Mack Lobell mit 32 Jahren eingeschläfert
vom 25.02.2016

(jg) - Einer der besten Traber des letzten Jahrhunderts ist tot: Mack Lobell!

Mack Lobell gewann während seiner sechs Jahre umspannenden Rennkarriere 71 Rennen und trat 1991 als gewinnreichster und schnellster nordamerikanischer Traber aller Zeiten von der Bühne ab. 1988 gewann Mack Lobell als bislang einziges Pferd in der langen Geschichte des Solvalla Elitloppets das Rennen im Alter von vier Jahren. Das Video dieses legendären Rennens und die Tage davor mit dem Verkauf von Mack Lobell an ein schwedisches Konsortium sind am Ende unseres Berichtes dokumentiert. 1990 sicherte sich Mack Lobell den Elitloppet ein zweites Mal.

Nach dem Verkauf kehrte Mack Lobell noch einmal in seine alte Heimat zurück und gewann u.a. die Breeders Crown und den International Trot. Später in Europa gastierte Mack Lobell in Deutschland, Holland, Italien, Norwegen, Finnland, Schweden und Dänemark. Eine Karriere, wie man sie von Spitzenpferden der heutigen Zeit leider kaum noch zu sehen bekommt. Alle Auftritte in Deutschland gestaltete Mack Lobell siegreich. 1989 im Großen Preis von Bild Hamburg vor Friendly Face und Napoletano und im Großen Preis der Sparkasse Gelsenkirchen vor Friendly Face und Riton du Gite. 1990 gewann Mack Lobell den Großen Preis von Bild Hamburg ein zweites Mal. Für 10:10 am Toto waren Park Ridge Lobell und Action Skoatter nur bessere Sparringspartner.

Mack Lobell besaß ohne Zweifel Charisma. Manchmal konnte er sein Umfeld zur Verzweiflung bringen, doch seine Fangemeinde war bis zu seinem Tod riesengroß. Sein ständiger Fahrer in Nordamerika, John Campbell, nennt Mack Lobell den besten Traber, hinter dem er je gesessen hat.

In der Zucht vermochte Mack Lobell zwar nicht alle Erwartungen zu erfüllen, zeugte aber dennoch viele erfolgreiche Traber, u.a. die Oaks-Siegerin Sissela As. Als Zuchthengst wird Mack Lobell in erster Linie als erstklassiger Stutenvater in Erinnerung bleiben. So stammen z.B. die Mütter von Commander Crowe, Alexia As, Everest As, Jaded, Sanity, Pebbly, Profit As, Drillbit As, Artistic As und Orecchietti von Mack Lobell. Die letzte Heimstätte von Mack Lobell war Menhammar Stuteri. Mit der Nachricht “Mack Lobell auf die ewig grünen Wiesen” nahm am 22. Februar die lange und einmalige Karriere von Mack Lobell ein Ende.

Der Verkauf von Mack Lobell
Eine spannende Geschichte war der Verkauf von Mack Lobell im Jahre 1988 von Louis Guida an ein schwedisches Besitzerkonsortium unter der Führung von John-Erik Magnusson. Der Autor dieser Zeilen kann sich auf vertrauliche Kontakte zum amerikanischen Umfeld von Mack Lobell berufen und besaß Einsicht in Kopien von handgeschriebenen Dokumenten, die den Verkauf des Pferdes begleiteten. Die nachfolgende Geschichte, erstmals veröffentlicht in der Traber-Rundschau 1988, ist authentisch.

Am Donnerstag, den 19. Mai, trifft Louis P. Guida, Manager und Mitbesitzer von Mack Lobell, in Stockholm ein, wo er von einem Repräsentanten der Rennbahn Solvalla empfangen wird. Obwohl sich Guida nach einem ereignislosen Siebenstundenflug müde fühlt, dirigiert er seinen Chauffeur schnurstracks zur Rennbahn, um Mack Lobell zu sehen.

Wegen strenger Quarantänebestimmungen in Schweden muss Mack Lobell für 12 Tage in Isolation stehen. Die Bahn von Solvalla darf Mack Lobell erst nach 13.30 Uhr betreten, wenn alle lokalen Pferde ihr Schnellfahrtraining beendet haben.

Nach Ansicht von Louis Guida macht Mack Lobell einen etwas verwirrten Eindruck, obwohl der Hengst zufriedenstellend frisst. Man macht die 20-stündige ermüdende Reise für die offenbare Trübsal von Mack Lobell verantwortlich, denn am Freitag und Samstag scheint sich der Zustand des Pferdes etwas zu verbessern.

Am Sonntag, den 22. Mai, trifft Mack Lobells Trainer Chuck Sylvester ein und begibt sich direkt zur Rennbahn, um den Hengst zu trainieren. In diesem Moment sprechen Louis Guida und Chuck Sylvester von ihrem „größten Schock in ihrem Leben“. Mack weigert sich, die Rennbahn zu betreten.

Weder Guida noch Sylvester haben so etwas jemals erlebt. Es ist, als ob Macks Beine am Boden kleben. Hunderte von Zuschauer, Zeitungsreporter, Fotografen und Fernsehkameras sind Augenzeugen von Mack Lobells Halsstarrigkeit. Es ist ein einmaliges Schauspiel, und manch einer kann sich ein Lachen nicht verkneifen ob der komischen Szene, die der weltbeste Traber, der erfolgreichste Manager des Trabersports sowie Amerikas führender Trainer in diesem Moment abgeben.

Es ist einfach nichts mit Mack Lobell an diesem Tag anzufangen. Man muss gezwungenermaßen in den Stall zurückkehren. Lou Guida und Chuck Sylvester fühlen sich nicht nur verwirrt, sondern auch höchst verlegen und gedemütigt.

Chuck Sylvester gibt gegenüber der Presse bekannt, dass man gedenkt nach Hause zu fahren, sollte sich Mack Lobells Verhalten in den nächsten Tagen nicht ändern. Da Mack seit dem 9. Mai nicht mehr gestartet ist, benötigt er unbedingt einige schnelle Trainingseinheiten, um für das Elite-Rennen fit zu sein.

Im Hotel ist Chuck Sylvester der Meinung, dass Mack Lobell möglicherweise rennbahnmüde sei. Nach den Strapazen von zwei Jahren Training, etlichen schnellen Meilen und vielen Reisen in den letzten Wochen, könnte dies das Ende der Rennlaufbahn von Mack Lobell bedeuten.

Vielleicht lüstet es Mack Lobell auch nach etwas anderem als Rennen laufen, seitdem er einige Stuten zur Probe gedeckt hat. Man verlangt, Mack auf eine Farm bringen zu dürfen, um ihm eine andere Umgebung zu zeigen. Diese Bitte lehnen die schwedischen Behörden strikt ab. Nach drei Martini und der Drohung abzureisen, gelingt es Louis Guida die Behörden zu überreden, dass Mack Lobell wenigstens einen eigenen Paddock zugewiesen bekommt und in Begleitung anderer Pferde trainieren darf.

Als Mack Lobell die Rennbahn betritt und andere Pferde neben sich sieht, spitzt er seine Ohren. Er fühlt sich offensichtlich besser, ist aber noch weit davon entfernt, perfekt zu sein. Mack joggt einige Runden, aber weigert sich immer noch, schnell zu trainieren.

Jetzt greift Louis Guida zum Telefon und sendet einen Notruf an Macks Tierarzt Dr. Ken Seeber, der auf der Stelle nach Schweden kommen soll. Dr. Seeber glaubt zunächst an einen Scherz, lässt dann aber doch alles stehen und liegen, obwohl das Fliegen keineswegs zu seinem Lieblingszeitvertreib zählt.

Die Dinge komplizieren sich, da Dr. Seeber über keinen gültigen Reisepass verfügt. Die Ausstellung eines provisorischen Passes beansprucht acht lästige Stunden bei der New Yorker Verwaltung, bevor Dr. Seeber in Stockholm eintrifft.

Macks Zustand verbessert sich jetzt von Tag zu Tag. Nachdem Dr. Seeber Mack gründlich untersucht und ihm eine Vitaminkur und ein besonderes Bewegungsprogramm verschrieben hat, gelingt es, Mack Lobell vor einer riesigen Zuschauermenge die Meile in zwei Minuten zu trainieren. Das ist Guida und Sylvester aber bei weitem nicht schnell genug.

 Längst verfolgt die schwedische Presse jeden Schritt von Mack Lobell mit großer Aufmerksamkeit, da gelangen erste Anfragen an Louis Guidas Dolmetscher, ob Anteile an Mack Lobell zu kaufen wären. Guida lässt antworten, dass keine Anteile zum Verkauf stünden, aber zum richtigen Preis wäre das ganze Pferd zu haben. Bei aller Liebe zu Mack Lobell ist es als Manager und Mitinhaber seine Pflicht, die Kapitaleinlage seiner Geldgeber bestmöglich zu verwalten.

Natürlich erwartet Guida „cash“, und so scheint sich dieses Thema von alleine erledigt zu haben, bis sich kurz vor dem Elite-Rennen ein Anrufer nach dem Preis erkundigt. Guida verlangt sieben Millionen Dollar, der Anrufer meldet sich zurück und bietet vier Millionen.

Guida lehnt ab, obwohl er das Gefühl hat, dass der Preis angesichts der Fruchtbarkeitsprobleme von Mack Lobell angemessen erscheint. Louis Guida hat den Eindruck, dass die Gegenseite ernsthaft an einem Kauf interessiert ist und beginnt kurz vor dem wichtigen Rennen ein Pokerspiel. Wohl wissend, dass Mack Lobell langsam wieder zu sich selbst findet, aber noch nicht der Alte ist.

Der Agent bietet als nächstes fünf Millionen Dollar, zahlbar in kurzfristigen Raten, was Guida akzeptiert. Außerdem soll Mack Lobell von einem Tierarzt der Gegenseite vollständig untersucht und einem Fruchtbarkeitstest unterzogen werden. Den Fruchtbarkeitstest lehnt Guida kategorisch ab, bietet aber eine frühere Untersuchung aus Amerika an, allerdings ohne Gewähr und irgendwelchen Garantien.

Der Deal steht auf des Messers Schneide. Die Gegenseite berät sich mit ihrem Tierarzt und willigt zur völligen Überraschung von Louis Guida in dessen Bedingungen ein. Mack wird jetzt eingehend untersucht.

Das Pokerspiel geht weiter. Nun verlangt der Agent, lediglich 75 Prozent des Pferdes auf der Basis von fünf Millionen Dollar erwerben zu wollen. Die restlichen 25 Prozent sollen im Eigentum von Louis Guida verbleiben. Wieder verneint Guida und sagt, alles oder nichts. Als auch die Gegenseite ablehnt, scheint das Geschäft geplatzt zu sein.

Aber der Agent des Käufers argumentiert geschickt. Er sagt, dass Guida der beste Pferdemanager der Welt sei und ohne seine Hilfe würden sich die neuen Eigentümer nicht wohlfühlen. Auch Guida weiß, dass keine Farm in Amerika die angebotene Summe für Mack Lobell hinblättern würde, schon gar nicht „cash“.

Guida hat den Eindruck, dass die Gegenseite entschlossen ist, andererseits ist das Angebot zu verlockend. Er willigt ein unter der Bedingung, dass seine 25 Prozent nach Beendigung der Rennlaufbahn von Mack Lobell auf der Basis von fünf Millionen übernommen werden müssen, da Guida naturgemäß kein Interesse besitzt, an einem Deckhengst in Schweden beteiligt zu sein.

Dies wird vom Agenten der Gegenseite akzeptiert, der nun aber eine Bombe platzen lässt – falls er zu diesem Zeitpunkt über ausreichend Barmittel verfügen sollte. Anderenfalls würde er sich dafür einsetzen, einen Ersatzkäufer zu beschaffen, vorausgesetzt das Pferd läuft bis dahin zufriedenstellend.

Louis Guida gerät in Rage. Es hat den Anschein, als ob man seine Zeit stehlen möchte. Wenn man nicht absehen kann, ob man am Ende von Mack Lobells Rennkarriere Lou Guidas 25 Prozentanteil aufbringen kann, wie will man jetzt 75 Prozent, 3.750.000 Dollar, bezahlen?

Der Agent bietet eine Anzahlung von zehn Prozent an, 375.000 Dollar, weitere 2.375.000 Dollar in drei Wochen zum 17. Juni und eine letzte Zahlung von 1.000.000 Dollar mit 9,5 Prozent Verzinsung am 1. Dezember des Jahres. Es sollen 100 Anteile an Mack Lobell herausgegeben werden, hiervon gehören 25 Anteile Louis Guida. Die restlichen 75 Anteile sollen zum Preis von 60.000 Dollar verkauft werden. 75 Prozent der zukünftigen Rennpreisgewinne von Mack Lobell werden gegen die ausstehende Zahlung von einer Million Dollar verrechnet.

Louis Guida ist perplex. Das Angebot übertrifft seine kühnsten Erwartungen angesichts der widrigen Umstände um Mack Lobell, und dennoch zögert der Manager für einen Augenblick. Als der Agent einen Verrechnungsscheck über 375.000 Dollar überreicht und verspricht, dass das Geld verfallen sei, falls er nicht spätestens zehn Tage nach dem 17. Juni die Summe von 2.375.000 Dollar aufbringen kann, schlägt Louis Guida in den Verkauf von Mack Lobell ein.

Der Vertrag wird am 31. Mai, am Tage des Elite-Rennens, unterzeichnet. Da Mack Lobell das Elite-Rennen in überzeugendem Stil gewinnt, ist der Verkauf der Mack Lobell-Anteile nur noch eine Formsache. Obwohl schwedische Zeitungen immer von mehreren ernsthaften Käufern gesprochen haben, gab es tatsächlich nur dies eine Angebot.

what a horse - what a driver

https://www.youtube.com/watch?v=dGIMXdSZflE