Doppelbegabungen
vom 22.10.2016

(jg) – Der französische Trabrennsport kennt zwei Spezies von Traber: Diejenigen vor dem Sulky und diejenigen unter dem Sattel.

Es herrscht weitestgehend Gleichberechtigung. Sowohl die Sulky- als auch die Satteltraber besitzen ihr eigenes Programm an Gruppe-Rennen. 23 Gruppe 1-Rennen des französischen Trabrennsports sind aufgeteilt in 14 Rennen für die Sulkytraber und neun Rennen für die Sattelspezialisten. Von 97 Gruppe 2-Rennen werden 59 Rennen mit dem Sulky entschieden, der Rest unter dem Sattel.

In der Regel geben Spezialisten den Ton an, doch hin und wieder entdeckt man Doppelbegabungen, die sowohl vor dem Sulky als auch unter dem Sattel Spitzenleistungen zu vollbringen imstande sind. Die Erfolgreichsten möchten wir unseren Lesern vorstellen. Nur einem Dutzend Traber der französischen Jahrgänge 2007 bis 2013 ist es gelungen, in beiden Disziplinen auf Gruppe 1- und/oder Gruppe 2-Niveau erfolgreich zu sein.

Eine Master-Frage vorweg, mit der man jeden Experten des französischen Trabrennsports garantiert in Verlegenheit bringt: Was haben Chaillot, Coktail Jet, Tenor de Baune, Prodigious, Goetmals Wood, Opus Viervil, Love You, Ready Cash, Quaker Jet und Saxo de Vandel gemeinsam? Alle sind Väter von Nachkommen, die sowohl vor dem Sulky als auch unter dem Sattel ein Gruppe 1- oder Gruppe 2-Rennen gewonnen haben, selbst aber nie ein Rennen unter dem Sattel bestritten haben.

Die Ausnahme bildet der Hengst Nice Love, der sich allerdings nur in den beiden letzten Rennen seiner Karriere unter dem Sattel versucht hat und beide Male ohne Geldgewinn in den Stall zurückgekehrt ist. Dies ist eine bemerkenswerte Feststellung, die uns vermuten lässt, dass die Veranlagung zum Satteltraben wohl eine erworbene, sprich antrainierte Fähigkeit ist. Hierfür spricht auch die Tatsache, dass fast alle Traber ihre Rennkarriere zunächst vor dem Sulky beginnen und erst später in das andere Metier wechseln.

Tiego d’Etang (68: 15 – 12 – 9 – 1.818.580 Euro – 1:10,4 Fahren – 1:12,6 Reiten)

geb., Geschl., Vater – Mutter – Muttervater Rekord Mutter Gewinne Mutter
2007, H. v. Chaillot – Harolene v. Vroum d’Or 5, 1:15,3 Fahren 130.602 Euro

Sieger Fahren: Pr. de Bretagne 2014 (Gr 2), Pr. Jockey 2012 (Gr 2), Pr. Albert Demarcq 2012 (Gr 2).
Sieger Reiten: Pr. Joseph Lafosse 2012 (Gr 2), Pr. de Normandie 2012 (Gr 1).
Trainer: Christian Bigeon

Tiego d’Etang zählt sicherlich zu den bedeutendsten Doppelbegabungen des französischen Trabrennsports der letzten Jahre. Seine Vorliebe scheint wohl eher mit dem Sulky zu liegen. Ähnlich lag es bei seiner Mutter Harolene, die erst gegen Ende ihrer Rennlaufbahn sechsmal unter dem Sattel startete, aber in diesem Metier lediglich 1.240 Euro gewann. Tiego d’Etang ist der einzige Gruppe-Sieger aus der Familie der Atalante VII in nahezu 100jähriger Geschichte.

Tucson (28: 9 – 3 – 2 – 453.613 Euro – 1:12,6 Fahren – 1:13,3 Reiten)

geb., Geschl., Vater – Mutter – Muttervater Rekord Mutter Gewinne Mutter
2007, H. v. Coktail Jet – Iolanthe v. Buvetier d’Aunou 5, 1:15,0 Fahren 107.476 Euro

Sieger Fahren: Pr. Kalmia 2010 (Gr 2), Pr. Paul Viel 2010 (Gr 2)
Sieger Reiten: Pr. Camille de Wazieres 2011 (Gr 2)
Trainer: Philippe Allaire

Tucson besaß Frühreife und war zunächst vor dem Sulky erfolgreich. Später wurde der Hengst gelegentlich mit Erfolg unter dem Sattel eingesetzt. Seine Mutter Iolanthe ist nie in Satteltraben probiert worden. Ebenso nicht Tucsons naher Verwandter Ualtar.

Union d’Urzy (21: 8 – 3 – 3 – 528.050 Euro – 1:12,7 Fahren – 1:15,8 Reiten)

geb., Geschl., Vater – Mutter – Muttervater Rekord Mutter Gewinne Mutter
2008, S. v. Coktail Jet – Made In Urzy v. Extreme Dream 5, 1:13,7 Reiten 210.230 Euro

Sieger Fahren: Pr. Annick Dreux 2011 (Gr 2), Pr. Reine du Corta 2011 (Gr 2), Pr. de l’Etoile 2011 (Gr 1)
Sieger Reiten: Pr. Ali Hawas 2011 (Gr 2), Pr. Holly du Locton 2011 (Gr 2)
Trainer: Thierry Duvaldestin

Diese Stute zählt zu den Wenigen, deren Talent zunächst unter dem Sattel zum Vorschein gelangte. Auch ihre Mutter Made In Urzy war eine Sattelspezialistin und in mehreren Monte-Prüfungen der gehobenen Klasse platziert. Union d’Urzys naher Verwandter Neoh Jiel war ebenfalls Spezialist unter dem Sattel.

Uncaring (24: 9 – 2 – 0 – 464.900 Euro – 1:12,5 Fahren – 1:13,6 Reiten)

geb., Geschl., Vater – Mutter – Muttervater Rekord Mutter Gewinne Mutter
2008, H. v. Nice Love – Neva du Rib v. Capriccio - -

Sieger Fahren: Pr. Pierre Plazen 2011 (Gr 2), Pr. Kalmia 2011 (Gr 2)
Sieger Reiten: Pr. Hemine 2011 (Gr 2), Pr. Felicien Gauvreau 2011 (Gr 2), Pr. Edouard Marcillac 2011 (Gr 2)
Trainer: Sebastien Guarato

Uncaring war frühreif und gewann sowohl vor dem Sulky als auch unter dem Sattel die ersten Gruppe-Rennen seines Jahrgangs. Seine Mutter Neva du Rib bestritt nur ein einziges Rennen. Die Vorliebe zum Satteltraben scheint in der Familie verankert zu sein. Die Geschwister seiner Großmutter, Jomo du Rib und Tina du Rib, waren ebenfalls erfolgreiche Sattelspezialisten.

Ulster Perrine (56: 12 – 3 – 3 – 426.760 Euro – 1:11,1 Fahren – 1:12,7 Reiten)

geb., Geschl., Vater – Mutter – Muttervater Rekord Mutter Gewinne Mutter
2008, H. v. Tenor de Baune – Nana Perrine v. Defi d’Aunou 3, 1:19,6 Fahren 7.300 Euro

Sieger Fahren: Pr. Maurice de Folleville 2015 (Gr 2)
Sieger Reiten: Pr. Olry Roederer 2012 (Gr 2)
Trainer: Jean Michel Baudouin

Obwohl Ulster Perrine überwiegend in der Disziplin Fahren eingesetzt wurde, gelang dem Hengst beim Satteldebüt ein Gruppe-Sieg. Seiner Mutter Nana Perrine war die Monte-Disziplin jedoch fremd, wie vielen anderen Trabern aus der näheren mütterlichen Verwandtschaft des Hengstes auch.

Valse Darling (37: 7 – 3  - 4 – 498.240 Euro – 1:11,2 Fahren – 1:14,7 Reiten)

geb., Geschl., Vater – Mutter – Muttervater Rekord Mutter Gewinne Mutter
2009, S. v. Prodigious – Fly Darling v. Podosis - 1.524 Euro

Sieger Fahren: Pr. Charles Tiercelin 2013 (Gr 2), Pr. Uranie 2012 (Gr 2)
Sieger Reiten: Pr. du President de la Republique 2013 (Gr 1)
Trainer: Philippe Moulin

Valse Darling bestritt zwar die meisten ihrer Auftritte vor dem Sulky, aber ihren größten Erfolg feierte die Stute als Siegerin im Prix du Presidente de la Republique unter dem Sattel. Insgesamt gab es nur drei Vorstellungen von Valse Darling als Satteltraberin. Ihr Vater mütterlicherseits, Podosis, war ein exzellenter Satteltraber.

Anastasia Fella (21: 4 – 6 – 0 – 438.250 Euro – 1:13,7 Fahren – 1:13,0 Reiten)

geb., Geschl., Vater – Mutter – Muttervater Rekord Mutter Gewinne Mutter
2010, S. v. Goetmals Wood – Jeanne’s Fella v. Coktail Jet 3, 1:15,2 Fahren 160.590 Euro

Sieger Fahren: Pr. Annick Dreux 2013 (Gr. 2), Pr. Reine du Corta 2013 (Gr 2), Pr. Une de Mai 2012 (Gr. 2)
Sieger Reiten: Pr. des Elites 2013 (Gr 1)
Trainer: Fabrice Souloy

Wie Ulster Perrine, und wie wir noch sehen werden, Booster Winner, Bird Parker und Dollar Macker ebenfalls, gelang Anastasia Fella das perfekte Satteldebüt mit einem Gruppe-Sieg im Prix des Elites. Erst gegen Ende ihrer Rennkarriere wurde die Stute häufiger im Reiten eingesetzt. Ihre Mutter Jeanne’s Fella zählte zur Spitzenklasse ihrer Generation, war jedoch ausschließlich vor dem Sulky im Einsatz.

Astor du Quenne (51: 16 – 11 – 5 – 1.072.140 Euro – 1:12,4 Fahren – 1:11,6 Reiten)

geb., Geschl., Vater – Mutter – Muttervater Rekord Mutter Gewinne Mutter
2010, H. v. Opus Viervil – Qualinka du Quenne v. Extreme Aunou 3, 1:21,1 Fahren 80 Euro

Sieger Fahren: Pr. Ephrem Houel 2014 (Gr 2)
Sieger Reiten: Pr. de Londres 2016 (Gr 2), Pr. de Normandie 2015 (Gr 1), Pr. Paul Bastard 2015 (Gr 2), Pr. Leon Tacquet 2015 (Gr 2), Pr. Olry-Roederer 2014 (Gr 2), Pr. Ceneri Forcinal 2014 (Gr 2)
Trainer: Sebastien Guarato

Astor du Quenne gelang zu Beginn seiner Rennkarriere ein Gruppe-Sieg im Fahren, später war der Hengst ein reiner Sattelspezialist. Sowohl seine Mutter Qualinka du Quenne als auch seine Großmutter Jutlandia wurden nie unter dem Sattel geprüft.

Booster Winner (35: 10 – 9 – 3 – 861.450 Euro – 1:10,9 Fahren – 1:11,8 Reiten)

geb., Geschl., Vater – Mutter – Muttervater Rekord Mutter Gewinne Mutter
2011, H. v. Love You – Quille Viretaute v. Elvis de Rossignol 3, 1:13,8 Fahren 151.350 Euro

Sieger Fahren: Pr. Pierre Plazen 2014 (Gr 2)
Sieger Reiten: Pr. Ceneri Forcinal 2015 (Gr 2), Pr. Rene Palyart 2015 (Gr 2), Pr. des Centaures 2015 (Gr 1), Pr. Raoul Balliere 2014 (Gr 2), Pr. des Elites 2014 (Gr 1), Pr. d’Essai 2014 (Gr 1)
Trainer: Sebastien Guarato, anfangs Philippe Allaire

Booster Winner begann seine Rennkarriere vor dem Sulky und wurde erst später ein bedeutender Monte-Spezialist. Seine ersten drei Versuche unter dem Sattel geschahen auf Gruppe-Niveau und waren allesamt siegreich. Mittlerweile findet sich der Hengst in beiden Disziplinen bestens zurecht. Seine erfolgreiche Mutter Quille Viretaute wurde nie in einer Monte-Prüfung gestartet.

Bird Parker (44: 11 – 9 – 2 – 1.117.880 Euro – 1:10,8 Fahren – 1:13,7 Reiten)

geb., Geschl., Vater – Mutter – Muttervater Rekord Mutter Gewinne Mutter
2011, H. v. Ready Cash – Belisha v. Fakir du Vivier 5, 1:16,0 Fahren 60.842 Euro

Sieger Fahren: Pr. Jean-Luc Lagardere 2016 (Gr 2), Pr. des Ducs de Normandie 2016 (Gr 2), Criterium des 4 ans 2015 (Gr 1)
Sieger Reiten: Pr. de Vincennes 2014 (Gr 1), Saint Leger des Trotteurs 2014 (Gr 1), Pr. Felicien Gauvreau 2014 (Gr 2)
Trainer: Philippe Allaire

Bird Parker ist der einzige Traber unserer Auflistung, der sowohl vor dem Sulky als auch unter dem Sattel ein Gruppe 1-Rennen gewonnen hat. Gleich sein erster Auftritt im Reit-Metier war ein Volltreffer. Zuletzt wurde der Ready Cash-Sohn allerdings wieder ausschließlich im Fahren eingesetzt. Bird Parkers Mutter Belisha ist nie unter dem Sattel gestartet.

Ciperla Mag (25: 6 – 1 – 0 – 295.700 Euro – 1:12,7 Fahren – 1:15,5 Reiten)

geb., Geschl., Vater – Mutter – Muttervater Rekord Mutter Gewinne Mutter
2012, S. v. Quaker Jet – Perle du Ravary v. Kiwi 4, 1:18,5 Reiten 7.660 Euro

Sieger Fahren: Pr. Masina 2015 (Gr 2), Pr. Roquepine 2015 (Gr 2)
Sieger Reiten: Pr. Ali Hawas 2015 (Gr 2), Pr. Holly du Locton 2015 (Gr 2)
Trainer: Bruno Bourgoin

Ciperla Mag gewann zwischen Januar und April 2015 vier Gruppe-Rennen in Serie. Zwei davon im Fahren und zweimal im Reiten. Auch ihre Mutter Perle du Ravary war eine Doppelbegabung, gewann aber ihr ganzes Geld vor dem Sulky.

Dollar Macker (14: 7 – 4 – 2 – 468.450 Euro – 1:12,5 Fahren – 1:12,7 Reiten)

geb., Geschl., Vater – Mutter – Muttervater Rekord Mutter Gewinne Mutter
2013, H. v. Saxo de Vandel – Salt Lake City v. Insert Gede 3, 1:15,1 Fahren 73.760 Euro

Sieger Fahren: Pr. Pierre Plazen 2016 (Gr 2), Pr. Paul Karle 2016 (Gr 2)
Sieger Reiten: Pr. des Elites 2016 (Gr 1)
Trainer: Philippe Allaire

Bei Dollar Macker glauben wir, das Potenzial für einen zukünftigen Superstar als Satteltraber gesehen zu haben. Nach einer erfolgreichen Karriere vor dem Sulky versuchte sich Dollar Macker zuletzt erstmals im neuen Metier und gewann auf Anhieb das Gruppe 1-Rennen Prix des Elites. Seine Mutter Salt Lake City startete auf Gruppe-Niveau, jedoch nur einmal unter dem Sattel.