Bellino II – der mit der roten Maske
vom 18.01.2018

(jg) – Passend zum Prix d’Amerique 2018 stießen wir jüngst auf die allererste Ausgabe des „Annuaire des Etalons Trotteurs“. Es enthält eine Deckanzeige von Bellino II und seine Rennkarriere.

Bellino II war einer jener „Super-Traber“ der französischen Traberzucht, der sowohl dem europäischen als auch dem internationalen Rennsport über Jahre seinen Stempel aufgedrückt hat. Ein wirklich Großer seiner Zeit. Der eine oder andere ältere Rennbahnbesucher wird sich vielleicht noch an Bellino II erinnern. Sein unverwechselbares Markenzeichen war die rote Schmutzkappe.

Dreimal Sieger im Prix d’Amerique und im Prix de Cornulier
Der 1967 geborene Bellino II war ein Ausnahmetalent und sowohl vor dem Sulky als auch unter dem Sattel erfolgreich. Eine Doppelbegabung, wie sie heutzutage in einer Ära von Spezialisten kaum noch anzutreffen ist. Bellino II ist der einzige Traber, der dreimal sowohl den Prix d’Amerique (1975, 1976, 1977), das wertvollste Trabrennen der Welt, als auch den Prix de Cornulier (1973, 1975, 1976), das wertvollste Rennen unter dem Sattel, gewann.

Dabei wäre Bellino II unter den heute gültigen Regeln der französischen Traberzucht überhaupt nicht existent. Sein Vater Boum III und seine Mutter Belle de Jour III waren zum Zeitpunkt ihrer Paarung beide bereits 21 Jahre alt. Und Belle de Jour III hatte in ihrer langjährigen Zuchtkarriere vor der Geburt von Bellino II alles andere als überzeugen können.

Karrierebeginn in Südfrankreich
Bellinos Rennkarriere begann im Frühjahr 1970 in Lyon. Seinen ersten Sieg erzielte der Hengst am 26. Juni in Vichy. Am 19. November sah ihn zum ersten Mal das Pariser Publikum, als er auf dem Plateau de Gravelle ein siegreiches Debüt unter dem Sattel ablieferte.

Im Dezember 1970 erntete Bellino II weitere Sieglorbeeren im Prix Raoul Balliere und im Prix de Vincennes. Bellinos Siegeszug setzte sich im Winter 1971 im Prix de Pardieu, Prix Camille de Wazieres und Prix des Centaures fort. Weitere Siege in Sattelprüfungen ersten Ranges wie im Prix du President de la Republuque, Prix Ceneri Forcinal, Prix des Elites, Prix Jacques Olry und Prix Philippe du Rozier folgten.

Im Sommer 1972, also mit fünf Jahren, stellte sich Bellino II erstmals den Besten seiner Generation vor dem Sulky. Ein vierter Rang im Prix Jockey und ein dritter Platz im Criterium des 5 ans, hinter Bill D und Buffet II, waren das Resultat. Unter dem Sattel jedoch war Bellino II weiterhin kaum zu bezwingen. Der Prix Emile Riotteau, Prix Camille Blaisot, Prix de Normandie, Prix des Elites und Prix Joseph Lafosse gehörten zu seiner Beute.

Nachdem Bellino II bei seinem ersten Angriff auf die Krone der Satteltraber, im Prix de Cornulier 1972, noch an Tidalium Pelo gescheitert war, gehörte 1973 der Sieglorbeer erstmals ihm. Borgia III und Aldena belegten die Plätze. Neben dem Prix de Cornulier sind des Weiteren seine Erfolge im Prix de l’Ile de France, Prix Camille Lepecq und Prix Reynolds hervorzuheben.

Das Jahr 1974 sah Bellino II sowohl unter dem Sattel als auch vor dem Sulky erfolgreich. Unter dem Sattel triumphierte er im Prix Camille Lepecq und vor dem Sulky im Prix Rene Balliere (vor Timothy T und Casdar). Im Prix de Cornulier fand er mit Cette Histoire zum zweiten Mal einen Bezwinger.

Auf dem Gipfel
1975, mit acht Jahren, war Bellino II auf dem Gipfel angelangt. Nach Erfolgen im Prix de Cornulier (vor Cette Histoire), Prix d’Amerique (vor Axius und Catharina), Prix de Paris und Grand Criterium de Vitesse de la Cote d’Azur gab Bellino II erstmals im Lotteria in Neapel seine Visitenkarte außerhalb Frankreichs ab. Ein dritter Platz im Vorlauf reichte nicht für das Erreichen des Finales, so dass sich Bellino II mit dem Sieg im Trostlauf begnügen musste.

Seine ersten Erfolge im Ausland holte sich Bellino II im heutigen Gran Premio Renzo Orlandi (vor Timothy T), im Gelsenkirchener Elite-Rennen (vor Equileo und Gallini) und im damaligen Gran Premio Lido. Im eigenen Land triumphierte der Hengst im Prix de l’Atlantique, Prix Rene Balliere und Prix de Bretagne.

1976 war vielleicht das erfolgreichste Jahr in Bellinos großartiger Rennkarriere. In Frankreich heftete er sich jeweils zum dritten Mal den Prix de l’Ile de France, den Prix de Cornulier und den Prix Rene Balliere an seine Fahnen, gewann jeweils zum zweiten Mal den Prix d’Amerique (vor Catharina und Equileo), den Prix de Paris, das Grand Criterium de Vitesse de la Cote d’Azur und den Prix de l’Atlantique und siegte außerdem im Prix de France und Prix du Bourbonnais. Im Lotteria 1976 gelang die Revanche durch einen Erfolg über Italiens damaligen Matador Delfo und im heutigen Gran Premio Costa Azzurra hatte Wayne Eden das Nachsehen.

Die letzte Saison
Bellinos Abschiedstournee 1977 begann mit Siegen im Prix d’Amerique (vor Eleazar und Franca Maria), Prix de Paris (vor Eleazar und Dimitria) und Prix de l’Atlantique (vor Eleazar und Equileo). Frankreichs Rennsport-Gazetten kürten den Hengst zum „Held des internationalen Wintermeetings von Paris“. Bellinos erster Auslandsstart in jenem Jahr geschah in München. Im Großen Preis von Bayern musste Bellino II auf die gewohnte Hand von Jean-Rene Gougeon verzichten. Mit Roman Krüger endete der Hengst als Vierter hinter Pershing. Vier Wochen später, im Großen Preis der Niederlande, war Bellino II allerdings unantastbar. Ebenso im Preis der Giganten, was seine Abschiedsvorstellung von der internationalen Bühne war.

Dreimal Zweiter im International Trot
Erwähnung verdienen Bellinos Abstecher nach Nordamerika 1975, 1976 und 1977. Dreimal war er dort Zweiter im International Trot. 1975 scheiterte er an Savoir, 1976 an seinem Landsmann Equileo und 1977 belegte er einen zweiten Platz hinter Überraschungssieger Delfo. Im Challenge Cup 1977 war Bellino II Dritter zu Kash Minbar und Delfo.

Gewinnreichster Traber aller Zeiten
Seine Siege als punktbester Traber im europäischen Grand Circuit 1975 und 1976 unterstreichen die herausragende Stellung, die Bellino II im damaligen internationalen Rennsport besaß. 1977 war er Zweiter dieser Wertung. Am Ende seiner Rennkarriere trat Bellino II mit 9.034.089 Francs Gewinne als gewinnreichster Traber aller Zeiten von der Bühne ab.

In der Zucht chancenlos
Bellinos Gestütskarriere verlief leider nicht so erfolgreich wie seine Rennlaufbahn. Kein Züchter wartete auf einen Hengst, dessen Eltern 32 Jahre zuvor geboren waren. Zudem befand sich die französische Traberzucht Ende der 70er Jahre im Umbruch. Ein Jahr zuvor hatte der erste Jahrgang von Florestan das Licht der Welt erblickt. Hengste wie Granit, Mickey Viking, Kimberland und Workaholic folgten und drängten das alte Blut von Fuschia und seinen Nachkommen ins Abseits. Eine neue Ära französischer Traberzucht stand unmittelbar bevor, in der für Bellino II kein Platz war.

113 Produkte von Bellino II sind unter Haras Nationaux gelistet. Der Gewinnreichste ist sein Sohn Quel Boum mit 151.339 Euro. Bellinos erfolgreichste Tochter in der Zucht war Plume au Vent, Mutter des Deckhengstes Ingen und vier weiterer 100.000 Euro-Gewinner.