Zwei Wochen Derby-Meeting: 120 Tage Fahrverbot
vom 06.08.2015

(jg) – Die Bilanz der Fahrverbote und Geldstrafen während des 16-tägigen Derby-Meetings in Berlin ist erschreckend. Traber-News.com ist der Sache auf den Grund gegangen.

Das Derby-Meeting endete nicht für jeden Aktiven mit Glanz und Gloria. Diverse Regelverstöße mit zum Teil heftigen Strafen werfen leider einen Schatten auf das ansonsten freundliche Bild der Derby-Tage. Verhalten sich die Aktiven unfair? Entscheidet die Rennleitung falsch? Sind die Paragraphen der Trabrennordnung zeitgemäß? Zunächst die Fakten:

Freitag, 24.7., 10 Rennen
Fahrverbot: 1 Tag
Geldstrafen: 465 Euro

Samstag, 25.7., 14 Rennen
Fahrverbot: keine
Geldstrafen: 960 Euro

Sonntag, 26.7., 14 Rennen
Fahrverbot: 21 Tage
Geldstrafen: 1.340 Euro

Donnerstag, 30.7., 13 Rennen
Fahrverbot: 20 Tage
Geldstrafen: 1.055 Euro

Freitag, 31.7., 13 Rennen
Fahrverbot: 1 Tag
Geldstrafen: 285 Euro

Samstag, 1.8., 14 Rennen
Fahrverbot: 37 Tage
Geldstrafen: 1.800 Euro

Sonntag, 2.8., 14 Rennen
Fahrverbot: 45 Tage
Geldstrafen: 2.000 Euro

Zeitraum 24.7. – 2.8.
Fahrverbot: 120 Tage
Geldstrafen: 7.905 Euro

Der größte Teil der Geldstrafen (4.680 Euro = 59 %) bezieht sich auf die Fahrordnung, insbesondere auf die Peitschenführung (§ 84, Abs. 2g) und das Verhalten der Aktiven im Rennen (§ 84, Abs. 2c). Diese Paragraphen bilden das Fundament eines funktionierenden Rennbetriebs. Sie sind der Straßenverkehrsordnung gleichzusetzen. Es muss selbstverständlich im Interesse aller liegen, auch der Aktiven selbst, dass fair und unfallfrei gefahren wird. Nachfolgend eine Auflistung der Strafen nach § 84:

Strafen bezüglich Fahrordnung: 4.680 Euro

§ 84, 1 330 Euro
§ 84, 2c 1.600 Euro
§ 84, 2d 75 Euro
§ 84, 2g 1.875 Euro
§ 84, 2j 200 Euro
§ 84, 2k 200 Euro
§ 84, 2l 400 Euro

Vorschriften im Zusammenhang mit der Peitschenführung und dem Peitschengebrauch müssen eingehalten werden. Ansonsten kann der Trabrennsport keine neuen Freunde gewinnen. Der Peitschengebrauch sollte sehr genau beobachtet und gegen Missbrauch konsequent vorgegangen werden. Das ist richtig so! In den Augen eines dem Pferdesport wenig zugeneigten Beobachters ist die Peitsche ein Folterinstrument. Nach persönlicher Ansicht des Chronisten wäre ein Fahren ohne Peitsche sicherlich hilfreich für das Image des Pferdesports allgemein.

Ein weiterer nicht unerheblicher Teil der Strafengelder ist für Vergehen in der Startphase der Rennen ausgesprochen worden (1.830 Euro = 23 %). Zusammen mit dem Paragraphen 84 ergibt dies 80 Prozent der erhobenen Strafengelder. Dieses für den Beobachter und insbesondere für den Wetter unzumutbare Szenario ist vermeidbar. Hierzu gibt es die „Durchführungsbestimmungen zur Startordnung gem. § 81 TRO“. Es hat den Anschein, dass einigen Aktiven diese Bestimmungen nicht bekannt sind.

Die Start- und Fahrordnung sind wesentliche Vorschriften für einen fairen und einwandfreien Rennsport. Es handelt sich um notwendige Paragraphen, auf deren Einhaltung die Rennleitung konsequent achten muss. Aktive, die die Start- und Fahrordnung auf die leichte Schulter nehmen, dürfen keine Chance erhalten. Nachfolgend die Strafen nach § 81.

Strafen bezüglich Startordnung: 1.830 Euro

§ 81, 1-4 1.460 Euro
§ 81, 2 20 Euro
§ 81, 8d 100 Euro
§ 81, 9b 250 Euro

Schauen wir uns die restlichen Strafen an. Paradestrafen (§ 77, Abs. 1: 655 Euro) sind dumme, überflüssige Strafen und nicht immer sind sie dem Aktiven anzulasten. Auf weiten Wegen zum Renngeläuf ist gelegentlich auch schon einmal ein Hindernis zu umschiffen oder das viel beschäftige Stallpersonal hat in der Eile und Hektik einen Ausrüstungsgegenstand vergessen. Aktive sollen Siegerinterviews geben und müssen zwischen den Rennen Aufwärmheats fahren. Die Frage sei erlaubt, ist eine Parade noch zeitgemäß?

Einst besaß dieser Paragraph in der Trabrennordnung drei Absätze, heute lediglich noch einen. Die Paradeordnung des Berliner Trabrenn-Vereins e.V. zum Beispiel konnten wir auf der Homepage des Rennvereins nicht ausfindig machen.

Mit insgesamt 600 Euro Geldstrafe wurden zwei Aktive für den Verstoß gegen den Paragraphen 135, Abs. 2x belegt. Es handelt sich um „Ordnungswidrigkeiten“. Zwei Vorfälle mit ehrverletzenden oder ungebührlichen Äußerungen gegenüber der Rennleitung. In beiden Fällen gegen Aktive, die durch Fehlverhalten anderer Aktive in gefährliche Rennsituationen geraten waren. Hier ist Fingerspitzengefühl gefragt.

In manchen Fällen sollten die Betroffenen selbst erst einmal ihren Kopf in einen Eimer kalten Wasser tauchen und sich danach zu der Situation äußern. Die Rennleitung sollte in Betracht ziehen, dass manche Gemüter unmittelbar nach einem Vorfall vor einer Explosion stehen können. Mit einem ehemaligen Aktiven in den eigenen Reihen sollte die Rennleitung in der Lage sein, sich in den Gemütszustand eines Geschädigten hineinzuversetzen. Etwas mehr Ruhe, Umsicht und Abstand würde sicherlich hilfreich sein, um Schaden von den Aktiven und dem Sport abzuhalten. Ein aufeinander zugehen, eine Entschuldigung, und viele Vorfälle könnten ohne viel Aufhebens beiseite gelegt werden. Hier wird oftmals, von der Rennleitung und den Aktiven, überreagiert. Das fördert Feindbilder.

Vielleicht wäre es sinnvoll, die Rennleitung würde in besonders schweren Fällen zunächst einmal lediglich den Verstoß feststellen und die Betroffenen vernehmen. Über die Höhe der Strafen sollte zu einem späteren Zeitpunkt entschieden werden. Ad hoc Entscheidungen sind häufig von Emotionen und zeitlichem Druck geprägt.

Strafen in puncto „Ausrüstung“ (§ 76, Abs. 2: 100 Euro) und „Pflichten des Ausweisinhabers“ (§75, Abs. 1: 40 Euro) gehören wohl eher in die Kategorie Nebensächlichkeiten.

Auf den Prüfstand gehört die Höhe mancher Strafen und die Verhältnismäßigkeit. Einen Bußgeldkatalog wie z.B. in der Straßenverkehrsordnung gibt es im Trabrennsport nicht. Die Höhe der Strafen liegen im Ermessen der Rennleitung, die ihr Strafmaß an Erfahrungs- und Richtwerten bzw. der Wertigkeit von Rennen festsetzt. Wir plädieren für mehr Fahrverbote, weniger Geldstrafen. Härtere Strafen gegen Verstöße der Start- und Fahrordnung, Nachsicht oder Verwarnungen gegen Lapalien.

Um einen Vergleich mit dem Ausland zu ziehen, haben wir das diesjährige Solvalla Elitloppet-Meeting von Freitag bis Sonntag (39 Rennen) mit dem Derby-Meeting in Berlin (92 Rennen) verglichen. Wir stellen fest, dass die Bestrafungen in Schweden hinsichtlich der Fahrordnung sehr viel strenger reglementiert sind als in Deutschland. Es wurden umgerechnet 7.200 Euro Strafgelder gegen Fahrordnungsverstöße verhängt und 69 Tage Fahrverbot.

Leider fielen deutsche und holländische Fahrer in Solvalla besonders negativ auf. Von 7.200 Euro entfielen 1.400 Euro auf zwei Vertreter deutscher und holländischer Nationalität und von 69 Tagen Fahrverbot entfielen 17 Tage auf einen deutschen Fahrer. Die Paradestrafen betrugen insgesamt nur 200 Euro und sämtliche anderen Strafen zusammen 700 Euro.

Großer Gewinner des Derby-Meetings ist der HVT gewesen. Zusammen mit Züchterprämien fließen der Aufsichtsorganisation mehr als 82.000 Euro zu.

HVT-Einnahmen:

Umsatzabgabe 51.687,82 Euro
Rennleitungspauschale 4.760,00 Euro
Strafen 7.905,00 Euro
Zuchtfonds 18.273,50 Euro
Gesamt 82.626,32 Euro