Die Traberzucht in Schweden
vom 03.09.2015

(jg) – Die Traberzucht in Schweden ist eine relativ junge Zucht. Das typische Wagenpferd Skandinaviens war lange Zeit das norwegische Kaltblutpferd.

Erst um 1920 gelangten erste bedeutsame amerikanische Importe nach Schweden, auf denen die heutige Traberzucht in Schweden basiert. Die Menhammar Stuteri der Familie Wallenius-Kleberg zählt zu den bekanntesten und ältesten Pferdezuchtstätten Schwedens. Das erste schwedische Trav-Kriterium wurde 1927 entschieden.

Mit diesen einleitenden Sätzen sollte klar sein, dass die schwedische Traberzucht auf der Grundlage amerikanischer Importe in kürzester Zeit zu einem Leader im europäischen Trabrennsport geworden ist. Insbesondere nach 1945 nahmen die internationalen Erfolge schwedischer Traber stetig zu. Die Stute Frances Bulwark (geb. 1945) v. Bulwark (US) – Frances Great (US) mit Sören Nordin stritt gemeinsam mit unserem Permit um die Vorherrschaft im europäischen Trabrennsport. Mit dem Amerikaner Scotch Fez triumphierte Sören Nordin 1950 im Prix d’Amerique. Die Gebrüder Gösta (geb. 1912), Gunnar (geb. 1914) und Sören Nordin (geb. 1917) waren schwedische Trainer-Idole, denen der schwedische Trabersport viel zu verdanken hat.

Wie letzte Woche bei unserer statistischen Auswertung über die Traberzucht in Italien, basiert auch unsere heutige Untersuchung auf den Siegern sämtlicher Gruppe 1- und Gruppe 2-Rennen der Geburtenjahrgänge 2000 bis 2012, sowie den Zweit- und Drittplatzierten der europäischen Gruppe 1-Rennen der schwedischen Traberzucht.

Vaterpferde amerikanischer Herkunft dominieren

Diese Titelzeile hatten wir bereits für unsere Untersuchung der italienischen Traberzucht gewählt. Sie trifft in noch größerem Maße auf Schweden zu. Waren es in der italienischen Traberzucht 44 Prozent Hengste amerikanischer Herkunft, so finden wir in Schweden nahezu 60 Prozent amerikanische Hengste als Väter der großen Sieger. Allerdings auch hier, wie in Italien, mit abnehmender Tendenz in Bezug auf die letzten drei Jahrgänge.

Nationalität Vater

Jahrgang

2000 - 2012

Jahrgang

2010 - 2012

Amerika 59 % 51 %
Schweden 12 % 19 %
Frankreich 15 % 15 %
Europa 14 % 15 %

Vaterpferde schwedischer Herkunft spielen in ihrer Heimat eine eher untergeordnete Rolle. From Above, Enjoy Lavec oder Gigant Neo sind hervorzuheben. Sie stehen als Gruppe in etwa auf einer Stufe mit französischen Vaterpferden und Vaterpferden aus dem übrigen Europa. Love You, Orlando Vici, Offshore Dream und in jüngster Zeit Ready Cash sind französische Hengste, deren Nachkommen in Schweden insbesondere erfolgreich waren.

Die Gruppe der europäischen Hengste wird von den Italienern Viking Kronos und Varenne angeführt. Diese beiden Hengste zusammen stellen mehr als zwei Drittel aller großen Sieger, die keinen amerikanischen, schwedischen oder französischen Vater besitzen.

Super Bowl-Hengstlinie am erfolgreichsten

Traditionell sind die männlichen Nachkommen von Star’s Pride in der skandinavischen Traberzucht tonangebend. Quick Pay und Lindy’s Crown z.B. zählten zu den erfolgreichsten Vererbern von Star’s Pride in Schweden. Lange Zeit waren auch die Nevele Pride-Söhne Zoot Suit und Pershing gut im Geschäft.

Seit der Jahrtausendwende sind die Super Bowl-Nachfahren allen anderen Hengstlinien um Längen voraus. Sie stellen fast doppelt so viele Gruppe-Sieger (28 %) wie die nächst erfolgreiche Hengstlinie in Schweden. Zu ihren erfolgreichsten Vertretern zählten Super Arnie, der American Winner-Sohn Viking Kronos und Express Ride.

Die Abkürzungen in unserer Tabelle bedeuten
SB = Hengste aus der direkten Linie von Super Bowl
AA = Hengste aus der direkten Linie von Arnie Almahurst
SC = Hengste aus der direkten Linie von Speedy Crown (ohne Valley Victory)
VV = Hengste aus der direkten Linie von Valley Victory
SP = Hengste aus der direkten Linie von Star’s Pride (ohne Super Bowl)
GL = Hengste aus der direkten Linie von Garland Lobell
CJ = Hengste aus der direkten Linie von Coktail Jet
SdJ = Hengste aus der direkten Linie von Sharif di Jesolo
s = sonstige Linien

Jahrgang SB* AA* SC* VV* SP* GL* CJ* SdJ* s*
2000 10 3 12 1 2 - 1 - -
2001 10 3 7 2 2 3 1 - 1
2002 11 6 6 4 3 - 1 - 1
2003 9 4 9 4 6 - - - 2
2004 8 7 8 4 - 1 1 1 5
2005 11 6 5 4 2 - 3 - 2
2006 10 3 2 6 3 1 4 1 5
2007 6 9 1 6 3 3 5 - 1
2008 16 5 2 5 4 5 1 1 4
2009 9 7 4 4 7 8 - - 1
2010 13 2 5 2 4 4 3 - 1
2011 3 4 - 8 7 4 1 - 1
2012 3 2 1 3 2 1 - 2 -
Summe 119 61 60 53 45 30 21 5 24
  28 % 15 % 14 % 13 % 11 % 7 % 5 % 1 % 6 %

Anders als in Italien gelangen in der schwedischen Traberzucht aber auch die übrigen Hengstlinien auf nennenswerte Erfolgszahlen. Die Arnie Almahurst-Nachkommen mit Pine Chip, Scarlet Knight und Sugarcane Hanover sind jedenfalls prominent vertreten (15 %), gefolgt von den männlichen Nachkommen Speedy Crowns (14 %), den Valley Victory-Söhnen und -Enkeln (13 %) und den restlichen Star’s Pride-Linien (11 %).

Die Speedy Crown-Hengstlinie außer Valley Victory ist in Schweden im Schwinden. Ihre starke Stellung in Italien verdankte sie hauptsächlich Varenne. Die männlichen Sharif di Jesolo-Nackommen spielen in der schwedischen Traberzucht so gut wie überhaupt keine Rolle (1 %). Bemerkenswert ist das Vorrücken der Valley Victory-Vertreter (13 %) und die zunehmende Präsenz der Garland Lobell-Hengstlinie (7 %). So stark wie in Schweden konnten sich diese beiden modernen amerikanischen Hengstlinien in Italien bislang nicht etablieren.

Einen Hinweis verdient die Hengstlinie von Coktail Jet (5 %), deren beste Erfolge allerdings einige Jahre zurückliegen. Eine überraschend starke Gruppe bilden die sonstigen Linien (6 %), die insbesondere mit französischen Hengsten besetzt sind. Insofern ist der Einfluss französischer Vaterpferde in der schwedischen Traberzucht stärker als in Italien.

Amerikanische Stutenväter die „todsicheren“ Vererber

Die Zuordnung der Mutterväter nach Nationalitäten ergibt keine Überraschung. Allenfalls diejenige, dass amerikanische Vaterpferde noch stärker dominieren als bei unserer Untersuchung über die italienische Traberzucht. Man sollte sich das Ergebnis einprägen: 80 Prozent aller von uns erfassten Pferde der Jahrgänge 2000 bis 2012 stammen aus Müttern von einem amerikanischen Hengst. Das ist eine klare Aussage!

Nationalität Muttervater

Jahrgang

2000 – 2012

Jahrgang

2010 – 2012

Amerika 80 % 77 %
Schweden 4 % 3 %
Frankreich 11 % 8 %
Europa 5 % 12 %

Die Mütter der großen Sieger

Ca. zwei Drittel der Mütter der schwedischen Gruppe-Sieger besitzen die heimische Nationalität. Das ist ein niedrigerer Prozentsatz als in Italien. Der Anteil der importierten Stuten liegt dementsprechend höher als bei unserer Untersuchung über die italienische Traberzucht. Generell lässt sich sagen, dass in den meisten Pedigrees der schwedischen Gruppe-Sieger binnen der ersten drei oder vier Generationen amerikanische Importe zu finden sind.

Nationalität Mutter

Jahrgang

2000 - 2012

Jahrgang

2010 - 2012

Schweden 70 % 66 %
Amerika 20 % 19 %
Frankreich 2 % 3 %
Europa 8 % 12 %

Wie in Italien spielen auch in der schwedischen Traberzucht französische Mütter überhaupt keine Rolle. Unter 418 Pferden waren es gerade einmal neun. Mit einer einzigen Ausnahme – Quarcio du Chene – besaßen ihre Erfolgsprodukte immer einen amerikanischen oder italienischen Blutanschluss (Viking Kronos).

Der Anteil der Mütter ohne Rennleistung ist in unserer Untersuchung sehr gering. Wie in Italien besitzen fast alle einen Rekord und können auf eine mehr oder weniger erfolgreiche Rennkarriere verweisen. Dennoch besteht zu Italien ein nennenswerter Unterschied. Die Rennkarrieren der schwedischen Elite-Stuten beginnen selten im Alter von zwei Jahren und erstrecken sich in der Regel über einen längeren Zeitraum als die Rennkarrieren ihrer italienischen Schwestern.