Züchtertreffen auf dem Höwingshof in Marl
vom 21.09.2016

(jg) – Zum Züchter-Treff für die Region West hatten sich am vergangenen Samstag auf dem Höwingshof 25 Gäste eingefunden. Der HVT war durch seine Vorstandsmitglieder Heinz Tell, Maren Hoever und Otto Kleverbeck vertreten.

Thema: PMU-Rennveranstaltungen
HVT-Präsident Heinz Tell berichtete, dass auch 2017 wieder mit mindestens 57 PMU-Trabrennveranstaltungen in Deutschland zu rechnen sein wird. Überwiegend natürlich sogenannte „Lunch Race-Termine“ zur Mittagszeit. In Abänderung zu 2016 sollen im kommenden Jahr jedoch statt vier sogar fünf Rennen nach Frankreich übertragen werden. Überdies soll es jedem Rennverein selbst überlassen bleiben, zusätzlich weitere Rennen außerhalb der TV-Übertragung nach Frankreich auszuschreiben.

Ob auch der Rennverein in Hamburg im kommenden Jahr Ausrichter von PMU-Rennen sein wird, sei noch nicht gewiss. Man befände sich hierzu im Dialog.

Der Präsident merkte des weiteren an, dass ca. 1,2 Millionen Euro Rennpreise in diesem Jahr in Deutschland in PMU-Rennen zur Ausschüttung gelangen werden. Einer Untersuchung von Traber-News.com zufolge fließen hiervon ca. 35 Prozent ausländischen Rennställen zu. Dennoch profitieren deutsche Besitzer, Trainer und Züchter von dem Geldregen erwiesenermaßen.

Thema: Zirkelrennen
Die gute Nachricht zuerst: Die Zirkelrennen sollen auch 2017 erhalten bleiben. Die andere Nachricht: Der HVT wartet auf den besseren Gedanken. Externe Vorschläge zur Neukonzeption hätten sich bislang aus finanziellen Gründen als nicht umsetzbar erwiesen. Im Prinzip herrscht in Bezug auf die Zirkelrennen 2017 Ratlosigkeit im Präsidium.

Der Präsident gab zu, dass die frühe Terminierung des Zweijährigen-Zirkels eindeutig ein Fehler gewesen ist. Eigentlich wussten es alle, außer...

Die Ausschüttung der überschüssigen Einsatzzahlungen für die Zirkelrennen 2014 und 2015 wurde bestätigt. Die ZVS soll angewiesen worden sein, insgesamt ca. 50.000 Euro an Besitzer auszuzahlen, deren Pferde Nennung für die Zirkelserien 2014 und 2015 besaßen. Eine transparente, nachvollziehbare Abrechnung, wäre der nächste logische Schritt, den die Besitzer verlangen dürfen.

Thema: Termine 2017
Um ein Termin-Chaos wie im vergangenen Jahr zu vermeiden, werden alle deutschen Trabrennveranstalter am Freitag dieser Woche in Berlin zusammenkommen. Der Terminkalender 2017 soll dann ein Gesicht bekommen. Für Ende Oktober ist ein weiteres Treffen geplant. Dann sollen Nägel mit Köpfen gemacht werden. Die spannende Frage ist, ob sich Hamburg an der Austragung von PMU- und Zirkelrennen-Rennen beteiligen wird. Der Verband und insbesondere die norddeutschen Aktiven würden dies sicherlich begrüßen.

Der Präsident machte deutlich, dass das eigentliche „Sorgenkind“ die Region West ist. Lange Veranstaltungspausen und kurzfristig veröffentlichte Ausschreibungen haben hier unter Besitzern zu Verdruss geführt.

Für das nächste Jahr rechnet der HVT mit 160 bis 170 Trabrennveranstaltungen in Deutschland. Mehr soll der augenblickliche Pferdebestand nicht zulassen. Auf der Terminkonferenz soll angestrebt werden, dass in allen Regionen Deutschlands in Abständen von 10 bis 14 Tagen mindestens eine Rennveranstaltung stattfindet.

Thema: Breeders Course
Zur Sprache gelangte auch der aktuelle Streit um die Annullierung des Breeders Course-Rennens in Gelsenkirchen. Der HVT-Präsident bekundete seinen Unmut über diese Debatte und vermochte absolut keinen Vertragsbruch zu entdecken. Ein möglicher Prozess wegen der unterlassenen Nominierung von Pferden würde „zu 100 Prozent“ zu Gunsten des Ausrichters des Rennen ausfallen, gab sich Heinz Tell geradezu siegessicher. Mit einer diesbezüglichen Aussage hat sich der Präsident vor einem Jahr schon einmal geirrt, als er Traber-News.com den Prozess machen wollte.

Thema: Dopingprävention
Dieses Thema fand ob seiner Aktualität erhöhtes Interesse. Mehr als 1.000 Doping- und Pre-Race-Proben werden jährlich im deutschen Trabrennsport überprüft. Die Hälfte davon fallen auf PMU-Rennveranstaltungen.

Die jährlichen Kosten der Dopingprävention betrugen zuletzt ca. 145.000 Euro mit steigender Tendenz. Ca. 100.000 Euro hiervon werden dem Zuchtfonds entnommen. Dies nahmen einige anwesende Züchter zum Anlass für Kritik.

Nutznießer von mehr als einer Million Euro zusätzlicher Rennpreise sind insbesondere Besitzer, trug ein Mitglied der Go-Trab-Go-Initiative vor. Sein Vorschlag lautete, die Kosten der Beprobung in PMU-Rennen den teilnehmenden Rennställen (80%), Trainern (10%) und Züchtern (10%) per Umlage anzulasten. Das wären pro Rennen ca. 200 bis 250 Euro und würde zu einer Entlastung des Zuchtfonds von ca. 70.000 Euro führen. Das klingt plausibel, da diese Gruppen Dank PMU „gut“ verdienen.

Ein alternativer Vorschlag der Go-Trab-Go-Initiative zielte auf eine pauschale Umlage pro Startpferd. So jedenfalls werden die Kosten für Dopingprävention im deutschen Galopprennsport finanziert. Beiden Vorschlägen stand das HVT-Präsidium mit z.T. skurrilen Argumenten ablehnend gegenüber.

Im Falle einer Dopingabgabe auf PMU-Rennen befürchtet der HVT eine geringere Bereitwilligkeit der Rennställe, ihre Pferde für PMU-Rennen zu nennen. Ein weiteres Argument des Präsidiums war, man solle das aufsichtführende Ministerium nicht unnötig irritieren, indem man öffentlich auf dieses Problem aufmerksam macht. Es ist klar, dieser HVT-Vorstand will partout keine Veränderungen. Das jetzige System sei „bewährt“, konnte man hören. Offensichtlich weil es bequem ist, die ohnmächtigen Züchter weiterhin zu melken.

Thema: Züchterprämien
Ein weiterer Punkt, wo zwischen HVT-Vorstand und den erschienenen Züchtern Uneinigkeit herrschte. Der Präsident hob immer wieder hervor, dass man die Züchterprämien in den Zirkelrennen für Zweijährige auf 25 Prozent angehoben hat, in den Zirkelrennen für Dreijährige auf 20 Prozent und im Vier- und Fünfjährigen-Zirkel jetzt 15 Prozent Züchterprämien auskehrt. Eine allgemeine Anhebung der Züchterprämien für junge Pferde bei gleichzeitiger Reduzierung für ältere Pferde lehnt man indes ab.

Der Go-Trab-Go-Vertreter hatte auch hierzu eine profunde Meinung. Er hatte sich beim Direktorium für Vollblutzucht erkundigt und erfahren, dass mit der Maßnahme, die Züchterprämien im Galopprennsport für zwei- und dreijährige Pferde auf 30 Prozent und für vier- und fünfjährige Pferde auf 20 Prozent zu erhöhen, eine Trendumkehr in Bezug auf Stutenbedeckungen erreicht worden ist.

Ein anderer Wortbeitraggeber erinnerte daran, dass früher Stuten bis siebenjährig und Hengste auf A-Bahnen bis zehnjährig am Rennbetrieb teilnehmen durften. Wo läge also das Problem, die Züchterprämie für ältere Pferde zu Gunsten jüngerer Pferde zu begrenzen?

Die Realität im deutschen Trabrennsport ist die, dass jedes Jahr immer wieder weniger Stutenbedeckungen in Deutschland gemeldet werden. Das wird voraussichtlich auch 2016 so sein. Der HVT-Vorstand konnte dem jedenfalls nicht widersprechen. Was also tun? In der größten Krise sollte man von den Verantwortlichen Maßnahmen zur Trendumkehr erwarten dürfen.

Konträre Meinungen ergab auch das Thema europäische Züchterprämien. Ein Züchter merkte an, wenn er Züchterprämien auf seine im Ausland startenden Produkte erhalten würde, würde er sich sofort zwei bis vier Stuten zusätzlich anschaffen. Bei der jetzigen Regelung denke er jedoch eher darüber nach, seinen Bestand zu verkleinern.

In diesem für alle Züchter überlebenswichtigen Punkt ließ der Präsident durchblicken, dass in den internationalen Verbänden kein Interesse bestehen würde, eine Änderung der gegenwärtigen Züchterprämienregelung in Angriff zu nehmen. Auch der HVT-Vorstand will das nicht. Das ist schlicht unfassbar, da die Verbände durch gewählte Züchtervertreter repräsentiert werden.

Die Einlassung des Präsidenten hierzu, es gäbe sogenannte „Geber-“ und „Nehmer-Länder“, ist natürlich falsch. So wie es jetzt geregelt ist sind die Verbände ausschließlich „Nehmer“. Die einen mehr, die anderen weniger.

Wenn die U.E.T. verankern würde, dass jeder Züchter 10 Prozent Züchterprämie erhält, ungeachtet in welchem Mitgliedsland der U.E.T. ein Pferd einen Rennpreis gewinnt, würde das keinem Verband auch nur einen Cent kosten. Die jetzige Regelung ist mit Diebstahl zu vergleichen. Die den Züchtern zugedachten Prämien landen im Geldsäckel der Verbände.

Thema: Wie gehen wir miteinander um?
Auf eine zukünftige Satzungsergänzung machte der Vertreter der Go-Trab-Go-Initiative abschließend aufmerksam. Mehrere ethische Grundregeln über den Umgang mit dem Pferd aber auch über den Umgang der beteiligten Menschen untereinander sollen im kommenden Jahr auf der HVT-Mitgliederversammlung beschlossen werden. Traber-News.com findet das gut. „Im Moment zerstören wir uns von Innen!“ Dabei scheute sich der Wortführer der Initiative nicht anzumahnen, dass das Vorleben der ethischen Grundsätze von „oben“ beginnen müsse.

Thema: Neue HVT-Internetpräsenz
In den kommenden Tagen soll die alte Webseite des HVT vom Netz genommen werden. Dann wird die neue Webseite unter der alten Adresse www.hvt.de erreichbar sein. Der technische Entwickler der neuen HVT-Seite hat bislang einen guten Job verrichtet. Viele Informationen sind jetzt leichter abzurufen. Alle Beteiligten am Trabrennsport sind aufgerufen, Änderungsvorschläge zu unterbreiten. Von dieser Möglichkeit wurde schon vor Ort Gebrauch gemacht.

Der Züchter-Treff auf dem Höwingshof litt zwar unter einer unsäglichen Fliegenplage, aber er erfüllte seinen Zweck. Der HVT-Vorstand informierte über aktuelle Anliegen im deutschen Trabrennsport und lieferte einen Ausblick auf zukünftige Vorhaben. Auch der Vorstand sollte Positives aus der Veranstaltung gezogen haben. Die Sorgen der Züchter um die Zukunft ihres Trabrennsports waren unüberhörbar.