Vor 35 Jahren fuhr Heinz Wewering seinen ersten Derby-Sieger
vom 03.08.2016

(jg) – 29 Hengste und Stuten traten 1981 um 250.000 DM in drei Vorläufen zum Deutschen Traber-Derby an. Ein separates Stuten-Derby gab es in jenem Jahr nicht.

Von der Startposition zwei war Hermann Mühlemeyers Noble Stardom in das Rennen gestartet und als überlegener Sieger in der neuen Derby-Rekordzeit von 1:18,1 hervorgegangen. Im Sulky saß der damals 31jährige Heinz Wewering. Es war der erste von insgesamt acht Derby-Siegen, die der Rekord-Champion im Laufe seiner großartigen Karriere erzielte.

Einen Derby-Sieger fünf Minuten vor dem Start kaufen
Unmittelbar vor dem Rennen war es zwischen dem zuweilen exzentrischen Besitzer von Noble Stardom und einem prominenten Kölner Kaufmann zu folgendem Zwiegespräch gekommen: „Ich biete Ihnen jetzt die Möglichkeit, einen Derby-Sieger zu kaufen“, sprach Hermann Mühlemeyer und reichte seine Hand zum Zuschlag entgegen. „Eine Million!“

Sein Widerpart blieb stumm. Noble Stardom gewann das Derby für Hermann Mühlemeyer.

Man kann auch günstiger an Derby-Sieger gelangen. So beschreibt es Kurt Hörmann in seinem lesenswerten Buch „Ein Derby-Sieger blickt zurück.“

Ein „Schlachtpferd“ findet seinen Käufer
Einer meiner Besitzer, der Malermeister Karl-Heinz Schulze, ließ ein Durchschnittspferd bei mir trainieren. Dieser Traber hieß Gospodin. Herr Schulze und auch seine Frau kamen öfter zur Bahn, wenn Gospodin angespannt wurde. Nach dem Training gingen wir dann immer zum Kaffeetrinken ins Rennbahn-Casino.

Da fuhr eines Tages ein Pferde-Transportwagen vor, den Willy Wick, ein bekannter Pferdehändler, steuerte. Als er ins Casino kam, gab Wick erst einmal eine Runde aus und meinte dann beiläufig, „Von den drei Pferden, die ich da auf dem Wagen habe, fahre ich mit einem gleich durch zum Schlachter.“ Das war natürlich niemals ernst gemeint, als Einleitung zu einem Verkaufsgespräch aber recht erfolgreich. Denn Frau Schulze wollte nun die arme Stute, die zum Schlachter sollte, gleich retten. Hindumädel, wie das Pferd hieß, stammte von dem guten Vererber Hindu aus der Lore Linde. Die Stute wurde entladen und Karl-Heinz Schulze bezahlte sie mit 800 DM. Das war nicht gerade viel Geld.

Hindumädel, die im April 1954 vor dem Schlachter „gerettet“ wurde, war zweijährig, ging aber noch gar nicht im Wagen und wurde nun vorbereitet. Dabei zeigte sie schon bald viel Talent. Zweijährig gewann Hindumädel, die erstaunlich schnell lernte, schon im Herbst den Altonaer Zuchtpreis. Sie hatte dann auch eine Nennung für das Deutsche Traber-Derby, doch dreijährig haben wir sie lange in Ruhe gelassen. Sie ging nicht zum Adbell Toddington-Rennen und bestritt auch nicht das Buddenbrock-Rennen. Hindumädel absolvierte nur drei Starts vor dem Derby, gewann dabei aber mit dem Fritz Hellmann-Erinnerungsrennen ihr zweites Zuchtrennen. Dennoch waren wir krasse Außenseiter, als wir zum Derby nach Berlin reisten.

Derby-Sieg mit Überraschungen
Der Berliner Transporteur Alfred Engel holte die Stute sicherheitshalber schon drei Tage vor dem Derby-Sonntag nach Mariendorf. Die Anreise durch die DDR mit Tierarzt- und Zollpapieren war ja doch noch sehr kompliziert.

Uns kam allerdings entgegen, dass dieses Derby vom Start weg in einem Höllentempo gelaufen wurde, am Ende war es ohnehin das bis dahin drittschnellste in der Derby-Geschichte. Die erste flotte Runde sorgte dafür, dass ich Hindumädel an der Innenkante ruhig regulieren und aus der Frontlinie heraushalten konnte. Ich war von vornherein in das Rennen gegangen mit dem Ziel, ein gutes Platzgeld mitzunehmen. Und als in der Endgeraden der Favorit Johanniter mit Eddy Freundt nach der vielleicht doch zu flotten Fahrt nicht mehr zulegen konnte, waren wir plötzlich da und zur allgemeinen Überraschung gewann Hindumädel das Derby.

Zur Siegerehrung hatte man Mikrophone aufgebaut und wollte nun eine Erklärung hören, wie die Stute solch ein Rennen gewinnen konnte. Doch Frau Schulze kam etwas spät zu dieser Vorstellung, kam angerannt, stürzte über die Schnur, fiel hin und hatte das Kabel abgerissen. Ende der Durchsage, denn die Anlage gab keinen Ton mehr von sich, die öffentliche Siegerehrung fand lautlos statt.