Weiter so?
vom 20.04.2017

Eindrücke vom GoTrabGo-Treffen am 5. April in Marl

(jg) – Zum zweiten Mal trafen sich Züchter und Besitzer der Initiative GoTrabGo. Die Arbeitsgruppen stellten ihre Ausarbeitungen vor.

Organisator Bernhard Rosengarten konnte 27 Unterstützer begrüßen, von denen einige eine Anreise von mehreren hundert Kilometer auf sich genommen hatten. Sechs Programmpunkte standen auf der Agenda, was sich über den begrenzten Zeitrahmen von vier Stunden als zu ambitioniert erwies.

Traberparti
Eine interessante Ausarbeitung präsentierte die Arbeitsgruppe um Benjamin Heckmann und Alexander van Dijk mit ihrer Idee „Traber-Parti“. Der Begriff „Parti“ ist abgeleitet von partizipieren und soll sowohl Neulinge als auch alte Hasen im Trabrennsport durch Teilbesitz an einem Rennpferd zusammenführen. Ungläubiges Staunen herrschte zunächst, als Benjamin Heckmann bekannt gab, mit einer einmaligen Zahlung von 99 Euro für mindestens 30 Monate Teilhaber an einem Trabrennpferd werden zu können.

Des Rätsels Lösung liegt in der Absicht, 600 Anteile an der vierjährigen Stute Southwind Diamant v. Conway Hall a.d. Electra Blue Chip v. Chocolatier zu verkaufen. Die Stute hat sich 2015, also zweijährig, mit Rob de Vlieger in Wolvega in 1:17,1 qualifiziert. Alexander van Dijk erklärte die über einjährige Rennbahnabstinenz der Stute mit Rückenproblemen, die nun überwunden sein sollen. Southwind Diamant befindet sich derzeit in München bei Gerhard Biendl im Training und soll demnächst an den Start gelangen.

Wir meinen, eine gute, überzeugende Idee, die helfen kann, neue Zielgruppen anzusprechen und eine emotionale Bindung zur Kreatur Pferd aufzubauen.

Trabrennordnung
Die Arbeitsgruppe unter Führung von Willi Rode und Günther Lühring berichtete über ein Treffen mit Rennleitungsmitglied Heli Biendl, der bei dieser Gelegenheit sowohl von den Aktiven als auch von der Öffentlichkeit (Internet-Foren) mehr Respekt für die Arbeit der Rennleitung eingefordert hat.

Die GoTrabGo-Vertreter sind zu dem Schluss gelangt, dass das Regelwerk der Trabrennodnung im Grunde ausreichend ist und keine wesentlichen Veränderungen benötigt. Die ordnungsgemäße Durchführung der Rennen an sich ist gegeben. Es bedarf weniger einer Neuordnung, sondern viel mehr einer einheitlichen Anwendung der Vorschriften. Dieser Aufruf ist an die Rennleitung gerichtet.

Einige Dinge wurden dennoch angesprochen, wie die augenblicklich vorherrschende mangelnde Startdisziplin. Es wurde empfohlen, die Parade nicht abzuschaffen und die Anfahrdistanz hinter dem Startauto auf 400 Meter festzuschreiben. Bei Bänderstarts sollte eine Markierung geschaffen werden, auf die das führende Gespann exakt zufahren muss. Das Eindrehen darf erst nach Aufforderung durch den Starter geschehen. Verstöße gegen die Startordnung sollten rigoros mit Fehlstart und mit spürbaren Strafen geahndet werden.

Würde die Rennleitung die bestehenden Regeln der Trabrennordnung konsequent und nachvollziehbar anwenden, wäre ihr der gebührende Respekt garantiert.

Kultur und Produktverbesserung
Dieser Themenbereich umfasst den Umgang mit Pferden und das allgemeine Erscheinungsbild des Trabrennsports in der Öffentlichkeit. Er liegt GoTrabGo-Initiator Bernhard Rosengarten offenbar besonders am Herzen. Bernhard Rosengarten gab sein Erstaunen kund, dass dieser Punkt bei einer Befragung der Teilnehmer des ersten GoTrabGo-Treffens als am wenigsten dringlich angesehen worden ist. Seiner Meinung nach ist die Außendarstellung des Sports ein wichtiger Schlüssel, um neue Kreise für den Trabrennsport zu gewinnen.

Der Antrag von Bernhard Rosengarten zum ethischen Verhalten fand bereits auf der letztjährigen Mitgliederversammlung des HVT eine positive Resonanz und soll am 15. Mai in Berlin als Präambel zur Satzung verabschiedet werden.

Wetten
Eine Gruppe um Martin Fink und Holger Hülsheger präsentierte aufschlussreiche Zahlen und Erkenntnisse über das Wettgeschäft in Deutschland. Die anwesende Zuhörerschaft kam ein ums andere Mal aus dem Staunen nicht heraus.

So gibt es im deutschen Trabrennsport zehn verschiedene Wettarten, allerdings nicht einheitlich auf jeder Rennbahn. Auch die Wetten an sich unterliegen unterschiedlichen Bestimmungen, von Rennbahn zu Rennbahn, von Bundesland zu Bundesland. Eine Platzwette in München bei mindestens 12 Startern gilt beispielsweise auch für das viertplatzierte Pferd als gewonnen. Eine Platzwette in Nordrhein-Westfalen hingegen zahlt bei weniger als 7 Starter nur auf die ersten zwei Pferde Geld. Eine Vereinheitlichung der Wettarten wird dringend empfohlen.

Hart ins Gericht ging Martin Fink mit den von einigen Rennveranstaltern angebotenen Jackpots und Garantien. Für den Rennverein reine Geldverbrennung war das Ergebnis seiner Analyse. Sie würden sich bei den hiesigen Umsätzen für keinen Rennveranstalter rentieren. Auch die V-Wetten beurteilte die Arbeitsgruppe skeptisch, da die Rennen in Deutschland im allgemeinen unausgeglichen besetzt und demzufolge leicht vorherzusagen sind. Stattdessen empfahl die Arbeitsgruppe die Stützung der Viererwette, allerdings nicht in inflationärer Weise wie aktuell, sondern als wöchentliche Wett-Attraktion.

Die wichtigste Erkenntnis der Arbeitsgruppe war allerdings die Reduzierung der Wett-Abzüge von zur Zeit durchschnittlich 25 Prozent auf französisches Niveau, nämlich die Hälfte. Diese Maßnahme würde zu erheblich attraktiveren Quoten führen und „Großwetter“ bewegen, wieder in den deutschen Toto zu spielen. Martin Fink wies dies an einem konkreten Beispiel nach.

Am 23. März gab es in Gelsenkirchen ein PMU-Rennen, in denen die Pferde Ru de l’Airou und Croatie d’Amour meilenweit herausstanden. Unter normalen Umständen konnten nur diese beiden Pferde gewinnen. Während Croatie d’Amour und Ru de l’Airou am deutschen Toto mit 17 bzw. 18:10 gehandelt wurden, gab es in Frankreich 20 bzw. 22:10. Für Spieler mit größeren Einsätzen ist der deutsche Toto indiskutabel.

Der anwesende German Tote-Geschäftsfüher Rico Luiking stimmte den Erkenntnissen der GoTrabGo-Analyse uneingeschränkt zu. Er merkte an, dass die Rennvereine in der Auswahl ihrer Wettarten souverän sind und der angesprochene Wirrwarr in der Verantwortung der einzelnen Rennvereine stünde. Insbesondere zwei deutsche Trabrennvereine sollen sich diesbezüglich nur wenig kooperativ verhalten.

Alle waren sich einig, dass es dringlichst zu Gemeinsamkeiten unter den deutschen Rennveranstaltern bezüglich des Wettangebots kommen muss. Augenblicklich besteht der Eindruck, viele Köche verderben den Brei.

German Tote
In seinem Vortrag über German Tote brachte Geschäftsführer Rico Luiking zum Ausdruck, dass seine Firma der bedeutendste Wettvermittler des deutschen Pferderennsports ist. Sowohl 2002 als auch 2008 ist dem Trabrennsport ein Vermarktungsangebot unterbreitet worden, doch erst 2014 kam es zu ersten Abschlüssen.

Seit 2002 besitzt German Tote einen Wett-Vermittlungsvertrag mit der französischen PMU. Durch eine Kapitalerhöhung von 3,4 Millionen Euro im vergangenen Jahr hat PMU 51 Prozent der Anteile von German Tote erworben.

Rico Luiking sprach zur allgemeinen Überraschung sehr offen über Vertragsinternas mit der PMU. Den Mitgliedern im Zuchtverband sind solche Details bislang immer unter dem Hinweis der strengen Geheimhaltung vorenthalten worden.

Nach den Worten von Rico Luikung ist Deutschland gemessen am Wettumsatz der größte Partner der PMU. Über 180 Millionen Euro betrugen 2015 die über German Tote abgewickelten Wetteinsätze nach Frankreich. German Tote unterstützt den deutschen Pferderennsport mit ca. zwei Millionen Euro jährlich. Ca. eine Million Euro kommen dem Trabrennsport zu Gute. Dies geschieht durch die Übernahme der Kosten für die Bildproduktion und durch Provisionsverzicht. Eine direkte Subvention in die Infrastruktur einzelner Rennbahnen lehnt German Tote allerdings ab.

Demokratisierung HVT
Zu vorgerückter Stunde verlief dieser Tagesordnungspunkt chaotisch. Eine einheitliche Position in Bezug auf Empfehlungen oder gar Anträge zur HVT-Mitgliederversammlung war nicht zu erkennen. Die grundsätzliche Frage, ob GoTrabGo bereits in der Phase der Entscheidungsfindung mit dem HVT zusammenarbeiten soll, trat brutal zum Vorschein. Dem amtierenden HVT-Präsidium mit Wohlwollen zugeneigte Teilnehmer, ein Präsidiumsmitglied selber und diverse Einzelmitglieder, die sich in HVT-Versammlungen regelmäßig als stramme Unterstützer des Präsidiums erweisen, stemmten sich mit aller Vehemenz gegen Anträge zur Demokratisierung des HVT. Sie vertraten teilweise sogar die Meinung, dass die HVT-Mitgliedschaft noch enger gefasst werden sollte.

Bernhard Rosengarten schien bisweilen zu verzweifeln ob der sturen Einstellung. Sein Aufruf zur Veränderung bestehender Strukturen stieß vielerorts auf taube Ohren. Zu den Verweigerern zählten insbesondere diejenigen Züchter, die bei der nächsten HVT-Mitgliederversammlung als Einzelmitglieder vor Ort sein werden. Das macht wenig Hoffnung.

Eine Aufnahme von Rennvereinen in den HVT wurde mehrheitlich abgelehnt, und auch für ein Mitspracherecht der Besitzer waren viele der anwesenden Züchter nicht zu begeistern. Lediglich in der Frage der Stimmrechtszuweisung ließ sich eine Tendenz für eine Änderung der bisherigen Praxis erkennen.

Weitgehend Einigkeit bestand, dass der Verband seine Mitglieder besser informieren muss. Der Verband soll aufgefordert werden, den Jahresbericht und die Zahlen zur Bilanz in Zukunft der Einladung zur Mitgliederversammlung beizufügen.

Warten wir ab, welche konkreten Anträge die GoTrabGo-Initiative zur HVT-Mitgliederversammlung am 13. Mai gestellt hat. Anträge zur Mitbestimmung der Basis werden wohl nicht dabei sein.