahren im Trabrennsport engagierte Sportsmann wegen Nichtbefolgens einer Anordnung der Rennleitung bzw. Funktionären (§ 75, Abs. 1 TRO) zwischen den Qualifikationen mit einer Geldstrafe in Höhe von 50 Euro belegt worden.

Gegen diese Entscheidung hatte der Beklagte Berufung eingelegt, was nach den Regeln der Trabrennordnung eigentlich nicht möglich war. Mittlerweile hat aber auch das HVT-Präsidium begriffen, dass Geldbußen bis zu einem Betrag von 200 Euro nicht unanfechtbar sein können. Das haben öffentliche Gerichte mehrfach so bestätigt. Die Berufung wurde mit der Begründung angenommen, dass dem Beklagten damals nicht ausreichend Gehör gewährt worden war.

Am Montag dieser Woche wurde dies in Berlin nachgeholt. Der HVT war durch seinen Rechtsbeistand aus München und dem geschäftsführenden HVT-Präsidenten vertreten.

Ein Beobachter des Verfahrens berichtete Traber-News.com gegenüber, dass die Verhandlung viereinhalb Stunden gedauert haben soll. Als alles auf einen Vergleich hinauszulaufen schien, sollen Kläger und Beklagter hiermit nicht einverstanden gewesen sein. Beide Seiten wollten ein Urteil.

Knackpunkt der Verhandlung soll gewesen sein, was unter dem Begriff „Geläuf“ zu verstehen ist. Bei Wikipedia und Rennsport nahen Organisationen finden wir folgende Definition: „Als Geläuf bezeichnet man den Boden, auf dem die Pferde im Rennen laufen.“

Günther Lühring hatte sich mit seinem Pferd auf den alten Paradezirkel in Bahrenfeld im Innenbereich der Rennbahn zurückgezogen. Der HVT-Präsident jedoch soll der Auffassung gewesen sein, jegliche Sandwege auf einer Rennbahn, überall dort, wo man Spuren hinterlässt, ist Geläuf. Mit einem Rückzug auf Rasen hätte der Beklagte, nach Auffassung des Klägers, das „Geläuf“ verlassen.

Eine eindeutige Ansage der Rennleitung, die Rennbahn zu verlassen und das Stallgelände aufzusuchen, hätte wohl jegliches Missverständnis vermieden.

Es kam somit zu einem Urteil, und die vom Kläger selbst ernannten Richter entschieden zu dessen Gunsten. Günther Lühring kündigte noch vor Ort Berufung gegen das Urteil ein und will notfalls bis vor ein öffentliches Gericht ziehen, um den Begriff „Geläuf“ zu klären. Außerdem verlangt er wegen der Anhörung in Berlin Ersatz für seine Aufwendungen. Diese sind durch das eingestandene Versäumnis der Rennleitung entstanden, ihn damals in Hamburg an Ort und Stelle zu dem Vorfall nicht befragt zu haben.

Für einen Unbeteiligten ist nicht nachzuvollziehen, wieso der HVT wegen läppischen 50 Euro ein hohes Prozessrisiko eingeht. Sollte ein öffentliches Gericht die Wikipedia-Definition von „Geläuf“ bestätigen, muss das Urteil überprüft werden.

Günther Lühring bezeichnet die Art und Weise, wie der Verband mit langjährigen Aktiven umgeht, als beschämend und schädigend. Nicht zuletzt deswegen hat er sein jahrzehntelanges, unentgeltliches Engagement an vielen Positionen und Fronten im Trabrennsport zurückgefahren.