Das war 2015 (I)
vom 03.12.2015

Norwegen – Finnland – Dänemark

(jg) – Nur noch wenige Wochen trennen vom Jahreswechsel. Traber-News.com zieht Bilanz der Saisonhöhepunkte im europäischen Trabrennsport.

Bevor wir unsere Rückschau zu Beginn auf die nordischen Traberländer Norwegen, Finnland und Dänemark fokussieren, einige Bemerkungen allgemeiner Art vorweg.

Fast 40 Millionen Euro Rennpreise
305 Gruppe 1- und Gruppe 2-Rennen mit einem Rennpreisvolumen von fast 40 Millionen Euro wurden 2015 in Europa entschieden. Das ergibt einen Durchschnittsrennpreis von 130.000 Euro pro Rennen. Die meisten Gruppe 1- und Gruppe 2-Rennen wurden in Frankreich ausgetragen (120 Rennen), gefolgt von Italien (68 Rennen) und Schweden (51 Rennen). Insgesamt überwog die Anzahl der nationalen Gruppe-Rennen gegenüber den internationalen Rennen (157:139). Hinzukommen fünf nationale Rennen der Tournee Trotteur Francais und vier internationale Rennen der Marke U.E.T.

In Deutschland wurden sechs Gruppe 1- und Gruppe 2-Rennen abgehalten. Die nationalen Rennen Derby, Breeders Crown (4j. Stuten), Breeders Crown (ältere Stuten) und Breeders Crown (ältere Hengste/Wallache) und der international ausgeschriebene Große Preis von Deutschland.

Gänzlich ohne Gruppe-Rennen war 2015 der Trabrennsport in Österreich. Das einstmals zum Stamm der europäischen Gruppe-Rennen zählende Graf Kalman Hunyady-Rennen ist in der Liste der U.E.T.-Gruppe-Rennen nicht mehr auffindbar, und das Österreichische Traber-Derby, in diesem Jahr mit stolzen 70.000 Euro dotiert, fand unter den U.E.T.-Juroren ebenfalls keine Berücksichtigung. Die unter der Schirmherrschaft der U.E.T. gelaufenen Europachampionate, Grand Prix und das Master-Finale, deren Austragungsorte jährlich wechseln, wurden in unser Zahlenwerk einbezogen.

Den höchsten Durchschnittsrennpreis besaßen die Gruppe-Rennen in Schweden mit respektablen 170.000 Euro. Die Verdoppelung mancher Rennpreise durch „Premiechansningen“ machten die nationalen Jahrgangsrennen zu Goldtöpfen. Schwedische Klassiker wie Oaks, Derby und Kriterium erscheinen deshalb in der Top-Ten der höchst dotierten Rennen Europas.

Italiens Sonderweg
Eine Sonderstellung nimmt Italien ein. Die dortigen Rennpreise sind unterteilt in Rennpreise für den Besitzer, Entgelt für den Trainer, Entgelt für den Fahrer und Züchterprämien. Die veröffentlichte Renndotation umfasst alle Interessengruppen, die Startsumme eines Rennpferdes jedoch zeigt nur das Besitzergeld, ohne Trainer- und Fahrerprozente. Wie ist so etwas unter dem Dach der U.E.T. möglich?

Ein Objekt der „Schummelei“ sind die Züchterprämien. Lt. U.E.T. hat auch Italien zugestimmt, dass ein Gruppe 2-Rennen eine Mindestdotation (engl. purse; franz. allocation) von 50.000 Euro haben soll und über ein Gruppe 1-Rennen mindestens 100.000 Euro stehen sollen.Von 46 Gruppe 2-Rennen in Italien erfüllen nur elf diese Vorgabe. Fünf von 22 Gruppe 1-Rennen in Italien besaßen keinen Mindestrennpreis von 100.000 Euro. Das ist der Grund, warum Italien einen relativ niedrigen Durchschnittsrennpreis von nur 85.000 Euro für die künstlich aufgeblähte Anzahl von 68 Rennen der Gruppe 1 und 2 aufweist.

Die meisten Gruppe 2-Rennen in Italien besitzen lediglich eine Dotation von 36.900 Euro. Unter Hinzurechnung der Züchterprämien gelangt man auf die „offizielle“ Dotierung von 45.100 Euro. Verkauft sich nach außen sicherlich besser. Italien – neuerdings auch Holland – inkludieren die Züchterprämien in die Dotation ihrer Rennen, was einen internationalen Vergleich erschwert. Es wäre Aufgabe der U.E.T., hier endlich Klarheit zu schaffen. So oder so.

Land Gr 1 Gr 2 Nat. Eur./Int. Rennpreise Durchschnitt
FR 23 97 75 45 18.580.000 Euro 154.833 Euro
SE 25 26 8 43 8.718.224 Euro 170.945 Euro
IT 22 46 33 35 5.786.100 Euro 85.089 Euro
NO 4 12 9 7 1.710.482 Euro 106.905 Euro
FI 7 11 14 4 1.726.470 Euro 95.915 Euro
DK 3 7 9 1 743.232 Euro 74.323 Euro
DE 2 4 5 1 686.462 Euro 114.410 Euro
BE 1 1 - 2 200.000 Euro 100.000 Euro
NL - 4 3 1 169.500 Euro 42.375 Euro
ES - 1 1 - 96.000 Euro 96.000 Euro
Summe 87 209 157 139 38.416.470 Euro  
Eur. 3j.         100.000 Euro  
Eur. 5j.         95.670 Euro  
U.E.T.-GP         410.000 Euro  
Trotting M.         420.000 Euro  
Tournee TF         325.000 Euro  
Summe         39.767.140 Euro  

Die höchst dotierten Trabrennen des Jahres 2015 in Europa
Die Top-Ten der höchst dotierten Trabrennen in Europa beginnt bei 400.000 Euro aufwärts. Der Grand Prix d’Amerique (1.000.000 Euro) und die Sattelprüfung Prix de Cornulier (700.000 Euro) waren am wertvollsten. Keineswegs überraschend teilen sich Frankreich und Schweden die Ehre, die meisten höchst dotierten Gruppe-Rennen in Europa anzubieten. In unserer Top 10 befinden sich acht Rennen, die in Frankreich oder Schweden zur Austragung gelangten. Ein Rennen gehört der U.E.T. (Trotting Masters), so dass streng genommen nur ein Rennen mit einem Rennpreis von über 400.000 Euro (Derby Italiano) nicht nach Frankreichs oder Schweden gehört.

Mit derzeitigen Saisongewinnen von 639.600 Euro bei nur sechs Starts steht Up And Quick ganz oben in der Liste der gewinnreichsten europäischen Traber des Jahres 2015, gefolgt von Norwegens Papagayo E. (604.708 Euro).

Rennen Land Rennpreis Ausschreibung Sieger
Pr. d’Amerique FR 1.000.000 Euro International Up And Quick (FR)
Pr. de Cornulier FR 700.000 Euro Intern. / Reiten Roxane Griff (FR)
Derby Italiano IT 630.000 Euro Nat. 3j. Testimonial Ok (IT)
Trav Oaks SE 575.933 Euro Nat. 3j. S Spoil Me (SE)
Elitloppet SE 558.075 Euro Intern. Magic Tonight (US)
Travkriterium SE 548.508 Euro Nat. 3j. Readly Express (SE)
Travderby SE 514.492 Euro Nat. 4j. Conlight As (SE)
Trotting Masters BE 420.000 Euro Intern. Mosiaque Face (SE)
Prix de France FR 400.000 Euro Intern. Timoko (FR)
Prix de Paris FR 400.000 Euro Intern. Up And Quick (FR)

Die höchst dotierten Trabrennen des Jahres 2015 in Nordamerika
Zum Vergleich eine Liste der amerikanischen Trabrennen 2015 mit einer Mindestdotation von 500.000 US-Dollar. Es sind bis auf drei Ausnahmen alles Rennen, die sich an zwei- und dreijährige Pferde wenden. Hier kommt deutlich der Unterschied zwischen dem europäischen und dem amerikanischen Trabrennsport zum Ausdruck. Gewinnreichster Traber 2015 in Nordamerika war der dreijährige Pinkman mit 1.892.865 Dollar Saisongewinne. Mehr als das Doppelte des gewinnreichsten Trabers in Europa.

Rennen Rennpreis Ausschreibung Sieger
Hambletonian 1.000.000 $ 3j. Pinkman
International Trot 1.000.000 $ Ältere Papagayo E. (NO)
Breeders Crown 600.000 $ 2j. S All The Time
Breeders Crown 600.000 $ 2j. H/W Southwind Frank
Canadian Trotting Classic 599.400 $ 3j. Pinkman
Maple Leaf Trot 550.800 $ Ältere Bee A Magician
Breeders Crown 531.250 $ Ältere Creatine
Kentucky Futurity 527.000 $ 3j. Pinkman
Hambletonian Oaks 500.000 $ 3j. S Wild Honey
Breeders Crown 500.000 $ 3j. S Wild Honey
Earl Beal 500.000 $ 3j. Pinkman
Colonial 500.000 $ 3j. Crazy Wow
Yonkers Trot 500.000 $ 3j. Habitat
Breeders Crown 500.000 $ 3j. The Bank

So viel zur Einführung. Kommen wir nun auf die Jahreshöhepunkte in Norwegen, Finnland und Dänemark zu sprechen.

Norwegen
16 Rennen der Gruppe 1 und 2 wurden 2015 in Norwegen abgehalten, die insgesamt 15.692.500 NoK oder umgerechnet ca. 1,7 Millionen Euro Rennpreise zur Ausschüttung brachten. Das sind im Schnitt über 100.000 Euro pro Rennen. Neun Rennen waren national ausgeschrieben, sieben Rennen international. Das ist im Vergleich zu anderen Trabernationen eine prozentual hohe Anzahl internationaler Rennen.

Alle nationalen Gruppe-Rennen sahen unterschiedliche Sieger. Das ist ungewöhnlich. Nur eines von sieben internationalen Gruppe-Rennen gewann ein Pferd der norwegischen Traberzucht (Papagayo E. / Anders Jahres Pokallöp). Norwegens höchst dotiertes Rennen des Jahres, der Oslo Grand-Prix, fiel an den in Schweden geborenen B.B.S.Sugarlight. Der Wallach befindet sich allerdings in norwegischem Besitz. Das wertvollste nationale Rennen, das Derby, gewann Glen Ord Superb.

Außerhalb ihrer nationalen Grenzen waren die norwegischen Traber sehr erfolgreich. Papagayo E. triumphierte im International Trot in New York, Lionel in Frankreich und Support Justice und Dixi Sisu gewannen hoch dotierte Rennen im benachbarten Schweden. Der Sieg von Dixi Sisu war sogar der erste Gruppe-Sieg eines zweijährigen norwegischen Trabers in der Geschichte des norwegischen Trabersports.

Die Pedigrees der Sieger der norwegischen Gruppe-Rennen besitzen oftmals eine Mischung aus amerikanischen und französischen Blutlinien. Es hat den Anschein, dass die norwegische Traberzucht derzeit gut aufgestellt ist. Die Gruppe 1 und 2-Sieger 2015 der norwegischen Traberzucht:

Gruppe-Sieger 2015 Geschl. geb. Vater (Muttervater)
Dixi Sisu Stute 2013 v. Ready Cash (Cantab Hall)
El Toro B.R. Hengst 2012 v. Coktail Jet (Yankee Glide)
Divided By Zero Hengst 2012 v. Ken Warkentin (Huxtable Hornline)
Thai Goodwill Stute 2012 v. Muscle Hill (Conway Hall)
Diadora B.R. Stute 2011 v. Ken Warkentin (SJ’s Caviar)
This Is It Stute 2011 v. Revenue (Armbro Goal)
Glen Ord Superb Hengst 2011 v. Orlando Vici (Freezing Cold)
Victory Lap Hengst 2011 v. Staro Showbiz (Dahir de Prelong)
Papagayo E. Hengst 2010 v. Coktail Jet (Speedy Tomali)
Lionel Hengst 2010 v. Look de Star (Smok’n Lantern)
Support Justice Hengst 2009 v. Kadabra (Lindy Lane)
Angelina B.R. Stute 2008 v. Angus Hall (Pine Chip)

Finnland
18 Rennen der Gruppe 1 und 2, und damit zwei Rennen mehr als in Norwegen, gelangten in Finnland zur Austragung. Das Rennpreisvolumen betrug 1.726.470 Euro oder 95.900 Euro im Durchschnitt. Nur vier Rennen besaßen internationalen Charakter, die restlichen 14 Rennen wendeten sich an Pferde der heimischen Zucht.

Ebenso wie in Norwegen gab es in sämtlichen nationalen Gruppe-Rennen unterschiedliche Sieger. Das meiste Geld räumte Derbysieger Fabrice Duo ab. International blieb die finnische Traberzucht 2015 blass. Kein finnischer Traber gewann ein internationales Gruppe-Rennen. Weder im In- noch im Ausland. Der Schwede Bret Boko sicherte sich den größten Siegerscheck im international konzipierten Finlandia Ajo.

Während finnische Traber der jüngeren Altersklassen gelegentlich erfolgreich im Rahmen skandinavischer Meetings agieren, scheint die finnische Traberzucht in der offenen internationalen Klasse derzeit nicht konkurrenzfähig. Die finnischen Gruppe-Sieger 2015:

Gruppe-Sieger 2015 Geschl. geb. Vater (Muttervater)
Callela Ladyboss Stute 2012 v. Andover Hall (Super Arnie)
Arctic Passion Stute 2012 v. Classic Photo (Dream Vacation)
Proud Sally Stute 2012 v. Diesel Don (Pine Chip)
Elian Web Hengst 2012 v. Like A Prayer (Conway Hall)
Angry Lady Stute 2012 v. Persos Yankee (Andover Hall)
Ranch Newman Hengst 2011 v. Andover Hall (Yankee Glide)
El Catwalk Hengst 2011 v. Classic Photo (Balanced Image)
Fabrice Duo Hengst 2011 v. Classico Merett (Lindy Lane)
Neige du Pommier Stute 2011 v. Le Monteil (Smooth Blend)
Arctic Muscles Hengst 2011 v. Muscles Yankee (SJ’s Photo)
Je l’Adore Stute 2010 v. Dream Vacation (Express It)
Express Duo Hengst 2010 v. Express It (Carpe Diem)
Bosses Lily Hengst 2009 v. The Bosses Lindy (Donerail)
Seabiscuit Wallach 2007 v. Credit Winner (Sugarcane Hanover)

Dänemark
Zehn Gruppe 1- und 2-Rennen standen 2015 in Dänemark auf dem Programm. An Rennpreise wurden 743.232 Euro ausgeschüttet, was einen relativ geringen Schnitt von knapp 74.000 Euro pro Rennen ergibt. Der Copenhagen Cup war das einzige bedeutsame internationale Rennen. Die restlichen neun Gruppe-Prüfungen sahen ausschließlich die nationale Klasse am Start.

Anders als in Norwegen oder Finnland, gelang in Dänemark drei Pferden ein Doppelerfolg in Gruppe-Rennen. Der dreijährige Axel gewann das Kriterium und den Jydsk-Grand Prix, der vierjährige Winston Sisa das Derby und das Grand Circle Championat, und die vierjährige Verify Dust die Stutenabteilung des Jydsk-Grand Prix und des Grand Circle Championats. International war der siebenjährige Repay Merci erfolgreich. Der Hengst gewann in Oslo den Bjerke Cup.

Wir schätzen die dänische Traberzucht derzeit auf einer Stufe mit der Traberzucht in Deutschland ein. Es gibt eine Reihe guter bis sehr guter Traber, die in der zweiten Garnitur der europäischen Top-Rennen eine gute Figur abgeben. Ein Gruppe-Sieg gegen internationale Konkurrenz gelang 2015 nicht.

Der SJ’s Photo-Sohn Ens Snapshot ist im Moment der begehrteste Deckhengst Dänemarks. Sein Sohn Winston Sisa stand 2015 an der Spitze der gewinnreichsten Traber Dänemarks und scheint Dänemarks größte Hoffnung auf kommende internationale Meriten zu sein. Die dänischen Gruppe-Sieger 2015:

Gruppe-Sieger 2015 Geschl. geb. Vater (Muttervater)
Axel Wallach 2012 v. Love You (Buckfinder)
Awsome Annie Stute 2012 v. Västerbo Prestige (Lindy’s Crown)
Ultimate Wine Stute 2011 v. Chocolatier (Mack Lobell)
Verify Dust Stute 2011 v. Credit Winner (Muscles Yankee)
Unik Tamsen Wallach 2011 v. Ens Snapshot (Dream Lover)
Winston Sisa Hengst 2011 v. Ens Snapshot (Carmody Lobell)
Repay Merci Hengst 2008 v. Offshore Dream (Super News)