Das war 2015 (II)
vom 09.12.2015

Deutschland – Holland – Spanien – (Österreich, Belgien, Schweiz)

(jg) – Unser zweiter Teil des züchterischen Jahresrückblicks befasst sich mit den Saisonhöhepunkten der kleineren Traber-Sportnationen Mittel- und Südeuropas.

Deutschland
Ja, der deutsche Trabersport ist im Vergleich zu anderen Traber-Nationen Europas mittlerweile in unteren Liga-Bereichen anzusiedeln. Obwohl, die Summe der Dotationen für die wenigen Top-Rennen der Saison 2015 war durchaus Erstliga tauglich. 686.462 Euro Rennpreise wurden für sechs Gruppe 1- und Gruppe 2-Rennen ausgeschüttet, was einen Durchschnittsrennpreis von über 114.000 Euro ergibt. Das Derby-Finale (225.068 Euro) und der Große Preis von Deutschland (200.000 Euro) konnten sich, gemessen an ihren Rennpreisen, durchaus mit anderen internationalen Großereignissen vergleichen. Da die Breeders Crown der vierjährigen Stuten nur 10 Starter unter Order sah und auf ein Entlastungsrennen verzichtet werden konnte, wurde sogar ein Gruppe 2-Rennen mehr gelaufen als veranschlagt.

Neben den nationalen Gruppe-Rennen in Deutschland, Derby (Sieger: Ferrari Kievitshof), Breeders Crown 4j. Stuten (Sieger: Emma de Quattro), Breeders Crown ältere Stuten (Sieger: Elma Lane) und Breeders Crown ältere Hengste/Wallache (Sieger: Punk), punktete die deutsche Traberzucht noch zwei weitere Male im Ausland.

Duke of Greenwood gewann in Oslo das Europamatch der Vier- und Fünfjährigen und Indigious holte sich den Sieg im Harpers Hanover Lopp in Solvalla. Der Prodigious-Sohn des Stalles Express befindet sich aktuell bei Fabrice Souloy im Training und wird sicherlich demnächst im Pariser Wintermeeting eingesetzt werden.

Das einzige international ausgeschriebene Gruppe-Rennen, der Große Preis von Deutschland, gewann der vierjährige Amerikaner Exodus Hanover (v. Andover Hall). Einziges deutsches Pferd in den Geldrängen war hier Jamil Cortina (v. Ganymede). Die Tingel-Tangel-Rennen der Tour Europeen du Trotteur Francais für französische Pferde auf außer französischen Rennbahnen haben wir in unserer Rückschau außer Acht gelassen.

Die Abstammungen der sieben deutschen Gruppe-Sieger 2015 sind in etwa ein Spiegelbild der augenblicklichen deutschen Traberzucht. Während der deutsche Traberzüchter in der Auswahl des passenden Hengstes für seine Stute vermehrt zum preisgünstigen Franzosen aus der Gefriertruhe tendiert, basiert der Stuten-Stamm zu 100 Prozent auf amerikanischem Blut. Drei Sieger stammen von einem amerikanischen Hengst, drei von einem Franzosen. Der Siebte besitzt einen französischen Großvater väterlicherseits.

Die Mütter der Sieger sind fast alle mehr oder weniger deutscher Herkunft. Derby-Sieger Ferrari Kievitshof stammt als einziger deutscher Gruppe-Sieger aus einer 100 Prozent amerikanischen Stute. Die Gruppe 1 und 2-Sieger 2015 der deutschen Traberzucht:

Gruppe-Sieger 2015 Geschl. geb. Vater (Muttervater)
Ferrari Kievitshof Hengst 2012 Credit Winner (Balanced Image)
Indira Bo Stute 2012 Revenue (SJ’s Photo)
Emma di Quattro Stute 2011 Ganymede (Toss Out)
Elma Lane Stute 2010 Lindy Lane (Super Bowl)
Duke of Greenwood Hengst 2010 Otello Pierji (Meadow Road)
Punk Hengst 2009 Angus Hall (SJ’s Photo)
Indigious Hengst 2009 Prodigious (Super Arnie)

Holland
Unser Nachbar Holland verdoppelte die Anzahl der Gruppe 1- und Gruppe 2-Rennen in diesem Jahr durch die Aufwertung der Fokkers Trofee (3j.) und der Kampioenschap (4j.) auf Gruppe 2-Status. Eigentlich ein Unding, wenn man sich die Dotation dieser Rennen von 21.500 Euro bzw. 26.000 Euro anschaut. Außerdem war Holland 2015 Ausrichter des U.E.T.-Grand Prix-Finales, was die Anzahl der Gruppe-Rennen insgesamt auf noch nie dagewesene fünf Rennen brachte.

International gab es für Pferde der holländischen Traberzucht auf Gruppe-Niveau 2015 keinen Blumenstrauß zu gewinnen. Die beiden Gruppe-Rennen im eigenen Land fielen an Pferde der französischen Traberzucht. Der Prijs der Giganten fiel an den Prix d’Amerique-Zweiten Voltigeur de Myrt und den Großen Preis der U.E.T. sicherte sich Jung-Star Bold Eagle.

Die holländischen Gruppe-Sieger wurden in drei national ausgeschriebenen Rennen ermittelt. Das Derby um lächerliche 52.000 Euro fiel an die Explosive Matter-Tochter Fidelity Rhythm, die Fokkers Troffee an den Russel November-Sohn Facebook und die Kampioenschap der Vierjarigen an die Orlando Vici-Tochter Early Stardust.

Die holländische Traberzucht befindet sich schon seit längerer Zeit in einer Auflösungsphase. Ein nicht unerheblicher Teil hat sich der deutschen Traberzucht angeschlossen, wird aber vermutlich auch hier nicht glücklich werden. Das Rennpreisniveau für die deutsche Zucht wird, analog zu Holland, auf Dauer nicht zu halten sein. Die Gruppe 1 und 2-Sieger 2015 der niederländischen Traberzucht:

Gruppe-Sieger 2015 Geschl. geb. Vater (Muttervater)
Fidelity Rhythm Stute 2012 Explosive Matter (Tagliabue)
Facebook Hengst 2012 Russel November (Super Arnie)
Early Stardust Stute 2011 Orlando Vici (Super Arnie)

Spanien
Bevor wir unser Schweigen über die Traberzuchten in Österreich, Belgien und der Schweiz kund tun müssen, wenden wir uns mit Freude und Erstaunen gleichermaßen der Traberzucht in Spanien zu. Zum ersten Mal in der Geschichte der spanischen Traberzucht gelang einem Zuchtprodukt dieses Landes ein Gruppe 1-Erfolg auf außer spanischem Territorium.

Die Rede ist von Trebol, dem am 27. Juni in Finnland im Kymi Grand Prix gegen Oasis Bi und Maven der historische Wurf gelang. Der achtjährige Hengst ist ein Kreuzungsprodukt der französisch/amerikanischen Traberzucht und wahrscheinlich einer der letzten Nachkommen aus der Hengst-Linie von Calumet Delco.

Das einzige nationale Gruppe 2-Rennen Spaniens, der Gran Premio Nacional, dotiert mit stolzen 96.000 Euro, fiel an den From Above-Sohn Coktail Blai. Wir mögen in Deutschland erstaunt sein über die zum Teil beachtliche Qualität spanischer Zuchtprodukte. Coktail Blais Mutter ist eine Love You-Tochter. Viel besser geht es nicht. Die Gruppe 1 und 2-Sieger 2015 der spanischen Traberzucht:

Gruppe-Sieger 2015 Geschl. geb. Vater (Muttervater)
Coktail Blai Hengst 2012 From Above (Love You)
Trebol Hengst 2007 Hot Blues (Prince Mystic)

Die restlichen Traberzuchten in Mitteleuropa haben 2015 leider keine „Headlines“ erzeugt. Der österreichische Trabrennsport ringt wie der Trabrennsport in Deutschland mit dem Überleben. Rennen auf Gruppe-Niveau fanden 2015 in Österreich nicht statt. Österreichische Zuchtprodukte haben an europäischen Gruppe-Rennen nicht einmal teilgenommen.

Die Traberzucht in der Schweiz ist praktisch zu 100 Prozent in die französische Traberzucht eingetreten. Sie hat sich quasi aufgelöst. Ähnliches gilt für Belgien, das 2015 Ausrichter des Masters Finale war (Sieger: Mosaique Face) und der internationalen Gruppe-Rennen Grand Prix de Wallonie und Prix de Stad Waregem. Das Gruppe 1-Rennen in Mons fiel an die italienische Traberzucht (Sieger: Princess Grif), während in Waregem die französische Zucht durch Vic Felin siegreich war.