Gelingt Orlando Vici der Turnaround?
vom 06.07.2016

(jg) – Einen verzweifelten Existenzkampf in der französischen Traberzucht führt derzeit die Hengstlinie von The Great McKinney.

Dabei stand diese Linie in den 50er Jahren des vergangenen Jahrhunderts in ihrer Blütezeit. Zwei Söhne des Amerikaners The Great McKinney, der 1932 geborene Kairos und sein 1936 geborener Vollbruder Ogaden, standen zwischen 1952 und 1958 an der Spitze der erfolgreichsten Vaterpferde Frankreichs. 60 Jahre später kämpft diese Hengstlinie ums Überleben.

Kairos
Kairos galt lange Zeit als der Bedeutendere der beiden Brüder. Seine Tochter Gelinotte war einst das beste Trabrennpferd Europas. Zweimal, 1956 und 1957, triumphierte die Stute im Prix d’Amerique. 1960 machte es Hairos II ihr nach. Aber nur Hermes D. war es vorbehalten, das Erbe seines Vaters über die Jahrzehnte zu bewahren. Buffet II, ein Enkel von Hermes D., besaß viele gute Nachkommen, und einige Hoffnungen galten seinen Söhnen Ultra Ducal und Riton du Gite. Ein letzter schwacher Hoffnungsschimmer der Kairos-Linie ist Iton du Gite.

Ogaden
Ein wenig mehr Zukunftsphantasien birgt die Ogaden-Hengstlinie, obwohl sie lange Zeit in eine Sackgasse zu führen schien. Über Ogaden wird berichtet, dass der Hengst die Rennbahn erst im Alter von vier Jahren betrat. Vielleicht war dies seiner Größe von 168 cm Stockmaß geschuldet. Vierjährig startete Ogaden zweimal. Er gewann ein Rennen und war einmal Zweiter. Erst nach langer Pause kam er am 3. Dezember 1941, also zum Ende seines fünften Lebensjahres, im Prix Maurice de Gheest wieder siegreich an den Start. 1942 war Ogaden mit einer Jahresgewinnsumme von 510.000 Francs der gewinnreichste Traber Frankreichs.

Unter Ogadens zahlreichen Nachkommen war es der frühreife Luth Grandchamp, Sieger im Criterium des 3 ans und im Criterium Continental, der die Fahne The Great McKinneys hoch hielt. In Luth Grandchamps ersten Jahrgang, geboren 1961, befand sich Rex Grandchamp, dessen Karriere als Vaterpferd wohl eher enttäuschend verlief. Aber in seinem ersten Jahrgang, geboren 1969, befand sich Dekeel.

Dieser Hengst besaß eine hervorragende Mutterlinie. Seine Mutter Keel war eine Vollschwester zur Großmutter von Dimitria, einst eine der besten Stuten Europas. Dimitria finden wir heute in der direkten Linie von Pferden wie Mara Bourbon, Qualita Bourbon, Sam Bourbon, Scala Bourbon, Calita Bourbon, Royal Crown, Tast of Bourbon, Princess Face und Policy of Truth.

Dekeel soll ein exzellentes Rennpferd gewesen sein, agierte aber vornehmlich in der Provinz. Sein bedeutendster Erfolg war sein Sieg im Grand Prix de la Ville de Caen. Von 1978 bis 1989 zeugte Dekeel 221 Nachkommen, im Durchschnitt also nur 18 Pferde pro Decksaison. Sein mit Abstand Bester war Quadrophenio, geboren 1982, der in jungen Jahren sogar als Bester seiner Generation betrachtet wurde.

Mit Quadrophenio kreuzte auch unser Champion Diamond Way die Klingen. Dies war im Criterium Continental 1986, aus dem Quadrophenio als Sieger hervorging und Diamond Way den dritten Rang belegte. Zuvor hatte Quadrophenio bereits das Criterium des 4 ans an seine Fahnen geheftet und war in zahlreichen Klassikern seines Jahrgangs siegreich gewesen.

Quadrophenio war in seinen ersten vier Saisons ein unterschätzter Hengst mit lediglich um die 30 Nachkommen pro Jahr. Seine Herkunft entsprach nicht dem Trend. Das änderte sich, als in seinen ersten beiden Jahrgängen mit Charmeuse Begonia, Siegerin im Prix de Vincennes, Dandy Chouan, Sieger im Prix Henri Balliere, und Caballio In Blue, erfolgreiche Nachkommen ausgemacht wurden. Anschließend besaß Quadrophenio über zehn Jahre lang ausgebuchte Decklisten, die zu 1.130 Nachkommen in Frankreich geführt haben. Sein letzter Jahrgang erblickte 2009 das Licht der Welt.

Quadrophenios Sohn Caballio In Blue überraschte die Fachwelt mit Kesaco Phedo, der 2004 im Prix d’Amerique gegen Abano As triumphierte. Kesaco Phedos Söhne Ushiro Gwen und Ave Avis und seine Tochter Cassandre d’Em gewannen auf höchstem Niveau. Ein anderer Sohn Quadrophenios, Kuadro Wild, brachte die Gruppe-Sieger Reverie d’Ar und Asana Trembladaise. Mit Uppercut du Rib besitzt Quadrophenio noch einen weiteren Hoffnungsträger in der Zucht, dessen erster Jahrgang jetzt zwei Jahre alt ist.

Trotz der schönen Erfolge der Nachkommen von Quadrophenio wäre diese Hengstlinie wohl dem Untergang geweiht, wäre da nicht Orlando Vici. Ein edler, dunkelbrauner Hengst mit einem gar nicht französisch klingenden Namen. Er war Sieger im Criterium des 3 ans sowie im Criterium des 4 ans. Orlando Vicis Aushängeschild ist momentan Un Mec d’Heripre, der bei seinen letzten 13 Starts nur im Prix d’Amerique nicht auf einem Geldrang endete.

Bemerkenswert ist, dass Orlando Vicis Popularität außerhalb Frankreichs bislang größer war als im eigenen Land. In Schweden ragen seine Söhne Pato (Derby-Sieger), Alfas da Vinci, Udo’s Oiler und Porthos Amok heraus, in Norwegen Glen Ord Superb (Derby-Sieger) und Red Adair Superb, in Finnland Cherry Chapstick und in Holland Attrape Moi und Early Stardust.

Vielleicht gelingt es Orlando Vici, die Hengstlinie von The Great McKinney der Traberzucht zu erhalten.