Was geschieht mit den PMU-Provisionen?
vom 23.06.2017

(jg) – Diese Frage stellen seit geraumer Zeit deutsche Traberbesitzer. Ihre Bitte um Information wird vom hiesigen Zuchtverband ignoriert.

Transparenz zählt nach wie vor nicht zu den Stärken des amtierenden HVT-Präsidiums. Zahlen und Protokolle werden den Vereinsmitgliedern nur unter Vorbehalt vorgelegt, wenn sie sich ihrer Treuepflicht gegenüber dem HVT bewusst sind und die Informationen vertraulich behandeln. Ansonsten wird gedroht. So etwas erleben wir nun schon seit Jahren.

So wissen wir auch nicht viel über die Verwendung der PMU-Provisionen, die der HVT vereinnahmt. Eine Offenlegung der Zahlen hat es in nunmehr vier Jahren PMU-Zusammenarbeit noch nie gegeben. Geheime Kommandosache!

Rennpreise halbiert
Für Ärger sorgt auch die Reduzierung der Renndotationen. Im Jahr 2014 lag der durchschnittliche Rennpreis für PMU-Trabrennen in Deutschland noch bei 7.000 Euro. Für die weniger lukrativen Rennveranstaltungen nach 20 Uhr betrugen die Dotationen 5.000 Euro. Im vergangenen Jahr standen über den Rennen in der Regel nur noch 4.500 Euro, seit Anfang 2017 sind die deutschen PMU-Trabrennen nur noch 3.500 Euro wert. Der Rennpreis hat sich also seit 2014 halbiert.

Verdient der HVT Geld mit den PMU-Veranstaltungen? Vielleicht auf Kosten der Besitzer, die im Zuchtverband bekanntlich ohne Stimmrecht und Einflussnahme und somit rechtlos sind? Möglich! Wenn man sich die Rennpreise der PMU-Rennen in anderen Ländern anschaut, liegt dieser Gedanke nah.

Deutschland in Europa ganz unten
Die nachfolgende Tabelle der im Monat Juni ausgetragenen PMU-Rennen zeigt, dass der Durchschnittsrennpreis dieser Rennen in Deutschland deutlich niedriger liegt als in jedem anderen Land Europas. Warum? Auf diese Frage schuldet der HVT den Rennställen eine plausible Antwort.

PMU-Rennen im Juni 2017:

Land Anzahl Trabrennen Rennpreise Durchschnittsrennpreis
Schweiz 33 291.631 Euro 8.837 Euro
Irland 4 28.000 Euro 7.000 Euro
Holland 15 80.500 Euro 5.366 Euro
Österreich 5 24.000 Euro 4.800 Euro
Norwegen 15 64.995 Euro 4.333 Euro
Deutschland 20 70.000 Euro 3.500 Euro

Auch die deutschen Galopprennställe haben im Monat Juni in PMU-Rennen 70 Prozent höhere Rennpreise erhalten als die Traber.

Land Anzahl Galopprennen Rennpreise
Durchschnittsrennpreis
Deutschland 23 137.100 Euro 5.960 Euro

Es ist nicht nachzuvollziehen, wieso z.B. PMU-Rennen in Irland doppelt so hoch dotiert sind wie in Deutschland. Erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang, dass die Schweiz, Irland, Holland und Österreich der U.E.T.-Mitgliedsgruppe 3 angehören. Deutschland ist der Mitgliedsgruppe 2 zugehörig. Der deutsche Trabrennsport sollte also im Vergleich zur Schweiz, Irland, Holland und Österreich eine höhere Wertigkeit besitzen. Davon ist hier nichts zu sehen.

Ist weniger mehr?
Der allgemeine Rennpferdemangel im deutschen Trab- wie auch Galopprennsport bereitet allen Rennveranstaltern derzeit große Sorgen. Kleine Felder gefallen auch dem Partner PMU nicht. Die Wettumsätze schrumpfen. Die Strategie des HVT-Präsidenten, um jeden Preis möglichst viele PMU-Rennveranstaltungen zu ergattern, ist gefährlich. Mehr als 300 PMU-Rennen sollen in diesem Jahr in Deutschland zur Austragung gelangen, doch woher die Pferde nehmen? Die Hälfte aller PMU-Rennen im Juni auf deutschen Trabrennbahnen waren mit sechs, sieben oder acht Startern besetzt.