Die Hall-Brüder
vom 28.11.2016

Conway Hall - Angus Hall - Andover Hall

(jg) – Wer die Abstammungen erfolgreicher Rennpferde verfolgt, dem springen immer wieder die drei Vollbrüder Conway Hall, Angus Hall und Andover Hall ins Auge.

Kein anderes Geschwister-Trio hat in den vergangenen Jahren die Traberzucht diesseits und jenseits des großen Ozeans dermaßen geprägt. Ihr Vater Garland Lobell war ein Geschenk des Himmels, denn als sogenannter Outcross-Hengst hat er seinen Söhnen Tür und Tor zu einer erfolgreichen Gestütskarriere geöffnet. Traber-News.com zieht ein vorläufiges Resümee.

Die Rennkarrieren
Sowohl Conway, Angus als auch Andover Hall waren außergewöhnlich erfolgreiche Rennpferde. Conway Hall und Andover Hall durften sich zweijährig mit dem Titel „Zweijähriger Traber des Jahres“ schmücken und Angus Hall und Andover Hall sind zudem als Weltrekordler in den Annalen verzeichnet.

Zweijährig am erfolgreichsten war Andover Hall, der nur sein letztes Saisonrennen, die Breeders Crown, als 11:10-Favorit in den Sand gesetzt hat. Ansonsten gab es an der ersten Rennsaison des Jüngsten der drei Brüder nichts auszusetzen. Dreijährig lief es für Andover Hall nicht ganz so toll. Zwar siegte der Hengst im World Trotting Derby, war ansonsten aber in den großen Jahrgangsrennen oft geschlagen. Mit einem Rekord von 1:09,4 und 870.510 Dollar Gewinne ist der Hengst trotzdem der Schnellste, Gewinnreichste und mit einem Stockmaß von 165 cm körperlich auch der Größte der drei Brüder. Andover Halls schärfste Konkurrenten im Jahrgang hießen übrigens Kadabra und Like A Prayer.



Andover Hall, geb. 1999

Alter Starts 1. 2. 3. Rekord Gewinne
2j. 9 8 0 0 1:12,3 450.920 $
3j. 13 3 5 2 1:09,4 419.590 $
  22 11 5 2   870.510 $

Die insgesamt ausgeglichenste Rennkarriere besaß Conway Hall, der sowohl zwei- als auch dreijährig mehrere Rennen auf dem US-Grand Circuit gewann. Am Jahrgangs-Primus Muscles Yankee jedoch kam er nicht vorbei. Dafür startete Conway Hall als einziger der drei Hall-Brüder in Europa und gewann mit Jos Verbeeck das Orsi-Mangelli. Der Hengst ist mit 157 cm Stockmaß der Kleinste der Hall-Brüder.



Conway Hall, geb. 1995

Alter Starts 1. 2. 3. Rekord Gewinne
2j. 12 7 2 2 1:12,6 234.530 $
3j. 17 6 5 3 1:10,5 584.354 $
  29 13 7 5   818.884 $

Angus Hall, im Typ seinem älteren Bruder Conway Hall sehr ähnlich, mit 163 cm Stockmaß aber näher an Andover Hall, war der erste Traber Amerikas, der sowohl zwei- als auch dreijährig schneller als 1:11,5 (1:55) siegreich war. In den wichtigsten Rennen seines Jahrgangs war er oft Zweiter oder Dritter, z.B. Zweiter im Hambletonian und Dritter im Kentucky Futurity, im Valley Victory und zwei- und dreijährig in der Breeders Crown. Sein größter Konkurrent im Jahrgang hieß Self Possessed.



Angus Hall, geb. 1996

Alter Starts 1. 2. 3. Rekord Gewinne
2j. 13 6 2 3 1:11,2 229.203 $
3j. 13 2 5 4 1:10,0 601.451 $
  26 8 7 7   830.654 $

Die Zuchtkarrieren

Die bisherige Zuchtstatistik der drei Hengste ist imponierend. Angus Hall besitzt in Nordamerika bis dato die meisten Nachkommen, und seine Kinder haben auch das meiste Geld verdient. Die meisten Nachkommen in der elitären Speed-Klasse 1:55 (1:11,5) weist allerdings Andover Hall auf. Auch im Durchschnitt der Gewinne seiner Nachkommen liegt Andover Hall in Front.

Die Zuchtkarrieren der drei Hall-Brüder unterscheiden sich allerdings deutlich von einander. Während Andover Hall von Anbeginn Zugang zu den blaublütigen Stuten der Hanover Shoe Farm in Pennsylvania besaß, traf Angus Hall in Kanada auf eine große Anzahl Stuten, die aus den Provinzen Ontario und Quebec stammten. Das war nur selten das aktuell Beste, es war ein Gemisch aus älteren und bewährten Stutenlinien.

Conway Hall hingegen begann seine Zuchtkarriere in Kentucky, wo ihm durchaus Qualität zur Verfügung stand. Aber Kentucky war damals im Begriff, seine Attraktivität mangels Rennbahnen und eines ungenügenden Sires Stakes-Programms zu verlieren. Dem Ende der Castleton Farm folgte der Exodus von Zuchthengsten und Zuchtstuten aus Kentucky. Conway Hall wurde im Zuge dessen nach New York überstellt, wo er noch heute tätig ist.

In Nordamerika

  Nachkommen Starter in 1:55 Gewinne
Angus Hall 1.592 1.188 96 87.937.998 $
Conway Hall 1.463 1.082 95 77.893.466 $
Andover Hall 1.073 728 114 69.295.693 $

Die meisten Nachkommen der drei Hall-Brüder in der deutschen Traberzucht besitzt bislang Conway Hall. Das liegt vielleicht auch daran, dass er mit einer augenblicklichen Decktaxe von 5.000 Dollar der Preiswerteste ist. Paymybills Diamant, Iniesta und Broadwell sind seine erfolgreichsten Nachkommen hierzulande.

Unter Angus Halls Nachkommen in Deutschland ragen Punk und Cantab Hall.de heraus. Andover Halls Aushängeschild bei uns ist Indover. Bei allen drei Hengsten liegt die Quote der gestarteten Pferde sehr hoch.

In Deutschland

  Nachkommen Starter Gewinne ausgeführt
Conway Hall 40 25 424.830 Euro 4
Angus Hall 13 10 193.170 Euro 4
Andover Hall 24 15 120.836 Euro 4

Crosses of Gold

Eine Bestätigung unserer Thesen liefert eine Übersicht, mit welchen Stuten die drei Hall-Brüder überwiegend gepaart worden sind und welche Zuchtverbindungen am erfolgreichsten waren. 112 Andover Hall-Nachkommen in Nordamerika stammen aus Donerail-Töchtern, 77 besitzen Muscles Yankee als Muttervater, 71 Valley Victory, 66 Yankee Glide und 63 Andover Hall-Nachkommen stammen aus Lindy Lane-Töchtern. Alles Stuten der Valley Victory-Hengstlinie.

Andover Hall-Nackommen

Muttervater Nachkommen Durchschnittsgewinne
Donerail 112 92.247 $
Muscles Yankee 77 104.532 $
Valley Victory 71 77.975 $
Yankee Glide 66 73.894 $

Bei Angus Hall sieht das Bild etwas anders aus. 187 seiner Nachkommen besitzen Balanced Image zum Muttervater, was sich aber für die Zuchtkarriere des Hengstes nicht wie gewünscht segensreich erwiesen hat. 63 Angus Hall-Nachkommen stammen aus Töchtern von King Conch und 66 besitzen Valley Victory zum Muttervater. Auch hier zeigt sich, dass Stuten der Valley Victory-Hengstlinie den bevorzugten Blutanschluss geboten haben.

Angus Hall-Nachkommen

Muttervater Nachkommen Durchschnittsgewinne
Balanced Image 187 50.674 $
Valley Victory 66 108.488 $
King Conch 63 84.915 $
Speedy Crown 60 30.192 $

Die meisten Nachkommen von Conway Hall stammen aus Super Bowl-Töchtern (77), gefolgt von 75 Nachkommen mit Valley Victory als Muttervater und 66 aus Stuten von Donerail. Die Verbindung mit Valley Victory-Töchtern hat sich auch hier als überlegen erwiesen.

Conway Hall-Nachkommen

Muttervater Nachkommen Durchschnittsgewinne
Super Bowl 77 38.381 $
Valley Victory 75 112.553 $
Donerail 66 34.917 $
Muscles Yankee 61 82.817 $

Die erfolgreichsten Nachkommen

Es ist nicht immer einfach, US- und Euro-Gewinne in Relation zu stellen. Die Umrechnungskurse ändern sich jährlich. Manche Gewinne sind zudem mehrfach umgerechnet worden. Das kann zu Irretationen führen. Zum besseren Vergleich haben wir die Gewinne der in Europa stationierten Pferde in US-Dollar umgerechnet, um so ein besseres Bild zu erhalten. Nach dem derzeitigen Stand der Dinge sehen die Erfolgsstatistiken wie folgt aus:

Andover Hall

Nachkomme Sex geb. Gewinne Muttervater
Nuncio* H 2011 3.263.629 $ Lindy Lane
Donato Hanover H 2004 2.998.777 $ Donerail
Creatine H 2010 2.102.022 $ Muscles Yankee
Pampered Princess S 2004 1.648.362 $ Donerail
Brad De Veluwe H 2008 1.254.129 $ Muscles Yankee
Spider Blue Chip W 2010 1.243.897 $ Muscles Yankee
Adrian Chip* H 2004 1.207.665 $ Pine Chip
Cedar Dove S 2008 1.178.930 $ Pine Chip
Magic Tonight* H 2009 1.160.341 $ Self Possessed
Beatgoeson Hanover* S 2008 1.157.830 $ Defiant Yankee

*exportiert nach Europa

Andover Halls bisherige Zuchtbilanz ist in jeder Hinsicht überzeugend. Erwähnenswert ist, dass drei seiner gewinnreichsten Nachkommen aus seinem ersten Jahrgang stammen (Donato Hanover, Pampered Princess und Adrian Chip), aber seine nächsten drei Jahrgänge in der Top-Liste nicht vertreten sind. Mit Donato Hanover als Aushängeschild seines ersten Jahrgangs scheint ab der Zuchtsaison 2007 die Qualität der ihm zugeführten Stuten noch einmal einen Schub bekommen zu haben.

Der finnische Traber Brad De Veluwe ist der einzige in Europa geborene Nachkomme in Andover Halls Top Ten. Er stammt aus der in Finnland geborenen Muscles Yankee-Tochter Amazing Ride.

Auffällig ist, dass Andover Halls beste Nachkommen sämtlich aus Valley Victory-Enkelinnen stammen. Dieses Schema tritt bei seinen Brüdern nicht so deutlich hervor. Am wenigsten bei Angus Hall, dessen erfolgreichste Nachkommen aus Töchtern von Speedy Crown-Söhnen stammen. Das spricht für unsere These, dass Andover Hall qualitativ bessere Stuten erhalten hat als seine Brüder.

In der Generationenfolge ist eine Lindy Lane-, Donerail- oder Muscles Yankee-Tochter einer Stute von Royal Prestige oder King Conch um drei Generationen voraus. Unter den zehn gewinnreichsten Nachkommen von Andover Hall finden wir zudem keinen Einzigen, dessen Mutter von einem Hengst der Star’s Pride-Linie abstammt. Anmerken möchten wir, dass Andover Hall als jüngster der drei Brüder z.Zt. die wenigsten Jahrgänge im Rennbetrieb besitzt.

Angus Hall

Nachkomme Sex geb. Gewinne Muttervater
Peaceful Way* S 2001 2.746.240 $ Royal Prestige
Majestic Son* H 2003 1.756.883 $ King Conch
Elusive Desire* S 2006 1.275.827 $ Valley Victory
Winning Mister H 2006 1.116.484 $ American Winner
Frenchfrysnvinegar S 2005 1.084.814 $ Fool Me Not
Laddie* H 2004 982.607 $ Valley Victory
Orsia S 2008 899.485 $ Zebu
Tamarind H 2008 870.354 $ SJ’s Photo
I Won’t Dance W 2006 803.656 $ Valley Victory
Cincinnati Kid* H 2001 744.606 $ Supergill

*exportiert nach Europa

Auch Angus Hall besaß seinen Türöffner bereits im ersten Jahrgang. Es war die Stute Peaceful Way. In den letzten Jahren ist es allerdings um Angus Hall wesentlich ruhiger geworden.

Die überwiegende Anzahl der mütterlichen Pedigrees der besten Nachkommen von Angus Hall erweisen sich als relativ alt. Die Generationsfolge gegenüber den Abstammungen der besten Nachkommen seiner beiden Brüder ist vielfach um eine Generation älter. Der Muttervater Zebu z.B. wurde 1977 geboren, Royal Prestige 1983, Supergill 1985, Valley Victory 1986 und King Conch 1989. Das hat dazu geführt, dass Angus Hall in Nordamerika über keinen männlichen Nachfolger verfügt. Sein erfolgreichster Sohn Majestic Son deckt mittlerweile Down Under.

Conway Hall

Nachkomme Sex geb. Gewinne Muttervater
Wishing Stone H 2007 2.359.150 $ Valley Victory
Windsong’s Legacy H 2001 1.744.644 $ Prakas
Win Missy B S 2009 1.599.436 $ American Winner
Algiers Hall* H 2003 1.393.137 $ American Winner
Habitat* H 2012 1.262.221 $ Muscles Yankee
Make It Happen* H 2005 947.829 $ Valley Victory
Creamy Mimi S 2005 927.169 $ Pine Chip
Barn Doll S 2012 808.971 $ Yankee Glide
Four Starz Speed W 2005 760.581 $ Armbro Iliad
Aisling W 2004 704.998 $ Victory Dream

*exportiert nach Europa

Ebenso wie seine Brüder gelang auch Conway Hall ein perfektes Zuchtdebüt. Aus seinem ersten Jahrgang stammt Broadway Hall, der zweijährig in neun Starts ungeschlagen war. Der Hengst blieb es auch, denn auf Grund einer Verletzung kam er nie mehr an den Ablauf. Conway Halls zweiter Jahrgang besaß seinen Star in Windsong’s Legacy, der dreijährig die Triple Crown gewann.

Es scheint, dass Conway Hall über seinen Enkel Chapter Seven derzeit der aussichtsreichste Anwärter im Hinblick auf das Erbe seines Vaters Garland Lobell ist. Die Hoffnung, dass Donato Hanover oder ein anderer Andover Hall-Sohn einen männlichen Nachkommen von dauerndem Einfluss hinterlässt, wird mittlerweile als bescheiden eingestuft. Doch wer weiß, in der Zucht sind immer wieder unvorhergesehene Ereignisse geschehen. Das beste Beispiel ist Garland Lobell selbst. Das macht den Reiz des Züchtens aus.