Der Beste seit Muscle Hill?
vom 10.11.2016

(jg) – Amerikas Traberszene ist nicht arm an hoffnungsvollen, jungen Talenten. Wer jedoch in den letzten Monaten die Auftritte des zweijährigen Hengstes Walner verfolgt hat, kommt nicht umhin, einen kommenden Superstar gesehen zu haben.

Walner hat seinen Namen in Erinnerung an die schwedische Trainer- und Fahrerlegende Hakan Wallner erhalten. Gemeinsam mit seinem Partner Berndt Lindstedt zählte Hakan Wallner in den 70er Jahren zu den ersten europäischen Trainern, die in Nordamerika Fuß gefasst hatten. Mittlerweile ist die Präsens skandinavischer Trainer in der neuen Welt gang und gäbe.

Das Pferd Walner begann seine Rennkarriere mit zwei Siegen in Baby Races auf The Meadowlands. Es handelt sich hierbei um Aufbaurennen ohne Rennpreise. Die ersten öffentlichen Auftritte des Hengstes in New York Sires Stakes-Rennen in Vernon Downs bzw. Saratoga gewann Walner jeweils überlegen. Es folgte ein siegreicher Probelauf am 2. September auf The Meadowlands, der nach einmonatiger Rennpause als Vorbereitung auf die Rennen zum Saisonschluss gedacht war.

Der Auftakt zum Saisonfinale in einem Rennen der Kindergarten Serie endete jedoch mit einem Fehler und befleckt seitdem die ansonsten blütenweiße Weste Walners. Die Rehabilitierung erfolgte jedoch umgehend mit mehr als sechs Längen Vorsprung in 1:10,7.

Die letzten Rennen der Saison waren dann eine einzigartige Demonstration der Überlegenheit. In einer Abteilung der International Stallion Stakes am 16. Oktober fertigte Walner die Konkurrenz mit mehr als drei Längen in 1:09,4 ab. So schnell ist noch kein zweijähriger Hengst über die Meile getrabt – Weltrekord! Auch die folgenden Siege in der Breeders Crown und im Finale der Kindergarten Serie fielen jeweils hoch überlegen aus und festigten die Meinung der Experten, dass Walner der uneingeschränkte Favorit auf das Hambletonian 2017 ist.

Nach acht Lebensstarts und sieben Siegen stehen nun 489.050 Dollar auf dem Konto des Hengstes, der seinem Besitzer Kenneth Jacobs 90.000 Dollar als Jährling gekostet hat. Züchter von Walner ist die Finnin Riina Rekilä, die sich auch als Trainerin von E L Titan einen Namen gemacht hat.

Die bisherige Rennkarriere von Walner

18.06. Meadowlands Baby Race 1. 1:13,7 -
02.07. Meadowlands Baby Race 1. 1:13,2 -
21.07. Vernon Downs New York Sires 1. 1:12,0 19.000 $
02.08. Saratoga New York Sires 1. 1:13,5 26.750 $
02.09. Meadowlands Probelauf 1. 1:12,1 -
09.09. Meadowlands Kindergarten, Vorl. 6. 1:13,2 -
16.09. Meadowlands Kindergarten, Vorl. 1. 1:10,7 5.000 $
06.10. Red Mile International Stallion 1. 1:09,4 28.000 $
22.10. Meadowlands Breeders Crown, Vorl. 1. 1:10,6 10.000 $
29.10. Meadowlands Breeders Crown 1. 1:10,2 300.000 $
05.11. Meadowlands Kindergarten 1. 1:10,5 100.300 $

Chapter Seven – das Rennpferd
Walner stammt aus dem ersten Jahrgang von Chapter Seven, der wie sein Sohn Walner zweijährig sieben seiner acht Auftritte gewann. Die Mehrzahl der sieben Siege erfolgte allerdings gegen Sires Stakes-Konkurrenz und nicht gegen die Creme seines Jahrgangs.

Eine Erkrankung von Chapter Seven zu Beginn der Dreijährigensaison machte eine Saisonplanung im Hinblick auf das Hambletonian zunichte. Dieses Rennen kam zu früh. Wohl gewann Chapter Seven beim Saisondebüt drei Wochen vor dem Hambletonian eine Abteilung des Stanley Dancer Memorials in 1:10,7, aber in einem Hambletonian-Vorlauf musste sich Chapter Seven als 14:10-Favorit dem späteren Hambletonian-Sieger Broad Bahn geschlagen geben. Im Finale wurde der Hengst Vierter.

Der Rest der Saison und das darauf folgende Jahr als Vierjähriger war für Chapter Seven nur noch ein Schaulaufen. Zwischen Oktober 2011 und November 2012 nahm Chapter Seven an 15 Rennen teil, von denen er 12 gewann und dreimal Zweiter wurde. Zwei Breeders Crown-Siege als Drei- und Vierjähriger sowie die Einstellung des damaligen Traber-Weltrekords von 1:08,5 bildeten die Krönung einer grandiosen Rennlaufbahn mit 20 Siegen in 28 Rennen und Gewinne von 1.954.966 Dollar.

Chapter Seven – der Zuchthengst
Chapter Sevens erster Jahrgang wurde 2014 geboren und besteht aus 84 Nachkommen in Nordamerika. In Schweden haben wir drei Nachkommen entdeckt, in Dänemark einen. Alle Pferde stammen aus Bedeckungen in den USA, denn Gefriersamen von Chapter Seven stand in Europa bislang nicht zur Verfügung.

In Nordamerika sind bislang 53 zweijährige Nachkommen von Chapter Seven mit Gewinnen von 1.571.521 Dollar gestartet. Damit belegt der Hengst in der nordamerikanischen Vaterpferde-Statistik zweijähriger Nachkommen Platz drei hinter Muscle Hill und Cantab Hall.

Aber Walner ist nicht der einzige Nachkomme von Chapter Seven, der zu gefallen wusste. Wir nennen des Weiteren Seven And Seven 2, 1:11,8 (173.059 $), Sieger im William Wellwood Memorial, Kanadas wertvollstes Zweijährigen-Rennen, Mamora Bay 2, 1:13,6 (182.371 $) und Amber Ella 2, 1:12,7 (111.521 $). Die Durchschnittspreise seiner Jährlinge in Lexington und Harrisburg beliefen sich auf mehr als 50.000 Dollar. Umso bemerkenswerter ist, dass die Decktaxe für Chapter Seven für die kommende Decksaison nicht angehoben worden ist. Sie beträgt 7.500 Dollar für das lebende Fohlen.

Walners Familie
Oberflächlich betrachtet erscheint die mütterliche Herkunft des aktuellen Weltrekordtrabers nicht sonderlich attraktiv. Sieht man einmal von Walners Mutter Random Destiny v. Ken Warkentin ab, so sind nur drei der 14 direkten mütterlichen Vorfahren von Walner siegreich gewesen. Das einzige nennenswerte Rennpferd in der langen Kette mütterlicher Vorfahren Walners ist die 1930 geborene Hollyrood Portia, Dritte im Kentucky Futurity 1933 und Halbschwester zum Deckhengst Truax.

Walners Mutter Random Destiny müssen wir aber hiervon ausnehmen und hervorheben. Diese Stute nimmt unseres Erachtens eine nicht unwesentliche Stellung in der Würdigung von Walners Pedigree ein. Mit elf Siegen in Ontario Sires Stakes-Rennen inklusive Super- und Gold-Finals, einem Rekord von 1:10,6 und Gewinnen von 658.314 Dollar war Random Destiny 2010 Kanadas „Dreijährige Traberstute des Jahres“. Walner ist ihr zweiter Nachkomme.

Weitere nennenswerte Nachkommen aus der direkten Mutterlinie Walners sind Dell Ridge Image (1992 v. Balanced Image), Sieger im William Wellwood Memorial und Deckhengst in Schweden, sowie in der deutschen Traberzucht Miss Orkney (1974 v. Speedy Scot a.d. Perfect Nanny). Diese Stute brachte 15 Fohlen zur Welt, u.a. die von Albert Lücke, Nordkirchen, gezüchtete Racy Girl 1:16,1 (41.108 Euro), Mutter der Breeders Crown-Siegerin Donna Clara 1:12,8 – 127.031 Euro (2004 v. O’Connor) und des nach Amerika ausgeführten Racy Star 1:12,1 – 120.000 Dollar (1995 v. Shane Scottseth).

Der zukünftigen Rennkarriere von Walner sehen wir mit großer Ungeduld entgegen. Die Leichtigkeit seiner Erfolge war frappierend und vielversprechend. Sollte dem Hengst gesundheitlich etwas mehr Glück beschieden sein als seinem Vater Chapter Seven, dann sehen wir in ihm den möglichen Star der amerikanischen Rennsaison des kommenden Jahres.

Walners Weltrekordlauf 1:09,4

http://harnessracingfanzone.com/2016/10/walner-trots-world-record-international-stallion-stakes/