Eine etwas andere Masters-Serie
vom 03.02.2015

(jg) – Bekanntlich hat der europäische Traberverband U.E.T. vor zwei Jahren den Grand Circuit International in die Mottenkiste gepackt und an dessen Stelle die Masters Serie aus dem Hut gezaubert. Dies geschah eindeutig zu Lasten kleiner Trabernationen.

Im Terminkalender der Masters-Rennen spielen viele kleine Verbände so gut wie keine Rolle mehr. 70 Prozent aller Masters-Rennen werden in Frankreich oder Schweden gelaufen. Das ist ein großer strategischer Fehler, wie sich immer mehr herausstellt. Die Topstars der internationalen Szene starten fast nur noch in Vincennes oder auf schwedischen Bahnen. Hierauf hat Traber-News.com bereits in einem früheren Bericht hingewiesen. Die Fußball-Champions League wird zwar auch von wenigen Clubs dominiert, die Vorrundenspiele finden aber dennoch in ganz Europa statt.

Jedes Wochenende werden irgendwo in Europa Masters-Rennen ausgetragen. Vor dem Sulky und unter dem Sattel. In Italien treffen regelmäßig ausschließlich in Italien stationierte Pferde aufeinander. Ebenso starten in der Regel französische gegen französische Pferde und schwedische gegen schwedische Pferde. Jede Woche ein anderes Masters-Rennen. Wen interessiert diese Flut an Masters-Rennen überhaupt noch?

Ein Masters-Finale um 500.000 Euro ist grundsätzlich eine gute Idee – nicht jedoch in der jetzigen Ausführung. Ab 2015 werden die Startplätze im Finale vergeben, nicht mehr verlost. Ein weiterer Vorteil für die großen Nationen mit Heimvorteil.

Traber-News.com möchte stattdessen eine Art europäische Breeders Crown vorschlagen, welche unterschiedliche Jahrgänge auf unterschiedlichen Distanzen zusammenführt. Offen für Pferde aller Länder. Ein internationaler Funken kann nur entzünden, wenn sich möglichst viele einbezogen fühlen. Das ist mit der jetzigen Masters-Serie leider nicht der Fall, die in Deutschland beispielsweise nur aus der Ferne verfolgt werden kann. Die dominante Stellung weniger großer Trabernationen, die nichts anderes als einen Verdrängungswettbewerb verfolgen, hat dazu geführt, dass der Trabersport in vielen kleineren Ländern Europas in seiner Existenz gefährdet ist.

Es ist völlig in Ordnung, wenn ein Masters-Event möglicherweise in Paris-Vincennes stattfinden würde. Dies ist die größte Trabrennbahn Europas, die einem großen Teilnehmerfeld die fairsten Chancen bietet. Auch das Ambiente in Frankreich ist top. Ein den Globus umspannender Wettpool würde die Attraktivität dieser Rennen noch erhöhen. Man muss allerdings einen Modus finden, der den Rest Europas nicht ausgrenzt. Eben ein Meeting mit einer Palette von Rennen über unterschiedliche Distanzen und verschiedener Altersklassen, die eine wahlweise Teilnahme gestattet.

Überdies prüft die Masters-Serie zu 95 Prozent fünfjährige und ältere Pferde. Auch dies ist von der Frankreich gelenkten U.E.T. Kalkül. Frankreich prüft seine eigene Rasse bis Ende vierjährig fast ausschließlich in nationalen Rennen, während insbesondere der nordische Trabrennsport bereits den jüngeren Jahrgängen eine internationale Plattform bietet.

Eine andere Masters-Serie könnte sich an der erfolgreichen Breeders Crown-Serie des amerikanischen Galopprennsports orientieren. Wir schlagen zum Beispiel vor:

Masters Finale internationale dreijährige Hengste / Wallache über die Mitteldistanz
Masters Finale internationale dreijährige Stuten über die Mitteldistanz
Masters Finale internationale vierjährige Hengste / Wallache über die Mitteldistanz
Masters Finale internationale vierjährige Stuten über die Mitteldistanz
Masters Finale internationale ältere Stuten über die Kurzdistanz
Masters Finale internationale ältere Stuten über die Mitteldistanz
Masters Finale internationale ältere Stuten über die Steherdistanz
Masters Finale internationale ältere Hengste / Wallache über die Kurzdistanz
Masters Finale internationale ältere Hengste / Wallache über die Mitteldistanz
Masters Finale internationale ältere Hengste / Wallache über die Steherdistanz
Masters Finale internationale frei für alle unter dem Sattel
Masters Finale internationale frei für alle vor dem Sulky

Das wären zwölf Masters-Finalrennen, die entweder an einem Wochenende oder an zwei unterschiedlichen Terminen an zwei unterschiedlichen Orten ausgetragen werden könnten. Für ein Masters-Finale sind je nach Bahngröße und Distanz zwischen 12 und maximal 18 Pferde startberechtigt. Für jede Rennserie werden Qualifikationsrennen mit Punktwertung für das Masters-Finale bestimmt. Zum Beispiel:

Dreijährige:
Nationale Derbys (Criterium des Jeunes, Prix Albert Viel, Svenskt Trav-Kriterium, Svenskt Trav-Oaks), internationale Gruppe 1-Rennen (z.B. E 3-Rennen, Ulf Thoresen Memorial)

Vierjährige:
Nationale Derbys (Criterium des 4 ans), internationale Gruppe 1-Rennen (z.B. Premio Triossi, Premio Continentale, Großer Preis von Deutschland, Konung Gustaf V’s Pokal, Drottning Silvias Pokal, SprinterMästaren, StoChampionatet), Prix Charles Tiercelin

Ältere Pferde:
Internationale Gruppe 1- und Gruppe 2-Rennen (maximale Anzahl an Rennen pro Nation)

Auf die Europachampionate der Drei- bzw. Fünfjährigen und den U.E.T.-Grand Prix könnte man verzichten und das hierfür frei werdende Geld für die Masters-Finalrennen verwenden. Auch die internationalen Gruppe 1-Rennen der Drei- und Vierjährigen im November und Dezember haben wir als Qualifikationsrennen unberücksichtigt gelassen, da die Masters-Finalrennen nicht später als im Oktober zur Entscheidung gelangen sollten. Die Masters-Finalrennen sollten selbstverständlich unterschiedlich dotiert sein, z. B. ab 250.000 Euro (Dreijährigenrennen) bis eine Million (Frei für alle).

Unsere Überlegungen mögen als konstruktiver Beitrag zur Wiederherstellung einer europäischen Trabergemeinde gelten. So wie es im Moment läuft, agiert der Trabrennsport an einigen traditionellen europäischen Trabernationen komplett vorbei. Das endgültige Aus könnte dann schneller kommen als gedacht.