Züchterprämien zur Diskussion
vom 01.02.2016

(jg) – Vergangene Woche beschloss das HVT-Präsidium eine weitere Erhöhung der Züchterprämien für die Rennen der Zirkelserien. Reicht das aus, um die deutsche Traberzucht auf sichere Beine zu stellen?

Traber-News.com ist der Meinung, der HVT-Beschluss stellt lediglich einen Tropfen auf den heißen Stein dar. Zu wenig, um die notleidende Traberzucht zu reanimieren. Einen Vorschlag, wie man es hätte anders gestalten können, möchten wir aufzeigen.

Des öfteren schon hat Traber-News.com Stimmen vernommen, die auf eine Neuordnung der Züchterprämienregelung drängen. Vertreter gebeutelter Trabrennvereine z.B. wünschen eine vollständige Abschaffung der Abgabe in Höhe von 10 Prozent. Dies findet nicht unsere Unterstützung. Über die Abgaben in den Zuchtfonds hingegen lässt sich diskutieren. Warum müssen deutsche Rennvereine Züchterprämien auf Trotteur Francais-Rennen abführen? In Holland z.B. ist der Rennverein Wolvega von einer derartigen Zahlung befreit. Wir schlagen vor:

1) Rennvereine zahlen nur noch Züchterprämien auf Renngewinne von in Deutschland gezüchteten Pferden

2) Die Züchterprämien für inländische 2- und 3j. Pferde werden von 10 auf 20 Prozent verdoppelt, die Züchterprämien für inländische 4j. Pferde werden von 10 auf 15 Prozent angehoben

3) Die Züchterprämien für inländische 8-14j. Pferde werden in einen Zuchtfonds eingezahlt. Ausgenommen hiervon sind Züchterprämien auf Renngewinne in gehobenen Rennen

Eigentlich würde sich die gesamte Diskussion um eine gerechtere Entlohnung von Züchtern erübrigen, wenn sich die Mitglieder der UET auf eine europäische Züchterprämie geeinigt hätten. Sie wollen es aber nicht. Deswegen muss alternativ gehandelt werden. Unser Beitrag über die Probleme in der holländischen Traberzucht vergangene Woche ist beispielhaft für die Notlage einiger Traberverbände. Insbesondere im mitteleuropäischen Bereich.

Keine Züchterprämien auf Renngewinne ausländischer Pferde
In 2015 sind ca. 175.000 Euro Züchterprämien in den Zuchtfonds des HVT geflossen. Die Rennvereine sind verpflichtet, eine Abgabe von 10 Prozent auf Renngewinne ausländischer Pferde in Deutschland abzuführen. Welchen Sinn macht das? In den Jahren zuvor lag diese Summe sogar deutlich über 200.000 Euro.

Nur ein Bruchteil dieses Geldes wird als Ausgleich zum Züchterprämienausfall deutscher Züchter verwendet. 2015 waren es, durch die Aufstockung der Züchterprämie von 10 auf 15 Prozent für die Rennen der Zirkelserien, weniger als 20.000 Euro. Unter dem Deckmantel „Zucht fördernde Maßnahmen“ wird der überwiegende Teil des Zuchtfonds zur Finanzierung von Dopingprävention verwendet. Das gilt es zu ändern.

Über 100.000 Euro mehr für Züchter
Im Alter von zwei bis vier Jahren gewannen inländische Pferde auf deutschen Trabrennbahnen in den vergangenen sechs Jahren im Durchschnitt ca. 2,1 Millionen Euro Rennpreise. Dies hat Traber-News.com in seinen jährlichen Berichten „Deutsche Vaterpferde-Statistik“ belegt. Ca. 58 Prozent, fast 1.200.000 Euro, entfallen davon auf die Altersklasse der 2- und 3j. Pferde, 42 Prozent, 900.000 Euro, auf 4j. Pferde. Eine Verdoppelung der Züchterprämien für die 2- und 3j. Pferde würde deutschen Züchtern demzufolge zusätzliche Einnahmen von ca. 120.000 Euro jährlich bringen. Die Züchterprämien für die 4j. Pferde würden sich nach unseren Berechnungen um ca. 45.000 Euro erhöhen. In der Summe sind dies 165.000 Euro.

Das macht Sinn. Nur wenige deutsche Pferde gewinnen im Alter von 2- oder 3 Jahren im Ausland einen größeren Rennpreis. Oftmals verlagert sich die Rennlaufbahn eines deutschen Pferdes erst nach Abschluss der 3j.-Rennsaison ins Ausland. Die meisten Züchterprämien, die deutschen Züchtern durch Renngewinne ihrer Zuchtprodukte im Ausland verloren gehen, stammen von Pferden älter als 4 Jahre. So kommt eine generelle Anhebung der Züchterprämie für 2-4j. Pferde den Züchtern auf direktem Wege zu Gute.

Im Rahmen der Zirkel-Serien (2j. / 3j. / 4-5j.) wurden in den letzten drei Jahren jährlich maximal 20.000 Euro zusätzliche Züchterprämien ausgeschüttet. Diese Summe ergibt sich aus der Erhöhung der Züchterprämien auf 15 Prozent und wurde dem Zuchtfonds entnommen. Sie reduziert den errechneten Bonus an die Züchter von 165.000 Euro auf ca. 145.000 Euro.

Züchterprämien in den „neuen“ Zuchtfonds
Nun zu Punkt drei unserer Vorschläge, der im ersten Moment auf Unverständnis oder sogar Ablehnung stoßen könnte. Die Züchterprämien für die 8-14j. Pferde sollen nach unseren Vorstellungen von den Rennveranstaltern in den „neuen“ Zuchtfonds abgeführt werden. Eine Ausnahme könnten wir uns für Züchterprämien auf Renngewinne in „gehobenen Rennen“ vorstellen.

An Hand der Zahlen von 2013 bis 2015 betrugen die in Deutschland ausgeschütteten Rennpreise im Durchschnitt jährlich ca. sechs Millionen Euro. Das Tief in 2015 von 5,5 Millionen möchten wir nicht als Maßstab nehmen. Hiervon entfallen nachweislich im Mittel ca. 2,1 Millionen auf die Altersgruppe der 2-4j. Pferde. Der Anteil der ausländischen Pferde lässt sich am derzeitigen Zuchtfonds ausmachen. Er beträgt ca. 28 Prozent oder 1,7 Millionen Euro.

Von den restlichen 2,2 Millionen Euro beträgt der Anteil der 5-14j. Pferde im Mittel 83 Prozent oder ca. 1.800.000 Euro. Ca. 17 Prozent gewannen 8-14j. Pferde. Das entspricht ca. 400.000 Euro bzw. ca. 40.000 Euro Züchterprämien. Der Anteil der Pferde, die in der Altersklasse 8-14j. in gehobenen Rennen in Deutschland einen Geldpreis gewinnen, ist gering. Sie hießen 2015 Top of the Rocks (1.000 Euro), Abano H (2.500 Euro), Armando Kievitshof (2.650 Euro), Hannieball (1.350 Euro), Gloria Victoria (700 Euro) und Charom (300 Euro). Insgesamt also 850 Euro Züchterprämien. Eine eher zu vernachlässigende Summe.

Die Gesamtkalkulation sieht also so aus, dass dem Züchter auf direktem Weg jährlich ca. 105.000 Euro zusätzliche Züchterprämien zukommen würden. Die dem neuen Zuchtfonds zugerechneten Züchterprämien in Höhe von 40.000 Euro haben wir von den zusätzlichen Züchterprämien von 145.000 Euro in Abzug gebracht.

Keine Mehrbelastung für die Rennvereine
Wir schlagen mit unserem Modell sogar zwei Fliegen mit einer Klatsche. Den Rennvereinen wird die Zahlung von ca. 175.000 Euro in den Zuchtfonds erlassen, stattdessen zahlen sie erhöhte Züchterprämien von ca. 165.000 Euro für 2-4j. inländische Pferde. Eine klassische Win-Win-Situation.

Wir dürfen aber auch die Finanzlage des HVT nicht übersehen. Als Züchtervereinigung müssen die Züchter ein Interesse haben, dass ihr Verband Handlungsfähigkeit besitzt. Der HVT kann nach unserem Modell seinen weiteren Verpflichtungen durchaus nachkommen. Aus dem Zuchtfonds von ca. 40.000 Euro sollten die Nennungsgebühren für den UET-Grand Prix (ca. 2.500 Euro) und die Breeders Crown (ca. 10.000 Euro) beglichen werden. Die restlichen ca. 25.000 Euro sind als Beitrag der Züchter zur Bekämpfung von Doping anzusehen.

Zusammengefasst unser Modell am Durchschnitt der Jahre 2013 bis 2015:

Rennpreise in Deutschland total (100 %): ca. 6.000.000 Euro
Rennpreise in Deutschland an inländische Pferde (72 %): ca. 4.300.000 Euro
Rennpreise in Deutschland an ausländische Pferde (28 %): ca. 1.700.000 Euro

  Rennpreise Züchterprämien
2-3j. Inländer 1.200.000 Euro 120.000 Euro
zusätzliche Züchterprämien   120.000 Euro
4j. Inländer 900.000 Euro 90.000 Euro
zusätzliche Züchterprämien   45.000 Euro
5-7j. Inländer 1.800.000 Euro 180.000 Euro
8-14j. Inländer 400.000 Euro 40.000 Euro
Summe 4.300.000 Euro 595.000 Euro

Unser Anliegen ist, im Sinne der Förderung der Zucht und der Investition in junge, qualitativ hochwertige Zuchtstuten, die Züchterprämien für junge Pferde anzuheben und den Anspruch auf Züchterprämien für ältere Pferde zu verringern oder gar einzustellen. Wir möchten dabei Züchtern überdurchschnittlich erfolgreicher Pferde ihren verdienten Lohn keineswegs vorenthalten. Gegebenenfalls kann man diskutieren, Rennen ab einer Dotation x von dieser Regelung auszunehmen oder Züchterprämien für ältere Pferde zu deckeln. Da der deutsche Trabrennsport sich erfahrungsgemäß nur schwer von innovativen Ideen überzeugen lässt, muss man vielleicht zu Kompromissen bereit sein.

Wer bezahlt die Dopingprävention?
Eine unüberbrückbare Meinungsverschiedenheit besteht bei Teilen der HVT-Mitglieder über die Finanzierung der Dopingbekämpfung. Das HVT-Präsidium benutzt hierzu den Zuchtfonds und belastet damit die Züchter in unangemessener Weise. Die Züchter von Trabrennpferden sind ebenso wenig die Verursacher von Doping wie die Hersteller der Rennräder bei der Tour de France.

Fast eine Million Euro zusätzliche Rennpreise
Im Moment profitiert die Gruppe der Besitzer von den 60 PMU-Rennveranstaltungen außerordentlich. Es sollen in diesem Jahr ca. 320 PMU-Rennen mit einer Dotation zwischen 4.500 und 5.000 Euro durchgeführt werden. Jedes Rennen weist im Durchschnitt einen erhöhten Rennpreis von bis zu 3.700 Euro auf. Das sind fast eine Million Euro, die den Besitzern unverhofft zufallen.

Den Vorschlag einer Umlage oder Pauschale zwecks Finanzierung der Kosten zur Dopingprävention hat es in der HVT-Mitgliederversammlung in den letzten Jahren bereits gegeben. Er wurde mit dem Hinweis abgewiesen, man könne die Gruppe der Besitzer nicht zusätzlich belasten. Dieses Argument kann unter den jetzigen Bedingungen nicht mehr gelten. Keine andere Gruppe im deutschen Trabrennsport profitiert mehr an den PMU-Rennveranstaltungen als die Besitzer.

Unserer Ansicht nach wäre es eine faire Lösung, eine Abgabe in Verbindung mit einem gewonnenen Rennpreis zu beschließen. Gewissermaßen ein „Soli“. Wer viel gewinnt ist eher in der Lage, einen Beitrag zu leisten als jemand, der unplatziert endet. Unter der Annahme von sechs Millionen Euro Rennpreise in 2016 sollte ein „Doping-Soli“ in Höhe von zwei Prozent ausreichen, um dem HVT die benötigten Mittel zur Verfügung zu stellen.