Stutenfamilien in der Welt des Trabersports (1)
vom 03.02.2015

Fanny Mapes

(jg) – Jeder Traber lässt sich in seiner Mutterlinie auf eine sogenannte Familienbegründerin zurückverfolgen. Insgesamt dürften heutzutage mehr als 1.000 Familien in der Welt des Trabersports aktiv sein.

Die meisten dieser Familien sind amerikanischen oder französischen Ursprungs. In Frankreich sollen es 288 Stämme sein. Dies ist nicht weiter verwunderlich, da Nordamerika als die Wiege des Trabrennsports gilt und Frankreich seine Traberzucht seit jeher geschützt, sprich isoliert hält. Russische und andere Ursprünge sind im Laufe der vergangenen 150 Jahre weitest gehend zurückgedrängt worden und spielen in den Traberzuchten Nordamerikas oder Europas nur noch eine untergeordnete Rolle.

Die deutsche Traberzucht hat während ihrer Anfänge zahlreiche Stutenstämme besessen. Die meisten resultierten durch Importe aus Amerika. Vereinzelt gab es aber auch Familien mit deutschen Wurzeln, die aus experimentiellen Anfängen entstanden sind. Der deutschen Traberzucht ist in den vergangenen 20 Jahren der Boden so gut wie vollständig entzogen worden. Die heutige Situation kommt der politischen Wende 1989 sehr nahe, als sich die Traberzucht der DDR in Luft auflöste. Die deutsche Traberzucht ist ein Opfer der Globalisierung geworden.

Die Frage, ob es einen Sinn ergibt, Familien-Stammbäume bis in die Ursprünge zu verfolgen, ist berechtigt. Sicherlich haben heutige Nachkommen mit einer Familienbegründerin vor 150 Jahren wenig bis gar nichts mehr gemeinsam. Dazwischen liegen oft 20 Generationen und mehr. Unbestritten ist aber auch, dass sich gewisse Familien erfolgreicher entwickelt haben als andere. Wer nach Champions Ausschau hält, der sollte beim Stutenstamm beginnen.

Traber-News.com wird seinen Lesern in den kommenden Monaten einige der aktuell bedeutendsten Stutenfamilien des internationalen Trabrennsports vorstellen. Nach Möglichkeit mit Bezug auf die Traberzucht in Deutschland. Beginnen möchten wir mit der Familie unseres Traber des Jahres 2014, Banks.

Banks ist ein Spross der Familie der Fanny Mapes, geb. 1859 v. Abdallah 15 in Amerika. Diese Familie ist aktuell sowohl in Nordamerika als auch in Europa präsent. In Nordamerika allerdings nur noch vereinzelt auf Top-Niveau.

Fanny Mapes besaß zwei Töchter, über deren Zweig die Spuren der Familie zurückverfolgt werden können. Die eine ist die 1874 geborene Hattie Mapes v. Abdallah Star 15 und die andere die 1876 geborene Lena Mapes v. Louis Napoleon 207. Übrigens, jeder Hengst aus den Anfängen der amerikanischen Traberzucht hat von Traberhistoriker John Hervey eine Nummer zugeordnet bekommen, um häufige Namensgleichheiten zu unterscheiden. So besitzt der Vater der amerikanischen Traberzucht, Hambletonian, z.B. den Zusatz Hambletonian 10.

Der Zweig der Hattie Mapes ist sowohl in Amerika wie in Europa der bedeutendere. Es ginge zu weit, an dieser Stelle alle großen Pferde dieser Familie aufzulisten. Wir wollen uns auf einige Wenige beschränken. Eine gewisse Bedeutung als Vaterpferd erreichte der 1950 geborene Jamie a.d. Molly Spencer, dessen bester Nachkomme Governor Armbro war. Governor Armbros Mutter In Free war eine Halbschwester zu Eileen Eden, mit der Hans Frömming in Europa zahlreiche große Rennen gewann. Jamie war auch Vater von Arden Al, der als Vater von Diamond Ways Mutter Königskrone in der deutschen Traberzucht Spuren hinterlassen hat.

Nachkommen von Bedeutung dieser Familie aus jüngerer Zeit sind der Dollarmillionär Jm Vangogh, geb. 2000 a.d. Queen Tut, und die Grand Circuit-Siegerin Happy Diamonds, geb. 1987 a.d. Sharon’s Steak. Aktuell am erfolgreichsten in Amerika ist die Familie der Fanny Mapes mit den Nachkommen der 1988 geborenen Leigh Lobell a.d. Lady Bonefish, der 1993 geborenen Monet Blue Chip a.d. Joan T Collins, und der 1989 geborenen Swift Kathy a.d. Vinassi.

Zum Lady Bonefish-Zweig zählt die in Finnland beheimatete Dame Edna Hanover, geb. 1998 a.d. Dame Catherine. Sie brachte den finnischen Derbysieger 2006 Quicksilver Kemp. In Schweden sehr populär waren zeitweilig die Nachkommen der 1965 geborenen Keystone Melody a.d. Miss Velocity. Melody d’Amour, geb. 1997 aus der Miss Melody, ist eine Urenkelin der Keystone Melody und Mutter von Reven d’Amour, Sieger im Europachampionat der Dreijährigen 2008. Der in Italien sehr erfolgreiche Our Dream of Mite ist ein Enkel der Keystone Mite, geb. 1967, eine Vollschwester zu Keystone Melody.

Aus diesem Familienzweig stammt auch Banks, unser Traber des Jahres 2014. Seine Ur-Urgroßmutter President Alan, geb. 1966, ist ebenfalls eine Vollschwester zu Keystone Melody. Banks’ Großmutter Image of Beauty, geb. 1989 a.d. Creature of Beauty, brachte Avril, den italienischen Derbysieger 2000 und Impact As, Breeders Crown-Sieger 2010 in Deutschland.

Der für die Familie Mommert wirkende Deckhengst Mount Rushmore führt ebenfalls das Blut der Miss Velocity. Seine Urgroßmutter Keystone Merit, geb. 1973 v. Hickory Pride, ist eine Vollschwester zu Banks’ Ur-Urgroßmutter.

Über Holland kam 1942 die 1929 geborene Jade v. Bunter nach Deutschland, eine Tochter der Miggles, geb. 1919 v. Lee Axworthy. Miggles gehört dem Hattie Mapes-Stamm an. Jades Tochter Lilly Jade, geb. 1944 v. Brother Hanover, brachte die Zuchtrennensieger Fortissimo und Hurrikan. Eine weitere Tochter der Jade, die 1945 geborene Christa Jade v. Plutarch, zeichnet verantwortlich für die Zuchtrennensieger Krimlin (a.d. Kristina) und Royal Calex (a.d. Calexin).

Auch der Stall M.S.Diamanten züchtete mit Stuten der Fanny Mapes-Familie. Zwei erfolgreiche Zuchtstuten waren Saskia Bisa, geb. 1990 v. Mack the Knife, und Nancy Pride, geb. 1987 v. Impish Pride. Saskia Bisa brachte den jetzt in der Zucht eingesetzten Fotoboy Diamant und E.T. Diamant, und Nancy Pride den Zuchtrennensieger Hannes Diamant.

Fanny Mapes’ anderer Familienzweig über ihre Tochter Lena Mapes ist nur noch in Europa von Bedeutung. Die 1978 geborene schwedische Stute Honey Born a.d. La Rumba ist Mutter von Don Giovanni, finnischer Derbysieger 2002, und ihre 1997 geborene Tochter Desdemona brachte Belmonte, finnischer Kriterium-Sieger 2006.