Wars das?
vom 07.12.2016

(jg) – Am heutigen Donnerstagabend hält der 1902 gegründete Münchner Trabrenn- und Zuchtverein seine ordentliche Mitgliederversammlung 2016 ab.

Wesentliches Thema ist der Verkauf des Rennbahngeländes an die Karl-Gruppe. In diesem Zusammenhang geht es um die Zukunft des Vereins.

Die Geschichte des Münchner Trabrenn- und Zuchtverein hat Höhen und Tiefen erlebt. Nach 1945 entwickelte sich die Rennbahn Daglfing im Osten von München zum umsatzstärksten Trabrennverein in Deutschland. Der 1922 ins Leben gerufene Große Preis von Bayern und der 1946 erstmals ausgetragene Preis der Besten waren internationale Highlights im europäischen Trabrennsport.

Sie sind alle nach Daglfing gekommen. Charlie Mills war nach dem Krieg der erste internationale Stargast. 1949 gastierte er in München mit Sammy und holte sich den Sieg im Preis der Besten. Internationale Größen wie Hans Frömming, Gerhard Krüger, Heinz Wewering, Sören Nordin, Jean Rene Gougeon, Leopold Verroken, Henri Levesque, Jos Verbeeck, Stig Johansson, Olle Goop, Hakan Wallner, Bernd Lindstedt oder Joe O’Brien, um nur einige Wenige zu nennen, trafen sich in Daglfing.

Heute steht der Verein vor einem Scherbenhaufen. Kein Geld, keine Perspektive und demnächst keine Rennbahn. Sämtliche Bemühungen um einen anderen Investor als die Karl-Gruppe sind an den hohen Risiken gescheitert, die eine Rückabwicklung des Kaufvertrages mit dem Bauunternehmer Günther Karl in sich birgt. Die Prozessaussichten gelten als gering.

Das Vergleichsangebot der Karl-Gruppe liegt den Vereinsmitgliedern vor und lässt Daglfing lediglich eine Galgenfrist. Vielleicht 2022, spätestens 2025, müsste der Verein sein jetziges Gelände räumen. Der Bauunternehmer Karl verpflichtet sich, dem Verein ein „Geläuf“ zu erstellen, keineswegs eine funktionsbereite Rennbahn. Gebäude, Stallungen, Zielrichterturm, Flutlichtanlage und dergleichen sind in dem Deal nicht vorgesehen.

Der Münchner Trabrennverein steckt in einem selbstverschuldeten Dilemma. Die Vereinsmitglieder haben am Donnerstagabend die Wahl zwischen Pest oder Cholera. Stimmt man dem Vergleich nicht zu, ist vielleicht morgen schon Schluss. Schulden in Millionenhöhe würden fällig. Beschließt man, sämtliche Klagen gegen die Karl-Gruppe zurückzunehmen und den Grundstücksverkauf an den Bauunternehmer Karl zu vollziehen, ist das Ende ebenfalls absehbar.

Es ist höchste Zeit, dass sich die bayerische Politik der Sache annimmt und Trab und Galopp an einen Tisch bringt. Ein interdisziplinäres Pferdezentrum in München-Riem ist unserer Ansicht nach die einzig denkbare Lösung. Daran sollte auch der Freistaat Bayern Gefallen finden.