Was man beim Kauf eines Trotteur Francais wissen sollte
vom 11.05.2017

(jg) – Eine Entscheidung am grünen Tisch des Schweizer Pferderennsport-Verbandes sollte auch den Liebhaber des französischen Trabers in Deutschland interessieren. Es betrifft den französischen Traber Brutus de Noyelles.

Der 2011 geborene Brutus de Noyelles begann seine Rennkarriere 2015 für den Stall Lucky Friday in Deutschland. Beim zweiten Anlauf qualifizierte sich der damals vierjährige Wallach mit Victor Gentz im Sulky in Mönchengladbach in 1:22,6 über 2100 Meter Autostart.

Seine nächsten beiden Starts münzte Brutus de Noyelles in feine Siege um. Insgesamt startete der französische Wallach in Deutschland in 18 Rennen, war zweimal siegreich und kehrte 13 Mal mit einem Geldgewinn in den Stall zurück. Seinen Rekord von 1:16,1 trabte Brutus de Noyelles in München-Daglfing über die Meile. Die vielleicht beste Leistung des Wallachs bekam man in einem Münchener PMU-Rennen zu sehen, als er über 2125 Meter aus dem Band als Drittplatzierter in 1:16,9 das Ziel erreichte. Sein letztes Rennen in Deutschland bestritt Brutus de Noyelles am 17. Mai 2015 für die Farben von Walter E. Wuttke in Pfarrkirchen. Es endete mit einem zweiten Platz. Danach wurde der Wallach an Manuela Scheidegger in die Schweiz verkauft und belegte am 17. Juni in Avenches einen fünften Rang.

Als die Schweizer Besitzerin ihr Pferd in diesem Frühjahr erneut an den Start bringen wollte, erhielt sie vom Schweizer Traberverband unter Vorsitz von Jean-Pierre Kratzer, Leonard Devaud, Armin Koller und Denis Roux die überraschende Mitteilung, dass ihr Pferd bis auf weiteres vom Rennbetrieb in der Schweiz ausgeschlossen ist. Begründung: Brutus de Noyelles sei nicht gemäß den französischen Qualifikationsbestimmungen qualifiziert worden. Ein anonymer Hinweis hatte den Verband auf diese Spur gebracht.

Verständlich, dass die Schweizer Rennstallbesitzerin auf die Entscheidung mit Fassungslosigkeit reagiert. Immerhin hat Brutus de Noyelles in einigen seiner bisherigen Rennen die in Frankreich geforderte Mindestkilometerzeit unterboten, auch aus dem Band. Der Rennveranstalter in München-Daglfing ist zudem Premium-Veranstalter von PMU-Rennen. Ein typischer Streich aus Schilda also?

Tatsache ist, dass nach dem Schweizer Reglement ein ausländischer Traber eine Qualifikationsprüfung in seinem Herkunftsland bestanden haben muss. Das ist für Brutus de Noyelles als Traber der Rasse Trotteur Francais in diesem Fall Frankreich – nicht Deutschland. Die Frage sei erlaubt, muss das so kompliziert sein?

Die Trabrennordnung in Deutschland sagt beispielsweise hierzu: „Eingeführte Pferde sind qualifiziert, wenn in ihrem Ausfuhrschein eine entsprechende Kilometerzeit über die entsprechende Mindestdistanz bestätigt ist. Eingeführte Pferde, die eine entsprechende Mindestzeit im Ausfuhrschein nicht vorweisen, müssen sich gem. Abs. 2 qualifizieren.“ Verlangt wird eine Kilometerzeit von mindestens 1:25,0.

Sinngemäße Bestimmungen finden wir im Regelwerk aller anderen Trabernationen Europas. Ein schwedischer Traber, der außerhalb Schwedens trainiert wird und eine entsprechende Kilometerzeit vorweist, die einer Qualifikation in Schweden genügt, muss sich bei seiner Erstvorstellung in Schweden nicht erneut qualifizieren. Oder deutsche Traber, z.B. von Jean-Pierre Dubois, die in Frankreich qualifiziert werden, unterliegen keinem weiteren Qualifikationsnachweis in Deutschland.

Wieso also die Sonderrolle bezüglich des französischen Trabers? Eine Frage an Jean-Pierre Kratzer, nicht nur Vorsitzender des Schweizer Traberverbandes, sondern auch Vorsitzender der U.E.T., die sich die Harmonisierung des europäischen Regelwerks auf ihre Fahne geschrieben hat. Während Brutus de Noyelles in Deutschland und wohl auch in den meisten anderen Ländern der Europäischen Union problemlos startberechtigt ist, wird ihm in seinem Herkunftsland Frankreich und in Ländern, die sich dem französischen Regelwerk unterworfen haben, die Startberechtigung verwehrt.

Die Moral von der Geschicht: Wer sich einen französischen Traber kauft, ist vor ungeahnten Überraschungen nicht gefeit.