Warum dem deutschen Trabrennsport die Züchter davonlaufen
vom 01.08.2016

(jg) – Der deutsche Traberverband HVT kümmert sich zu wenig um seine Züchter. Er lässt sie quasi verhungern.

Waren 2005 noch 783 Traberzüchter beim HVT registriert, so ist diese Zahl binnen 10 Jahre auf 314 Züchter zusammengeschrumpft. Traber-News.com ist kürzlich mit der Frage kontaktiert worden, „Was unternimmt der Galopprennsport, um seine Züchter bei Laune zu halten?“ Wir sind dieser Frage gerne nachgegangen und fanden hierzu folgende Mitteilung des Direktoriums für Galopprennsport:

Was sich an der Vollblutzucht lohnt

Züchterprämie

Um das Engagement erfolgreicher Züchter zu honorieren, zugleich aber auch einen Anreiz zu schaffen, mit der Vollblutzucht zu beginnen oder der Vollblutzucht weiterhin als aktiver Züchter treu zu bleiben, zahlt das Direktorium den Züchtern von im Rennsport erfolgreichen Pferden eine Prämie.

Diese Züchterprämie beträgt derzeit (Stand 1.1. 2015) in Flachrennen für zwei- und dreijährige Pferde 30 % des gewonnenen Rennpreises, vier- und fünfjährige Pferde bekommen 20 %, sechsjährige und ältere Pferde 10 % des gewonnenen Rennpreises. In Hindernisrennen werden für Pferde aller Altersgruppen 18 % des gewonnenen Rennpreises ausgezahlt.

Um in den Genuss dieser Prämien zu gelangen, müssen Züchter und Pferde einige Vorgaben erfüllen. So sind nur solche Pferde züchterprämienberechtigt, die von einem anerkannten Hengst abstammen und im Status eines inländisch gezogenen Pferdes stehen. Die Voraussetzungen sowohl für die Anerkennung von Deckhengsten als auch für den Inländer-Status von Zuchtprodukten sind detailliert in der Rennordnung geregelt.

Ein Züchter muss zu dem Zeitpunkt, wo eines seiner Zuchtprodukte einen Rennpreis gewinnt, Eigentümer mindestens einer von ihm selbst zur Zucht verwendeten Vollblutstute sein. Und wenn er nur eine Zuchtstute hat, muss für diese mindestens in einem der letzten beiden aufeinanderfolgenden Jahre ein anerkannter Vollbluthengst der Paarungspartner gewesen sein.

Dadurch stellt das Direktorium sicher, dass die Prämienzahlungen nicht nur einem Teil der Züchter in Form von finanziellen Zuwendungen zugutekommt. Vielmehr kann der Zuchtverband auf diese Weise auch auf die Selektion der Deckhengste Einfluss nehmen. Die ausgeschütteten Züchterprämien kommen so dem Zuchtfortschritt der gesamten Population und damit der Gesamtheit aller Züchter und Besitzer zugute. In 2014 wurden insgesamt Züchterprämien in Höhe von über 3,3 Millionen Euro ausgezahlt.

Soweit die Mitteilung des Direktoriums. Wie wir in der Rennordnung lesen, zahlen die Rennvereine 17 % des Rennpreises an den Züchterprämien-Fonds. Die Züchter zahlen ein Prozent als Verbandsabgabe. Die Züchterprämie stellt eine Belohnung dar. Der Züchterprämienberechtigte hat im Gegenzug die Regeln einer ordnungsgemäßen Zucht zu beachten.

Anerkannte Hengste müssen gewisse Anforderungen in Bezug auf Exterieur und Leistung erfüllen. Züchterprämien erhalten nur Züchter, die zur Verbesserung der Zucht beitragen.

Vielleicht ein Thema für den angekündigten Züchter-Stammtisch am Freitag auf der Derby-Bahn in Berlin-Mariendorf. Aber wer kann sich wochentags um 14 Uhr freimachen?